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Interview

Sportliches Duo
Den Gummersbacher Handball-Nachwuchs scheuchen die Schoppmann-Schwestern

6 min
Zu sehen sind zwei junge Handballtrainerinnen.

Mit Unterstützung ihrer Schwester Lyn trainiert Lea Schoppmann (r.) die D-Jugend des VfL Gummersbach.

Lea (22) und Lyn (19) Schoppmann sind die einzigen Trainerinnen der Gummersbacher Handballakademie. Im Interview verraten sie, wie es dazu kam.

Mit der D-Jugend des VfL Gummersbach haben sich die Trainerinnen Lea (22) und Lyn (19) Schoppmann für das Mittelrhein-Finale der Talentiade an diesem Wochenende qualifiziert. Die Schwestern haben selbst erfolgreich in der weiblichen Jugend des VfL gespielt und sind die einzigen Trainerinnen in der Handballakademie. Damit treten sie in die Fußstapfen von Vater Erik, der die erfolgreichen VfL-Mädchenmannschaften trainiert hatte. Andrea Knitter sprach mit den beiden Schwestern über ihre Aufgaben.

Mit 19 Handballern gestartet

Zwei Schwestern, die die männliche D-Jugend der Handballakademie erfolgreich trainieren, ist auf den ersten Blick schon ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Lea Schoppmann: Es war vor der Saison 2024/25 und die D-Jugend hatte keinen Trainer. Nach einem Gespräch mit einem Spielervater ist mein Vater abends nach Hause gekommen und hat gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, die Mannschaft zu trainieren. Ich habe mich dann mit Akademieleiter Jörg Bohrmann zu einem Gespräch getroffen.

Hatten Sie Vorwissen?

Lea Schoppmann: Eigentlich nicht, Ich hatte vorher im e.V. die Minis betreut, das war aber nur Ballschule. Ich habe dann zwei Monate beim Training von Jörg Bohrmann hospitiert. Die erste Überraschung war gleich beim ersten Training, als 28 Jungen in der Halle standen. Durch mein FSJ nach dem Abitur an der Grundschule Windhagen war ich zwar schon große Kindergruppen gewöhnt, dass ich aber gleich so viele Jungs zu betreuen hatte, hat mir schon Respekt eingeflößt. Mit 19 Handballern sind wir dann in die Saison gestartet.

Gummersbacher im Mittelrhein auf Platz drei

19 Jungen, die Handball spielen wollen, zu betreuen, ist aber auch eine Aufgabe, oder?

Lea Schoppmann: Mir war schnell klar, dass ich alleine nicht jedem gerecht werden konnte. Außerdem war ich mitten in der Ausbildung zur Industriekauffrau. Also habe ich Lyn, die gerade ihr Abitur gemacht hat, gefragt, ob sie mir nicht helfen möchte. Durch die Unterstützung von Jörg Bohrmann und von Lyn bin ich gut reingekommen.

Sie haben die Saison ja auch sehr erfolgreich abgeschlossen. Lea Schoppmann: Ja, wir sind ungeschlagen Meister geworden und haben die Talentiade auf Kreisebene gewonnen und im Mittelrhein Platz drei belegt.

Das auch teilweise ohne die Unterstützung Ihrer Schwester, da sie in der Saison 2024/25 zwei Monate im Ausland war.

Lyn Schoppmann: Ja, nicht nur das, in der laufenden Saison hatte ich einen Medizinstudienplatz in Budapest und war sechs Monate dort. Ich hatte aber so viel Heimweh, dass ich zurückgekommen bin. Jetzt habe ich mich um einen Ausbildungsplatz zur Physiotherapeutin beworben.

Schwestern spielten selbst erfolgreich beim VfL Gummersbach

Sie beide gehörten bis 2019 zu den erfolgreichen Mädchenmannschaften des VfL Gummersbach, auch wenn sie aufgrund ihres Altersunterschiedes nicht immer zusammen gespielt haben. Reizt es Sie nicht, noch selber zu spielen?

Lyn Schoppmann: Ich habe noch in der Jugend des TuS Königsdorf gespielt. Ich wollte höher spielen und bin durch die Kontakte zu den Mädchen des HVM-Kaders, dem ich angehörte, nach Königsdorf gekommen. Wir haben mit der B-Jugend um die deutsche Meisterschaft gespielt. In der folgenden A-Jugend-Saison hat meine Schwester nach dem Kreuzbandriss unserer Torhüterin sogar noch im Tor ausgeholfen. Das war ihr letztes A-Jugendjahr. Die Mannschaft hat sich anschließend aufgelöst. Ich wusste, dass ich Medizin studieren möchte und entsprechende Noten brauchte und habe mich dann ganz auf mein Abitur konzentriert. Manchmal kribbelt es schon ein bisschen und ich möchte wieder Handball spielen.

Lea Schoppmann: Nachdem wir 2019 mit der Schulmannschaft zum zweiten Mal in Berlin waren, löste sich die Mannschaft des VfL auf. Ich habe noch ein Jahr gespielt, in der Corona-Zeit aber ganz aufgehört, nachdem ich in Königsdorf, wie Lyn gesagt hat, noch einmal ausgeholfen habe.

