Die linksextreme Szene ist immer häufiger für schwere Straftaten in NRW verantwortlich. Die Suche nach den Tätern verläuft oft erfolglos.
NRW als AnschlagszielLKA-Chef warnt vor Linksextremisten

Mitarbeiter der Spurensicherung und der KTU (Kriminaltechnische Untersuchung) stehen am Tatort in der Nähe der Bahngleise. Auf die wichtige Nord-Süd-Strecke der Deutschen Bahn wurde 2025 ein Brandanschlag verübt.
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Das „Kommando Angry Birds“ hat sich auf Brandanschläge und Sabotageakte gegen die kritische Infrastruktur spezialisiert. Die Linksextremisten sind vor allem im Rheinland aktiv. Sie öffnen gezielt Kabelschächte an Hauptverkehrsstrecken der Bahn und setzen die darin verlaufenden Signal- und Oberleitungskabel in Brand. Oft sind tagelange Zugausfälle die Folge. Die Polizei hat bislang offenbar keine heiße Spur zu den Tätern. „Die Gefahr durch Linksextremismus wurde lange kleingeredet“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul. „Gruppen wie Angry Birds nehmen Kollateralschäden für die Bevölkerung bewusst in Kauf.“
Immer mehr Straftaten
Die Zahl linksextremistischer Straftaten hat sich 2025 mit 2418 registrierten Fällen im Vergleich zum Vorjahr (1187 Taten) mehr als verdoppelt. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg deutlich von 86 auf 153. Hierzu zählen vor allem Körperverletzungen und Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte.
Die dramatisch steigenden Fallzahlen erfüllen die Sicherheitsbehörden mit Sorge. Das Landeskriminalamt (LKA) hatte jetzt zu einer Fachtagung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums NRW nach Neuss eingeladen. Thema war die aktuelle Bedrohung durch den Linksextremismus und die Frage, wie sich Angriffe auf kritische Infrastrukturen und Sabotageakte verhindern lassen.
Ingo Wünsch ist Leiter des LKA Nordrhein-Westfalen. „Unser Bundesland ist ein Paradies an Angriffsflächen“, sagt der Top-Kriminalist. Detaillierte Pläne über den Verlauf von Energie- und Versorgungsleitungen seien leicht verfügbar. „Es ist unmöglich, jeden Strommast zu schützen. Der Staatsschutz braucht neue Instrumente, um Tatpläne frühzeitig erkennen und verhindern zu können.“
Innenminister Reul stimmt zu. „Früher ist der Verfassungsschutz in die linken Szenekneipen gegangen, dann wusste man, was geplant war“, sagt der Politiker aus Leichlingen. Heute fänden die Treffen oft im virtuellen Raum statt. Dort habe der Staatsschutz jedoch nur begrenzte Einblicke. Private Chatgruppen von Extremisten dürften nur unter strengen rechtlichen Voraussetzungen überwacht werden.
Mehr Befugnisse für Behörden gefordert
Auch Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, fordert mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden. „Wir haben zu wenig Personal und zu schlechte Technik“, kritisiert Kopelke. Wer sich dazu entscheide, als verdeckter Ermittler in der Szene zu arbeiten, könne kein normales Privatleben mehr führen.
In Nordrhein-Westfalen wurde 2025 eine sprunghafte Zunahme von Sachbeschädigungen registriert: Die Zahl stieg von 488 auf mehr als 1000 Fälle. Der Verfassungsschutz rechnet der linksextremistischen Szene in NRW mittlerweile rund 3300 Personen zu. Rund 750 bis 800 von ihnen gelten als gewaltorientiert.

LKA-Tagung zum Thema Linksextremismus: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU, r.) spricht in einer Talkrunde.
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Den Sicherheitsbehörden bereitet Sorge, dass militante Linksextremisten immer wieder versuchen, bürgerliche Proteste gegen die Klimaerwärmung, gegen Rechtsextremismus oder gegen Antisemitismus zu unterwandern oder als Tarnung für ihre eigenen Ziele zu nutzen. Das Ziel von Linksextremisten besteht darin, die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen und durch eine kommunistische oder „herrschaftsfreie“ Staats- und Gesellschaftsordnung zu ersetzen.
Dies wird auch von der Gruppe „Switch off“ propagiert. Dabei handelt es sich um eine Mitmachkampagne, die die klassischen linksextremistischen Aktionsfelder Antikapitalismus und Antimilitarismus mit klimapolitischen Themen verknüpft. Immer wieder gibt es dabei Aufrufe zu Aktionen wie etwa: „Begrüßt den Frühling, zündet einen Tesla an.“
Das „Kommando Angry Birds“ hat seinen Schwerpunkt auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn gelegt. Am 21. Januar 2024 veröffentlichte die Gruppe, sie habe Bahngleise bei Düsseldorf-Eller mit einem Brandsatz „lahmgelegt“. Im Herbst 2024 kam es zu einer Brandstiftung auf dem Gelände des Audi-Zentrums in Leverkusen, bei der insgesamt zehn Neuwagen vollständig ausbrannten. In dem dazugehörigen Bekennerschreiben heißt es: „Lasst uns im Kampf gegen die Ausbeutung die Infrastruktur des Kapitalismus hinterfragen, sabotieren und nachhaltig angreifen.“
Seit dem Ende des Linksterrorismus der RAF galt in der linksextremistischen Szene lange der Grundsatz, dass Gewalt gegen Personen nicht gerechtfertigt werden könne. Dieser Grundsatz sei in den vergangenen Jahren insbesondere durch kleinere, im Verborgenen agierende Gruppen zunehmend aufgeweicht worden, heißt es im „Lagebild Linksextremismus“ des NRW-Innenministeriums. Innenminister Reul erklärte, wer die Infrastruktur angreife, treffe den Alltag aller Menschen – „vom Pendler im Zug bis zur Seniorin im Pflegeheim“. Solche Taten seien kein Protest, sondern gezielte Sabotage: „Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen. Der Rechtsstaat geht entschieden gegen solche Angriffe vor.“
