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Aktion im DorfWenn es eng wird in der Schlebuscher Fußgängerzone

Im Dorf kommt es immer wieder zu gefährlichen Szenen zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.

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Radfahrer und Fußgänger kommen sich in der Schlebuscher Fußgängerzone immer wieder in die Quere.

Radfahrer und Fußgänger kommen sich in der Schlebuscher Fußgängerzone immer wieder in die Quere.

Wenn Baustelle, Markt und Außengastronomie aufeinandertreffen, wird es in der Schlebuscher Fußgängerzone eng. Der Platzmangel verursacht oft Schwierigkeiten zwischen Radfahrern und Fußgängern, in deren Folge es auch mal gefährlich werden kann. Darüber hatten sich viele Schlebuscherinnen und Schlebuscher bei der Stadt beschwert. Die hatte deshalb mit der Polizei für Donnerstagvormittag eine Aktion unter dem Titel „Miteinander. Mobil. Schlebusch“ organisiert. Das Ziel: Radfahrer und Fußgänger für ein besseres Miteinander informieren.

Conchita Laurenz und ihr Team aus dem Fachbereich Mobilität und Klimaschutz hatten sich am Donnerstag mit der Polizei Köln auf der Schlebuscher Fußgängerzone aufgestellt. Laurenz erklärte, dass die meisten Auseinandersetzungen entstünden, wenn Fahrräder die Geschwindigkeitsbegrenzung von sieben Kilometern pro Stunde in der Fußgängerzone nicht beachteten oder wenn sie gefährlich überholten. „Wir müssen darauf hinweisen, dass Fahrräder auf der Fußgängerzone willkommen sind, aber auch nachrangig sind“, betont Laurenz.

Die Polizei informierte Radfahrer unter anderem über die Schrittgeschwindigkeit.

Die Polizei informierte Radfahrer unter anderem über die Schrittgeschwindigkeit.

Während das Team der Stadt mit Infomaterialien und reflektierenden Westen die Menschen anzog, hielten die Polizeibeamten Fahrräder an und wiesen sie auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hin. Die Beamten empfehlen, abzusteigen, wenn es großen Andrang im Dorf gibt. Denn: Fußgänger haben hier Vorfahrt. Dabei soll die Aktion nicht repressiv, sondern präventiv wirken, so Laurenz. Es gehe darum, an das Gewissen der Radfahrer zu appellieren und sie für ein besseres Miteinander zu motivieren.

Die Aktion kommt bei den Anwohnerinnen und Anwohnern gut an. Am Stand ist zu spüren, dass das Thema für die Schlebuscherinnen und Schlebuscher ein emotionales ist. Ein Anwohner beschwert sich, dass die Aktion in den Ferien stattfindet: „Die meisten Raser sind Schüler vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium“, behauptet er. Daher möchte die Stadt auch im Frühjahr 2027 noch mal eine Aktion organisieren.

Raimond Schmahl hat auf eigene Rechnung für 120 Euro zwei Schilder anfertigen lassen.

Raimond Schmahl hat auf eigene Rechnung für 120 Euro zwei Schilder anfertigen lassen.

Raimon Schmahl ist meist mit dem Rad in der Fußgängerzone unterwegs, und zwar im Schritttempo. Trotzdem werde er oft angemosert. „Ich bin einfach das ewige Gemecker leid“, sagt er. Bevorzugt seien das Leute, von denen er annimmt, dass sie sich selbst seltener mit eigener Muskelkraft bewegen. Aber: Schmahl ist zwar Radfahrer, aber neutral in der Sache. Es gebe Radfahrer und zunehmend Leute auf E-Rollern, die rücksichtslos mit viel zu hohem Tempo über die Bergische Landstraße bretterten, oft Männer.

E-Scooter verärgern viele Menschen in der Fußgängerzone. Für das Mobilitätsteam der Stadt ist die Angelegenheit schwierig. Denn, wo E-Scooter fahren dürfen, sei immer noch eine Grauzone, betont Conchita Laurenz. Die Gefahr werde jedoch immer größer und es gebe mehr Beschwerden. Gerade, weil E-Scooter bei jungen Menschen so beliebt sind, möchte das Team auch an einem Schultag zum Miteinander in der Fußgängerzone aufrufen.

Fabain Urh (v.l.), Katharina Zager und Conchita Laurenz vom Fachbereich Mobilität und Klimaschutz appellierten am Sonntag für mehr Miteinander in der Fußgängerzone.

Fabain Urh (v.l.), Katharina Zager und Conchita Laurenz vom Fachbereich Mobilität und Klimaschutz appellierten am Sonntag für mehr Miteinander in der Fußgängerzone.

Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, möchte der Fachbereich Mobilität und Klimaschutz Schilder an der Fußgängerzone anbringen. Zwei Wochen lang sollen die Schilder hängen, die die Radfahrer auf Schrittgeschwindigkeit hinweisen.

Bis vor zwei Jahren hing an der nördlichen Zufahrt ein anderes Schild: „Partner nehmen Rücksicht“. Aber das sei verschwunden, sagt Raimond Schmahl. Das Problem wollte der Schlebuscher mit eigenen Mitteln lösen und bestellte im Internet für 120 Euro zwei Schilder in Straßenbauqualität. Aber er musste feststellen, dass sich weder die Stadtverwaltung noch die Geschäftsleute für seine Schilder einsetzen wollten: Alle finden Gründe, weshalb das Anbringen nicht möglich sein soll. Jetzt stehen sie bei ihm zu Hause und Schmahl ist enttäuscht, dass sich niemand mit ihm gemeinsam einsetzen will.

Radfahrer sind gute Kunden in Schlebusch und die Stadtverwaltung hat gewiss ein Interesse daran, dass möglichst viele aufs Rad umsteigen. Dass Radfahren in der Fußgängerzone dennoch vielfach als Problem gesehen wird, ist ein Dauerthema. Durch die Unfallstatistik 2025 ist ein einziger Unfall belegt: ein leichtverletzter Radfahrer, aber ohne Fußgängerbeteiligung.

Die Politik schätzt die Aktion offenbar. So versteht auch die SPD‑Fraktionsvorsitzende im Stadtbezirk II, Brigitte Boersch,  dass das Thema für viele in Schlebusch ein emotionales Anliegen ist. Für sie ist der enge Platz in der Fußgängerzone ein großes Problem. Sie meint, dass die Unkenntnis über die Schrittgeschwindigkeit dazu führe, dass viele die Regel missachten. Allerdings findet Boersch es gut, dass es eine „Miteinanderregelung“ gibt und, dass die Stadt die Menschen vor Ort informiert.