Durch mein FSJ nach dem Abitur an der Grundschule Windhagen war ich zwar schon große Kindergruppen gewöhnt, dass ich aber gleich so viele Jungs zu betreuen hatte, hat mir schon Respekt eingeflößt.
Lea Schoppmann über den Anfang als Trainerin

Es kribbelt also nicht mehr?

Lea Schoppmann: Nein. Ich habe für mich gemerkt, dass Handball mir Spaß macht, weil ich mit meinen Freundinnen zusammen spiele. Das Training an sich hat mir nie so viel Freude gemacht, dass ich weiterhin den zeitlichen und finanziellen Aufwand, wie die 77 Kilometer nach Königsdorf, auf mich nehmen wollte.

Ist es als Trainerin für Sie so viel anders? Immerhin stehen Sie dreimal die Woche in der Halle, dazu kommen die Spiele am Wochenende.

Lea Schoppmann: Das Training mit den Jungs macht mir einfach Spaß. Ich habe meine Rolle im Handball gefunden. Ich habe gemerkt, dass mir auch der theoretische Teil, das Training vorzubereiten, mehr Freude macht, als selber auf dem Feld zu stehen.

Lyn Schoppmann: Die Jungs sind einfach toll. Wir trainieren sie jetzt in der zweiten Saison und man sieht die sportliche und menschliche Entwicklung.

Lea Schoppmann: Wir sind ein richtig tolles Team, dazu gehören auch die Eltern. Wenn wir an diesem Wochenende zur Mittelrhein-Talentiade fahren, kommen alle mit und wir übernachten zusammen.

Schwestern verstehen sich

Wie ist Ihr Verhältnis untereinander, zwei Schwestern, das muss ja nicht immer so einfach sein?

Lea Schoppmann: Wir haben uns eigentlich immer verstanden, waren aber nicht immer so eng miteinander. Das hat sich erst ergeben, als wir zusammen nach Königsdorf gefahren sind. Als Trainergespann funktioniert es echt gut. Ich würde sagen, wir verstehen uns zu 80 Prozent und haben mit dem Handball ein gemeinsames Interesse.

Lyn Schoppmann: Es hat ja auch was, wenn wir zu Hause gemeinsam am Abend das Training vorbereiten.

Lea, Sie haben gemeinsam mit Ihrem Vater Erik Schoppmann die U16-Handball-Schulmannschaft der Jungen des Gummersbacher Lindengymnasiums betreut, die sich als Sieger bei den Landesmeisterschaften fürs Finale der Schulen in Berlin qualifiziert hat. Schließt sich damit für Sie nicht ein Kreis?

Lea Schoppmann: Ja, es ist schon ein i-Tüpfelchen, da es die Jungs sind, die in der vergangenen Saison noch teilweise in der D-Jugend waren und heute von Jörg Bohrmann in der C-Jugend trainiert werden. Es waren ja nicht nur mein Vater und ich, sondern die Mädchen wurden von Lehrer Oliver Sterzik und seiner Handball spielenden Tochter Nika betreut und sind Dritte geworden. Oliver Sterzik und mein Vater haben uns damals auch betreut, als wir uns zweimal für Berlin qualifiziert haben.

Die Jungs sind einfach toll. Wir trainieren sie jetzt in der zweiten Saison und man sieht die sportliche und menschliche Entwicklung.
Lyn Schoppmann über ihre Gummersbacher Schützlinge

Was haben Sie aus Ihren Erfahrungen den Jungs mit auf den Weg gegeben?

Lea Schoppmann: Ich habe sie vor den Spielen mit Geschichten aus Berlin geteasert. Als sie es dann geschafft hatten, war es ein schönes Gefühl, da ich weiß, worauf sie sich freuen können.

Was wünschen Sie der Mannschaft für Berlin?

Lea Schoppmann: Dass sie es unter die ersten Drei schaffen. Wir sind einmal Zweiter geworden und standen bei der Abschlussfeier auf dem Podium in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Das war ein Highlight und man hat den olympischen Gedanken verstanden.

Zwei junge Frauen als Trainerinnen bei einem Verein wie dem VfL Gummersbach, der im Fokus steht. War das immer einfach für Sie?

Lea Schoppmann: In der ersten Saison nicht, da mussten wir schon viel einstecken. Das vor allem von Trainern der anderen Mannschaften. Im Verein war es gar kein Problem. Wir hatten von Anfang an die volle Unterstützung und den gegenseitigen Respekt.

Mit der Mittelrhein-Talentiade an diesem Wochenende endet die Hallensaison für die D-Jugend. Wie geht es mit Ihnen als Trainerinnen weiter?

Lea Schoppmann: Ich wechsele in die C-Jugend und werde Co-Trainerin von Jörg Bohrmann in der C1. Darauf freue ich mich schon sehr und hoffe auf sehr viel Input und neue Impulse. Gleichzeitig werde ich Trainerin der C2-Jugend. Außerdem bin ich für den C-Lizenz-Lehrgang angemeldet. Lyn Schoppmann: Es ist im Gespräch, dass ich bei der D-Jugend bleibe, um den neuen Trainer Carsten Lange zu unterstützen.