Seit 33 Jahren verwandelt die Aktion „Kunst in Schlebuscher Schaufenstern“ die Fußgängerzone in eine kleine Galerie unter freiem Himmel.
33 Jahre Kunst im SchaufensterWenn in Schlebusch Handel und Kunst zusammenfinden

Künstler Björn Schrick präsentiert seine Ausstellung neben dem Pfannenkuchenhaus
Copyright: Dominik Scholz
Dass Kunst heute ganz selbstverständlich in den Schaufenstern Schlebuschs zu entdecken ist, hatte seinen Ursprung in der Neugestaltung der Schlebuscher Mitte und der damit verbundenen Entstehung der Fußgängerzone. Vor mehr als drei Jahrzehnten war die heutige Einkaufsstraße noch für den Autoverkehr geöffnet. Im Zuge der Veränderungen suchte die Werbe- und Fördergemeinschaft Schlebusch (WFG) nach einer Möglichkeit, die örtlichen Geschäfte stärker einzubeziehen und mehr Menschen in den Stadtteil zu locken.
Hans-Peter Teitscheid, der sich über Jahrzehnte in der WFG engagierte, erinnerte sich beim Rundgang an die Anfänge: „Wir haben damals im Vorstand überlegt, was wir zur Wiedereröffnung machen könnten. Dabei kam die Idee auf, die Geschäfte noch stärker einzubeziehen und zu zeigen, was sie in ihren Schaufenstern präsentieren können.“
Fester Bestandteil des Dorflebens
Aus dieser Überlegung entwickelte sich eine Aktion, die sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil des Schlebuscher Lebens entwickelte. Kunstwerke wurden in den Schaufenstern ausgestellt und machten die Geschäfte zu Orten der Begegnung zwischen Kunstschaffenden und Besuchern. „Aus dieser einmaligen Aktion zur Eröffnung sind dann 33 Jahre geworden“, blickte Teitscheid zurück.
Das Konzept setzte sich durch, weil es zwei Bereiche miteinander verband, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammengehörten: Kunst und Einzelhandel. Während die Künstler ihre Werke einem breiten Publikum präsentieren konnten, erhielten die Geschäfte zusätzliche Aufmerksamkeit. Gleichzeitig gab es für Besucher einen besonderen Anreiz, durch die Fußgängerzone zu gehen und Schlebusch aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
Teitscheids Herz für Schlebusch
Teitscheid hatte die Entwicklung der WFG über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. 1980 war der gelernte Verlagskaufmann in die Selbstständigkeit gestartet und hatte sich der Werbe- und Fördergemeinschaft angeschlossen. Rund 25 Jahre lang verantwortete er die Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen der Interessengemeinschaft. Auch nach seinem Rückzug aus dieser Funktion blieb sein Interesse an der Entwicklung des Stadtteils bestehen.
Neben „Kunst in Schlebuscher Schaufenstern“ gehörten zahlreiche weitere Veranstaltungen zu den Projekten, die das Leben im Stadtteil prägten. Dazu zählten unter anderem „Blühendes Schlebusch“, der „Schlebuscher Kindertag“ und das „Schlebuscher Wochenende“.
Gerade das Wochenende zeigte, wie aus einer zunächst überschaubaren Veranstaltung eine große Gemeinschaftsaktion entstehen konnte. Vereine wurden eingebunden und erhielten die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Im Laufe der Jahre wuchs die Veranstaltung zu einem gemeinsamen Projekt mit zahlreichen Beteiligten aus dem gesamten Stadtgebiet.
Für Teitscheid war dieses Miteinander ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung Schlebuschs. Sein Blick richtete sich dabei selten auf die eigene Arbeit, sondern vielmehr auf die Menschen, die den Stadtteil mitgestalteten. Seine Verbundenheit brachte er einmal mit den Worten auf den Punkt: „Mein Herz schlägt für Schlebusch, weil Schlebusch alles hat, was Laune macht!“
Farbenfrohe Vielfalt bei Kork und Kante
Wie unterschiedlich Kunst aussehen konnte, zeigte sich bereits beim ersten Halt des Spaziergangs. Im Weinladen Kork und Kante wurden Arbeiten von Elfi Kühne-Wolff präsentiert. Die 72-Jährige lebte in Alkenrath und hatte erst nach ihrem Eintritt in den Ruhestand zur Malerei gefunden. Zuvor hatte sie 48 Jahre in einer orthopädischen Praxis gearbeitet.

