Bevor Bürgermeisterin Larissa Weber am Freitagabend auf dem Marktplatz das Fass anschlägt, hat die Schaustellerschar dort tüchtig geschuftet.
Stadtfest und KirmesVor dem Spaß-Wochenende in Waldbröl liegt jede Menge Knochenarbeit

Christian Thiliant (links) und sein Mitarbeiter Michael Junge bereiten auf dem Kirmesplatz an der Hochstraße in Waldbröl die Gondeln des Riesenrads „Roue Belle“ für die spätere Montage vor.
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Christian Thiliant windet sich auf dem Asphalt, sein rechter Arm steckt tief in der Technik. Jetzt geht es um Millimeter: Immer wieder setzt der 40 Jahre alte Schausteller die Hydraulik in Gang, die das 15 Meter hohe Riesenrad „Roue Belle“ in die Waage bringt. Ist das Fahrgeschäft ausgerichtet, können Thiliant und sein Helfer Michael „Mütze“ Junge endlich mit dem Aufbau beginnen. „An guten Tagen schaffen wir das in vier bis fünf Stunden“, verrät Thiliant. Aber dieser Tag ist kein guter: Auf der Anreise nach Waldbröl hatte der Tross aus Eicklingen (bei Celle) einen kleinen Unfall, der Zeitplan ist aus dem Takt geraten.
Wenn am Freitag (29. Mai 2026) um 14 Uhr die Kirmes zum Waldbröler Stadtfest startet, dann liegt hinter den Schaustellern wie Thiliant echte Knochenarbeit – am späten Montagabend sind die ersten von ihnen in der Marktstadt angekommen, bis in die Nacht zu Freitag haben sie geschuftet.

Schaustellerchef und Veranstalter Andreas Alexius hat alles im Blick: In Waldbröl ist auf dem Segway unterwegs, um die langen Wege nicht zu Fuß zurückzulegen.
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52 Schaustellerbetriebe hat Andreas Alexius diesmal nach Waldbröl gelotst. Er ist Schaustellerchef und seit zwei Jahren Ausrichter für die Stadt Waldbröl und die „Wir für Waldbröl“-GmbH. Auf dem Computerbildschirm hat er im Büro die Kirmes exakt geplant: „Sechs Fahrgeschäfte haben wir diesmal dabei“, sagt der 54-Jährige aus Ennepetal und tippt auf bunte Rechtecke in seinen Papieren.
Auf dem Segway saust Alexius über die Festmeile, dazu gehören der Marktplatz und der Parkplatz an der Hochstraße und eben die Hochstraße dazwischen. „So viele Kilometer kann ich nicht laufen.“ Immer in der Hand: ein Kreidespray für letzte Markierungen. Und am Ohr ist das Handy festgewachsen.
Viele der Schausteller halten der Marktstadt Waldbröl schon seit Jahren die Treue
Emsig unterwegs ist auch Martin Finke, Geschäftsführer von „Wir für Waldbröl“: An der Stadtkirche zieht er Poller aus dem Boden und bereitet die Fläche vor, auf der Familien Ruhe finden im Rummel und sich bei Vereinen aus der Marktstadt stärken können. „Zum ersten Mal glasfrei“, betont Finke. 6000 Kirmesbecher aus PVC lagern in seinem Büro. Finke ist Ansprechpartner für alle, geschlafen hat er zuletzt recht wenig. „Ich bin stolz, dass hier so viele anpacken an allen Ecken und Enden.“
Tatsächlich ist das Fest in Waldbröl für viele der Schausteller eine Herzenssache. Für Manuel Schneider zum Beispiel: Seit 15 Jahren bereits baut er seinen zwei Jahrzehnte alten, durchaus historischen Autoscooter auf dem Marktplatz auf, am Sonntag feiert die Evangelische Allianz dort ihren Gottesdienst. „Das ist auch für mich immer etwas ganz Besonderes“, betont der 54-Jährige aus Soest, Schausteller in siebter Generation.
Die Familie Bonner aus Witten mischt dagegen schon seit mehr als 40 Jahren in der Marktstadt mit, Schwiegersohn Thomas Grass ist Stammgast mit „Breakdance“. Er schwärmt für Waldbröl: „Hier ist die Kirmes im Herzen der Stadt – also genau da, wie sie hingehört.“

Schausteller Ronny Deinert sorgt in Waldbröl dafür, dass sein rasantes und einzigartiges Fahrgeschäft „Rock’n’Roll“ wirklich überall blitzt und blinkt.
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Etwas Besonderes ist auch das Fahrgeschäft, das sich gerade auf Knopfdruck an der Fernsteuerung entfaltet: Ronny Deinert (45) aus Unna verspricht „Rock’n’Roll“ – und dass am Ende der rasanten Tour niemand mehr weiß, wo oben und wo unten ist. An einem Arm drehen sich die Fahrgastsitze um die vierfache Achse, dieses irre Ding gebe es nur ein einziges Mal in Deutschland. „Darauf kommt’s an“, weiß Planer Andreas Alexius und erklärt das Rezept: „Wir müssen die richtige Mischung treffen aus Nervenkitzel und gemütlichem Familienspaß.“
Gemächlich in die Höhe schweben werden die zehn Gondeln am Riesenrad von Christian Thiliant, 2024 gebaut bei Prag. „Ein Wunderwerk der Technik“, urteilt der Besitzer. Endlich thront der Stützmast auf der 95 Quadratmeter großen Bodenfläche, Chef und Mitarbeiter „Mütze“ verknüpfen stählerne Speichen. Alles, was das Karussell braucht, passt auf einen einzigen Lastzug. Nach Koch und Soldat habe er am Riesenrad seinen wahren Traumjob gefunden, versichert „Mütze“.
Thiliants Ehefrau Nadine richtet indes eine Bitte ans Publikum: „Bringt Münzgeld mit, zahlt passend.“ Denn deckt sich das Paar bei der Bank mit Wechselgeld ein, kassiert diese Gebühren. „Und die müssten wir eigentlich in den Fahrpreis einrechnen.“
Das Programm des Stadtfestes an diesem Wochenende in Waldbröl
- Freitag, 29. Mai 2026: Die Fahrgeschäfte setzen sich um 14 Uhr in Bewegung. Bürgermeisterin Larissa Weber, Martin Finke (Wir für Waldbröl) und Schaustellerchef Andreas Alexius eröffnen um 18 Uhr das Fest auf dem Marktplatz (Ende: 23.30 Uhr).
- Samstag, 30. Mai 2026: Die Kirmes und das Fest öffnen von 11 bis 23.30 Uhr.
- Sonntag, 31. Mai 2026: Um 10.30 Uhr beginnt auf dem Autoscooter der Kirmesgottesdienst der Evangelischen Allianz, der Einzelhandel öffnet um 13 Uhr. Ende ist um 21 Uhr.
- Montag, 1. Juni 2026: Um 11 Uhr läutet der Frühschoppen den letzten Festtag ein (Ende: 21 Uhr).
