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VerkehrsprojektDie erste Schulstraße in Waldbröl ist ein Vorbild für ganz Deutschland

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Eine Schranke trennt die Schillerstraße vom Waldbröler Schulzentrum. Doch haben einige Eltern genau diese Straße für sich entdeckt, um dort – mehr oder weniger heimlich – ihre Kinder abzusetzen. Die Hauptzufahrt dagegen, die Goethestraße, ist seit Oktober eine Schulstraße.

Eine Schranke trennt die Schillerstraße vom Waldbröler Schulzentrum. Doch haben einige Eltern genau diese Straße für sich entdeckt, um dort – mehr oder weniger heimlich – ihre Kinder abzusetzen. Die Hauptzufahrt dagegen, die Goethestraße, ist seit Oktober eine Schulstraße.

Ein Planungsbüro hat 16 Kameras installiert, um die Verkehrssituation rund um das Schulzentrum gründlich auszuwerten. Die Ergebnisse beeindrucken.

Weniger Gefahren, weniger Konflikte, deutlich weniger Verkehr: Fast acht Monate nach der Einrichtung der Schulstraße in Waldbröl und einer ersten wissenschaftlich begleiteten Auswertung steht fest, dass es rund um die städtische Gesamtschule und das Hollenberg-Gymnasium heute sehr viel entspannter zugeht als etwa vor dem 27. Oktober vergangenen Jahres – an jenem Tag wurde die Goethestraße erstmals zu bestimmten Zeiten für den Verkehr gesperrt, für Elterntaxis sollte es entlang dieser Strecke keine Haltestellen mehr geben.

Den Erfolg belegen nun auch die Zahlen, die Tanja Leven vom Wuppertaler Planungsbüro Bueffee am vergangenen Dienstagabend in den Ausschuss für Bauen und Verkehr des Stadtrats mitgebracht hatte.

Waldbröl ist eine von sechs Städten bundesweit, in denen es eine wissenschaftliche Auswertung gibt

Das Büro und auch das Fachzentrum Mobilität und Verkehr an der Bergischen Universität in Wuppertal beobachten im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen seit dem 1. Januar vergangenen Jahres den Verkehr auf Schulstraßen in München, Frankfurt am Main, Senden, Bonn, Lüneburg und eben in Waldbröl. „Die Verlängerung des Projektes bis 30. Juni 2027 ist beantragt“, sagte Leven. Ziel sei es, einen Leitfaden für ganz Deutschland zu entwickeln und in den sechs Projektkommunen Empfehlungen für das weitere Vorgehen auszusprechen.

„Mit zwei weiterführenden Schulen ist Waldbröl der größte Standort“, betonte die Diplom-Ingenieurin. Gleich 16 Kameras hat das Büro Bueffee rund um die Goethestraße aufgestellt, um belastbares Material zu erhalten – ein erstes Fazit: Der Verkehr ist, je nach Uhrzeit, um 53 bis 68 Prozent zurückgegangen, vor allem aber zwischen 7 und 8 Uhr. Im Nahbereich, sozusagen vor den Schultoren, seien sogar 85 Prozent weniger Elterntaxis gezählt worden, berichtete die Fachfrau.

Die Schillerstraße in Waldbröl ist nun eine Problemzone

„Vor Ausweisung der Schulstraße fuhren in der Morgenspitze 206 Autos in Richtung der Schulen, danach nur noch 96“, zitierte Tanja Leven eines der Ergebnisse. Während der zweiten Sperrzeit von 12.30 bis 15.45 Uhr seien es vorher 236 Fahrzeuge gewesen, nach Einrichtung der Schulstraße noch 167. Leven: „Leider muss ich die Hoffnung dämpfen, dass sich ein Mobilitätsverhalten grundsätzlich ändert – das ist ein hehres Ziel.“

Ähnliche Ergebnisse haben Zählungen über 24 Stunden im vergangenen und in diesem Jahr erbracht, jeweils ausgeführt im Februar und Juni. Im Winter rollten insgesamt 307 Autos weniger den Schulberg hinauf, im Sommer waren es sogar 339 Fahrzeuge weniger.

Doch offenbart diese erste Auswertung auch neue Problemzonen: Etliche Eltern haben die Schillerstraße als heimliche Haltestelle entdeckt, um ihre Kinder abzusetzen – die Folge: Dort knubbelt es sich und auf der steilen Straße „Am Kalkberg“, der Verbindungsstrecke zwischen Vennstraße und Schillerstraße, herrscht Stau. Und zwischen den Autos tummeln sich Kinder und Jugendliche, entweder zu Fuß oder auf dem Fahrrad.

„Da müssen wir unbedingt ran, vielleicht mit einer Anliegerstraße“, kündigte Rudolf Bergen, Mobilitätsmanager der Stadt, an. Damit die Schulstraße, übrigens Oberbergs erste, dauerhaft bleiben kann, muss ein Teilbereich der Goethestraße eingezogen werden – es muss also genau definiert werden, wer und was dort fahren darf sowie wer und was eben nicht. Bei zwei Gegenstimmen (AfD) sprach sich der Ausschuss dafür aus, dem Rat der Marktstadt dieses Vorgehen zu empfehlen, damit die Pläne in den Sommerferien offengelegt werden können.

Der Stadtrat tagt am Mittwoch, 8. Juli 2026, ab 17 Uhr im Bürgerdorf am Alsberg, Nümbrechter Straße 19.