Herbstbilder zwischen herbstlicher Kleidung im Geschäft „Peppys“
Copyright: Dominik Scholz
Kreative Beschäftigungen hatten sie allerdings schon lange begleitet. Sie beschäftigte sich unter anderem mit Töpfern, Seidenmalerei, Nähen und verschiedenen Handarbeiten. Vor neun Jahren begann sie schließlich mit dem Malen. Zunächst probierte sie das sogenannte Acryl-Pouring aus, bei dem flüssige Acrylfarben auf unterschiedliche Weise miteinander vermischt werden. Etwa ein Jahr später wandte sie sich der Leinwandmalerei zu.
Ihre Bilder waren überwiegend abstrakt, modern und farbenfroh. Dabei experimentierte Kühne-Wolff mit unterschiedlichen Materialien und Werkzeugen. Neben Acrylfarben kamen unter anderem Strukturpaste, Sand, Gips, Blattgold und Blattsilber zum Einsatz. Pinsel, Schwämme, Spachtel und Schablonen halfen ihr dabei, unterschiedliche Strukturen und Effekte zu erzeugen.
Einen festen Stil verfolgte sie bewusst nicht. Stattdessen ließ sie sich von ihren Ideen und ihrer jeweiligen Stimmung leiten. Auch die Werke von Künstlern wie Joan Miró, Wassily Kandinsky und Friedensreich Hundertwasser dienten ihr als Inspiration. In den vergangenen Jahren hatte sie ihre Arbeiten bereits bei verschiedenen Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Schloss Morsbroich und bei der Leverkusener Kunstnacht.
Naturmaterialien machen Kunst greifbar
Anschließend führte der Rundgang zur Carl-Duisberg-Apotheke, wo Werke von Ulrike Tartler zu sehen waren. Unter dem Titel „Natur, die bleibt – Kunst zum Erfassen“ verband sie ihre Begeisterung für die Natur mit ihrer Leidenschaft für die Malerei.

Hans-Peter Teitscheid (links) erzählt zu jeder Station eine kurze Geschichte
Copyright: Dominik Scholz
Als Promotionsstudentin der Biologie betrachtete Tartler die Pflanzenwelt aus einer besonderen Perspektive. Die Schönheit und Vergänglichkeit von Blüten bildeten einen wichtigen Ausgangspunkt für ihre Arbeiten. Mit ihren Bildern wollte sie flüchtige Momente der Natur festhalten und dauerhaft in den Alltag holen.
Dabei ging es ihr nicht allein um die Darstellung von Pflanzen. Durch den Einsatz hochwertiger Acrylfarben, metallischer Akzente, Strukturpaste und direkt eingearbeiteter Naturmaterialien entstanden vielschichtige Oberflächen mit einer spürbaren dreidimensionalen Wirkung.
Die Werke sollten deshalb nicht nur aus der Entfernung betrachtet werden. Vielmehr lud ihre Struktur dazu ein, die Bilder und ihre unterschiedlichen Materialschichten bewusst wahrzunehmen. Für Tartler hatte die Ausstellung zudem einen persönlichen Bezug: Als Schlebuscherin konnte sie ihre Arbeiten direkt in ihrem Stadtteil präsentieren.
Ein Stück Schlebusch zum Mitnehmen
Kurz vor Ende der Führungen ging es zum Schmuckgeschäft Hubert Kierdorf neben der Eisdiele Minini. Dort stand mit der handgefertigten Silberkette „Schlebusch in Silber“ die Geschichte des Stadtteils im Mittelpunkt.
Auf einzelnen Silberplättchen waren historische Wahrzeichen Schlebuschs verewigt. Zu den gravierten Motiven gehörten das Bürgermeisteramt, die St.-Andreas-Kirche, die Kapelle Alkenrath und das Zuccalmaglio-Haus.
Die Kette verband traditionelle Goldschmiedekunst mit lokalgeschichtlichen Motiven. Jedes Plättchen erinnerte an einen Ort, der die Entwicklung und den Charakter des Stadtteils mitprägte. So entstand ein Schmuckstück, das weit mehr als ein modisches Accessoire war: Es machte ein Stück Schlebuscher Heimatgeschichte tragbar.
Die 33. Kunst in Schlebuscher Schaufenstern zeigt: von farbenfroher, abstrakter Malerei über Kunstwerke mit Naturmaterialien bis zu handgefertigtem Schmuck mit historischem Bezug. Gleichzeitig wurde deutlich, dass „Kunst in Schlebuscher Schaufenstern“ weit mehr war als eine Ausstellung an ungewöhnlichen Orten.

