Prozess wegen der Brandstiftung in der Augustastraße: Im Zeugenstand berichtet ein Paketbote, dass ein Mann es extrem eilig hatte wegzufahren.
Prozess AugustastraßeNach Explosion ergreift ein Mann hektisch die Flucht in Leverkusen

Nach der Explosion, als die Feuerwehr eintraf, lagen in der Parkbucht vor dem Haus Trümmer.
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Man muss sich die Hektik vorstellen, die den mutmaßlichen Brandstifter Mohammad N. (Name geändert) überfallen haben mag, als er aus der soeben explodierten Wohnung in der Augustastraße eilt und mit seinem vorm Haus geparkten Auto vom Tatort flüchten will. In dem Augenblick feststellen zu müssen, dass sein durch Trümmer verbeulter Wagen von einem falsch parkenden Auto blockiert wird, war aus seiner Sicht sicher schier unglaublich.

Nach der Explosion in der Augustastraße in Opladen brannte es.
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Tatsächlich stand ein Paketbote so behindernd in der zweiten Reihe, dass der zugeparkte Autofahrer hektisch geworden sei, sagte der polnisch sprechende Paketbote im Gericht als Zeuge aus. Er sagte, der Mann habe es verdammt eilig gehabt. Dreimal sei er von ihm angeschrien worden: „Schnell, schnell, schnell!“
Dann habe er sein Zustellerauto etwas nach vorne gezogen, auch sein Lieferwagen sei von Trümmern beschädigt gewesen. Der hektische Mann in seinem SUV sei aber so ungeschickt und schnell um das Lieferfahrzeug herumgefahren, dass er es leicht schrammte und einen Kratzer im Lack hinterließ. Identifizieren kann der Paketmann den hektischen Mann im SUV nicht, die Stimme könne er vielleicht wiedererkennen, sagt er im Zeugenstand. Der Angeklagte hat sich allerdings entschieden, im Prozess lieber zu schweigen.
Trümmer-Regen schlug auf der Augustastraße auf
Zurzeit ist das Haus nicht bewohnbar, es wird restauriert. Im Tohuwabohu nach der Explosion machte der Freund einer Bewohnerin aus dem Erdgeschoss im Haus an der Augustastraße eine interessante Beobachtung. Das Paar war gerade dabei, seinen Freitagseinkauf in der Küche zu verstauen, als die druckvolle Explosion in der Wohnung zwei Etagen über ihnen Teile des Dachs und eine Wand heraussprengte, sodass es Trümmer polternd auf die Augustastraße regnete.
Die Türen in der Wohnung seien zugeschlagen, erzählt der Zeuge. Der Trümmer-Regen traf draußen auch Autos vor dem Haus, darunter ein Paketlieferfahrzeug und einen hellen SUV in einer Parkbucht. „Da kam die Dachrinne runter“, sagt der 51-Jährige.
Ich erkenne ihn
Als er auf die Straße gelaufen sei, habe dort Chaos geherrscht. Der Mann sagt, er habe über Trümmer steigen müssen. Er sei wieder ins Haus gerannt, weil darin noch Leute waren und das Handy auf dem Tisch lag. Zurück auf der Augustastraße machte er die seltsame Beobachtung, die Richter bei seiner Befragung ganz besonders interessiert: Im ganzen Durcheinander sei ein Mann in sein beschädigtes Auto gestiegen, das mitten im Trümmerfeld in einer Parkbucht gestanden habe.
Wegen einer dicken Beule im Dach habe der Mann Probleme gehabt: Das sei der Angeklagte gewesen, ist sich der Zeuge sicher. Der Richter fragt nach: „Sind sie ganz sicher, dass es der Angeklagte war?“ — „Kein Zweifel! Ich erkenne ihn, sein Gesicht ist markant.“
Es gibt eine kleine Ungereimtheit, die hat auch mit dem Gesicht des Angeklagten zu tun. Bei einer polizeilichen Vernehmung hatte der Zeuge noch ausgesagt, dass der Angeklagte einen Dreitagebart getragen habe. Es gibt aber Zeugen, die die Verteidigung aufbieten kann, die ihn am Abend vorher glatt rasiert gesehen hatten. Der Angeklagte hatte am Abend des 12. Mai Dienst als Sicherheitsmann bei einer Aufzeichnung von „Let's Dance“ im Studio in Köln Ossendorf.
Ob die glatte Rasur den Angeklagten doch noch entscheidend entlasten kann, oder ob die vielen belastenden Indizien überwiegen, muss sich bald zeigen, denn der lange Prozess zur Brandstiftung geht im Mai in die Schlussrunde.
