Die neue Trainingsstätte für die Polizei beinhaltet auch eine Amokhalle mit Gummersbacher Straßenansichten.
Hier üben auch die OberbergerIn Olpe wurde das Regionale Trainingszentrum der Polizei eröffnet

Das Steinmüller-Viadukt in Gummersbach steht auch in Olpe: Innenminister Herbert Reul (2.v.r.) und Landrat Klaus Grootens (l.) gehörten zu den Gästen bei der Eröffnung des neuen Trainingszentrums der Polizei, das der Oberbergische Kreis geplant hat.
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Das Regionale Trainingszentrum Südwestfalen der Polizei (RTZ) im oberbergischen Nachbarkreis Olpe ist am Donnerstag feierlich eröffnet worden. Ziemlich genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung und ein Jahr nach dem Richtfest steht nun die hochmoderne Aus- und Fortbildungsstätte für die Beamten der Polizeibehörden Oberbergischer Kreis, Olpe, Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis und Siegen-Wittgenstein zur Verfügung. Nach zwei Monaten Probetrieb wird das RTZ seit dem 1. April aktiv genutzt.
Innenminister Herbert Reul zu Besuch bei der Eröffnung des RTZ in Olpe
„Die Ansprüche steigen enorm. Daher ist es wichtig gut vorbereitet zu sein“, sagte Marc Leporin von der Gummersbacher Polizei im Rahmen seiner Begrüßung. Dabei sei Deeskalation ebenso wichtig wie entschlossenes Handeln. „Es ist wichtig, in realitätsnahen Szenarien zu trainieren.“ Die Bedeutung dieses Zentrums zeigt sich schon daran, dass Landesinnenminister Herbert Reul zu der Einweihung gekommen war. „Das ist eine Top-Adresse für die Ausbildung geworden“, lobte der Minister. Er dankte den fünf beteiligten Landkreisen für die gute Zusammenarbeit: „Solche Projekte funktionieren nur, wenn es in den Behörden Menschen gibt, die sie zu ihrer Sache machen.“
Landesweit seien zwölf dieser „Einrichtungen der besonderen Art“ geplant worden, von den bereits sieben aktiv sind. Es sei notwendig, Trainingsstätten zu schaffen, die modernen Ansprüchen gerecht werden: „Die unterschiedlichsten Szenarien müssten gelernt und immer wieder geübt werden, damit die Beamten im Einsatzfall schnell und automatisch handeln können.“ In den neuen RTZ gebe es eigentlich nichts, was nicht trainiert werden kann, so Reul: „Wenn sich die Menschen in NRW relativ sicher fühlen können, dann haben wir unsere Sache nicht ganz falsch gemacht.“
Oberbergs Landrat Klaus Grootens lobte die schnelle Umsetzung des Projektes. Auf den Planungsstart im Dezember 2022 folgten im März 2024 die Grundsteinlegung und genau ein Jahr später das Richtfest. Besonders beeindruckt habe ihn der Ausspruch von Reul kürzlich bei der Vereidigung von 3000 neuen Beamten in der Kölner Lanxess-Arena: „Wir tun verdammt viel, damit sie heil wieder nach Hause kommen.“ Das sehe er hier bei dem Projekt bestätigt: „Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete.“
Früher genutztes Mobiliar: Ehemaliges Gummersbacher Klassenzimmer
Der Polizeiseelsorger Norbert Schmitz überreichte eine Bronzeplakette mit der Darstellung des Erzengels Michael an Sven Kehrmann, Leiter des RTZ, und erläuterte: „Michael ist der Schutzengel der Polizei“. Dieser Erzengel habe keine süßen Pausbäckchen, sondern verteidige die Gerechtigkeit mit dem Schwert in der Hand. Im übertragenen Sinne gelte für die Polizisten: „Wer es mit einem Drachen mit sieben Köpfen aufnimmt, muss schon ein besonderer Mensch sein.“
Projektleiterin Vera Schmidt dankte ihrem Kollegen im Ruhestand Michael Schüttler für die umfangreiche Unterstützung bei der Planung. Neben der Amokhalle mit realistisch anmutenden Straßenansichten aus Gummersbach und Olpe könnten in einer befahrbaren Trainingshalle realistische Verkehrssituationen nachgestellt werden. Das benachbarte Trainingshaus beherberge neben zwei Schießbahnen, sowie Mattenräume zum sportlichen Training und Seminarräume.
Eine Besonderheit seien die realitätsnahen Gestaltungen von Einsatzumgebungen in Gebäuden mit realem und meist schon früher genutztem Mobiliar. So gebe es für das Training eine Postfiliale, ein ehemaliges Gummersbacher Klassenzimmer, eine Gaststätte, eine Flüchtlingsunterkunft und mehrere Wohnungen mit vielen Details aus dem realen Leben.
Bei einem Rundgang konnten sich die Gäste von der Vielfalt des neuen RTZ überzeugen, in der 28 Einsatztrainer im Zweischichtbetrieb jeweils 48 Beamte gleichzeitig in vier Zwölfergruppen ausbilden können. Trainer Nils Böhnke betonte: „Die Leute sollen sich bei Rollenspielen die Einsatzsituationen nicht vorstellen müssen – sie sollen sie erleben.“
Das Regionale Trainingszentrum Südwestfalen der Polizei in Zahlen
Nach dem Start der Ausschreibung im August 2021 begann ab Dezember 2022 die Planung für das Regionale Trainingszentrum Südwestfalen. Bei der Grundsteinlegung im März 2024 wurde eine Zeitkapsel deponiert. Im März vorigen Jahres wurde das Richtfest gefeiert. Am gestrigen 23. April 2026 wurde das RTZ eröffnet. Der Echtzeitbetrieb ist bereits am 1. April gestartet.
Auf einem Gelände von 17.000 Quadratmetern sind fünf Trainingsgebäude mit einer Gesamtfläche von 6000 Quadratmetern entstanden. In der Amokhalle können realistische Einsatzszenarien mit Amoklauf oder einem Terroranschlag nachgebildet werden. Auf zwei 25-Meter-Schießbahnen kann nicht nur mit scharfer Munition, sondern auch mit Farbkugeln und Laser geschossen werden. Ein farbiger Blitzer kann zusätzlich Stresssituationen erzeugen.
In der befahrbaren Trainingshalle können die Polizisten etwa eine Anhaltesituation nachstellen. Die drei Wohnungen ermöglichen, das Eingreifen bei häuslicher Gewalt zu trainieren.
