Während in der Stadt nun doch der Ausbau in der einst geplanten Dimension erfolgen soll, stehen Marienheide und Lindlar deutlich schlechter da.
GlasfasernetzNach der Rolle rückwärts nennt UGG in Waldbröl erstmals auch Zahlen

In Waldbröl wird es nun doch bis ins Jahr 2027 hinein neue Internetbaustellen des Kommunikationsunternehmens Unsere Grüne Glasfaser geben. Hier die einst allererste Baustelle an der Vennstraße.
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10.561, das ist die Zahl, an der sich Ralf Stratmann ab sofort messen lassen muss. Stratmann ist Expansionschef beim Kommunikationsunternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) und 10.561, das ist die Zahl der Haushalte in Waldbröl, die UGG – nun doch – ans schnelle Breitbandinternet bringen will.
Wie berichtet, hatte das Ismaninger Unternehmen am vergangenen Dienstag seine Rolle rückwärts öffentlich gemacht und angekündigt, es werde in der Marktstadt zur ursprünglichen Größe des geplanten Glasernetzes zurückkehren und weitermachen. Das bestätigte Stratmann am Mittwochabend vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus und ließ sich von der Politik dann auch darauf festlegen.
Im Bürgerdorf am Alsberg war die Erleichterung groß, doch bekam der UGG-Mann dort mehrmals zu hören, seine Firma habe ihr Wort gebrochen und das Vertrauen der Waldbrölerinnen und Waldbröler sei zutiefst erschüttert.

Ralf Stratmann ist Expansionsleiter bei Unsere Grüne Glasfaser (UGG). Hier steht er vor dem historischen Rathaus in Waldbröl. Jetzt musste er in der oberbergischen Marktstadt Stellung beziehen.
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Erstmals legte UGG Zahlen zum bisherigen Stand des Ausbaus vor: Nach den Worten von Stratmann sind 5800 Haushalte bereit für die Anbindung ans Datennetz. Ende Mai hatte UGG angekündigt, den Ausbau aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen deutlich zu reduzieren, und zwar von eben 10.561 auf 6636 Wohneinheiten. Dass derzeit nur etwa 200 Haushalte auf den neuen Glasfasersträngen surfen, erklärte Stratmann damit, dass UGG nur die Leitungen lege, für den Anschluss in den Häusern sei dagegen ein Partnerunternehmen zuständig. „Und das ist jetzt auf dem Weg.“
Bis 2027 werde in Waldbröl alles fertiggestellt, versprach der Expansionsleiter zudem. Als Grund für den vorherigen, jetzt abgesagten Rückzug nannte er Entscheidungen auf höchster Ebene der UGG sowie der Investoren dahinter, das sind der Versicherungskonzern Allianz und der spanische Mobilfunkanbieter Telefónica (O2).
„Danach haben wir uns aber gefragt, ob wir den einst für Waldbröl geplanten Ausbau nicht doch schaffen können“, führte Ralf Stratmann überdies aus und machte deutlich, dass Waldbröl eine Einzelfallentscheidung sei – ansonsten bleibe UGG bei den angekündigten Reduzierungen im Ausbau. Diese betreffen in Oberberg die Gemeinden Lindlar und Marienheide, nicht aber Engelskirchen.
Sechs Ortschaften der Stadt Waldbröl bleiben vorerst ohne Zugang zum Glasfasernetz
Allerdings lässt UGG in Waldbröl auch weiterhin die Finger von sechs Ortschaften der Marktstadt, das sind Heide, Krahwinkel, Lützingen, Schönenbach, Seifen und Spurkenbach. Diese Orte seien immer außen vor gewesen, betonte der UGG-Vertreter: „Wir können nicht auf 400 Metern buddeln, wenn man Ende der Leitung nur zwei Menschen wohnen, das rechnet sich ohne eine öffentliche Förderung nicht.“ Stratmann sicherte indes zu, man werde dort noch mal sehr genau hinschauen. „Aber ein Versprechen gibt es für diese Orte von mir sicher nicht.“
Nach dem angekündigten Rückzug war auch Bürgermeisterin Larissa Weber, etwa in den Sozialen Medien, oft rüde angegangen worden. „Dabei hat die Stadt keinerlei Verträge mit UGG“, betonte sie energisch und erklärte erneut, dass das Unternehmen in Waldbröl allein auf eigene Kosten und eigene Rechnung arbeite und dass nicht – wie bei den Nachbarn Nümbrecht und Morsbach – Steuergelder für den Glasfaser-Ausbau verwendet würden.
Das neue, alte Netz soll nach Angaben von Ralf Stratmann eine Gesamtlänge von 185 Leitungskilometern erreichen, 85 Kilometer seien bereits geschafft. In Waldbröl hat die UGG überall da angeknüpft, wo die Deutsche Telekom nach Umsetzung des „Weiße Flecken“-Programms einst aufgehört hat. „Wir überbauen keine bestehende Leitung.“
Zu Beginn kommender Woche soll die UGG-Netzkarte wieder online sein. Wer eine Kündigung erhalten hat, kann überlegen, ob UGG eine zweite Chance bekommt oder ob ein anderer Anbieter übernehmen soll.
So geht es weiter in Lindlar und Marienheide
Auch in Marienheide geht der Ausbau des Glasfasernetzes weiter. Das hat UGG-Sprecher Jens Lauser auf Nachfrage dieser Redaktion angekündigt. Der Gemeinde rudert das Unternehmen ebenfalls zurück, jedoch nicht so weit wie in Waldbröl:
„Auch in Marienheide stellen wir Baustellen nicht nur fertig, sondern bauen noch einen weiteren Teil aus – wenn auch nicht so viele Haushalte wie ursprünglich geplant“. Weitere Angaben zum Ausbaugebiet macht Lauser mit Blick „auf den Wettbewerb und eventuelle Überbauaktivitäten grundsätzlich nicht“.
Keine guten Nachrichten hat der UGG-Sprecher dagegen für Lindlar: Dort bleibe es dabei, dass UGG nur die heutigen Baustellen bearbeitete und danach keine weiteren Gebiete in der Gemeinde erschließe, führt Jens Lauser aus. „Die Gründe für den reduzierten Ausbau in Marienheide und eben Lindlar haben – wie bereits erklärt – wirtschaftliche Gründe.“
So lasse sich aufgrund der veränderten Situation auf dem Glasfasermarkt „ohne Fördermittel einfach nicht mehr das ursprünglich geplante Gebiet umsetzen“, wiederholt der UGG-Mann.
