Nicht mal die Schüsse auf den Angeklagten sind für einen Zeugen im Kokain-Prozess der Rede wert. Der Staatsanwalt glaubt ihm nicht.
Prozess wegen KokainhandelEin alter Freund aus Leverkusen erinnert sich an fast nichts

Vor dem Kölner Landgericht an der Luxemburger Straße treffen sich in diesen Tagen einige Leverkusener: als Angeklagte oder Zeugen.
Copyright: Ralf Krieger
„Präparierter Zeuge“. Diese Vokabel macht am Mittwoch unter den Polizeischülern die Runde, die den Prozess wegen Kokainhandel vor dem Kölner Landgericht verfolgen. Gerade hat ein Freund des Hauptangeklagten Kaplan D. (Name geändert) ausgesagt. Der junge Mann, der nach Zwischenstationen in der Gastronomie nun zum Chemikanten ausgebildet wird, kennt sich ein bisschen aus vor Gericht: Nachdem in seinem Auto Marihuana gefunden wurde, wurde ihm in Opladen der Prozess gemacht. Indes, ohne Ergebnis: Das Verfahren wurde eingestellt.
„Ich persönlich bin Nichtraucher“, und zwar in jeder Hinsicht, beteuert er auch diesmal vor der 23. Großen Strafkammer in Köln. Das klingt erst zum Schluss einigermaßen glaubwürdig: Nämlich, als ihn der Verteidiger von Kaplan D. nach seinen damaligen Hobbys fragt: Er habe seinerzeit in der Boxer-Truppe des TSV Bayer Leverkusen trainiert, berichtet er.
Richter Michael Greve will den Leverkusener hören, weil er im Februar 2019 vor der Kellerwohnung in der Ophovener Straße aufgetaucht war, die kurz darauf von der damaligen Leverkusener Drogen-Ermittlungsgruppe gestürmt wurde. Kaplan D. wurde festgenommen – aber er habe dem Freund und einem weiteren Kumpel nur zwei Döner aus dem „Mevlana“ in Wiesdorf mitgebracht, sagt der Zeuge. Dann sei er „weggerannt“, weil seine Freundin im Auto wartete. Beobachtungen der Polizei, dass er am Kellerfenster noch etwas von Kaplan D. entgegengenommen habe, teilt der Zeuge nicht, gibt sich komplett unbeteiligt.
Mietauto „kaputt“ – durch Schüsse der Polizei
Dabei bleibt er auch, als es um eine weitere Begegnung von Kaplan D. mit der Polizei geht. Die war zwei Monate vor der Aktion in der Wohnung an der Ophovener Straße und sehr viel brenzliger. Nachdem D. von Beamten angehalten worden war, die ihn für bewaffnet hielten, gab er Gas. Ein Polizist wollte die Flucht massiv unterbinden und gab sechs Schüsse auf den Mietwagen ab, den der Verdächtige fuhr. Ein Vorgehen, das später vor Gericht aufgearbeitet werden sollte. Das Verfahren gegen den Beamten wurde nur vorläufig eingestellt.
Auch zu dieser Begebenheit soll der Zeuge etwas sagen. Schließlich stand er als einer von zwei Fahrern im Mietvertrag von Europcar. Nachdem der Wagen durch den Polizeieinsatz schwer beschädigt worden war, verpasste ihm das Unternehmen als Mit-Mieter eine Sperre. Das Ganze habe ihn völlig kalt gelassen, behauptet der Zeuge: „Man kann ja auch anderswo Autos mieten.“
Überhaupt: Über die Schüsse auf seinen Freund sei nicht weiter geredet worden. Als Richter Greve ihn einleitend zu dem Vorfall befragt, sagt der Zeuge zunächst sogar nur. „Das Auto war kaputt.“ Dass es durch Schüsse beschädigt wurde, erscheint ihm komplett unwichtig.
Zeuge will nicht gekifft haben
Den Staatsanwalt bringt das auf die Palme. Der Anklagevertreter weist den Zeugen eindringlich darauf hin, dass es sein Job sei, eine Falschaussage zu ahnden. Und vieles, was der Freund des Hauptangeklagten antwortet, kommt ihm sehr falsch vor. Was wiederum den Verteidiger von Kaplan D. dazu veranlasst, sich für den guten und alten Bekannten in die Bresche zu werfen.
Am Ende ist das alles nicht entscheidend. Der Freund beschreibt den Angeklagten als Mann, der damals oft und gern „Gras geraucht“ hat. Dass er nicht nur damit, sondern auch mit Kokain gedealt haben soll – davon weiß der Freund nichts, obwohl er zu dem fünf- bis sechsköpfigen Zirkel gehörte, der regelmäßig Zugang zu der Kellerwohnung in der Ophovener Straße hatte. Dort habe man „gechillt“, beschreibt er die Abende dort. Und: Alle hätten gekifft – nur er nicht.
