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Interview

Volksbank Oberberg
„Oberbergs Mittelstand wird die Herausforderungen stemmen“

7 min
Sie lenken nun als Vorstand gemeinsam die Geschicke der Volksbank Oberberg mit Sitz in Wiehl (von links): Vorstandsmitglied Marc Gottschlich, Vorstandsvorsitzender Andreas Neumann und Jörn Richling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Sie lenken nun als Vorstand gemeinsam die Geschicke der Volksbank Oberberg mit Sitz in Wiehl (von links): Vorstandsmitglied Marc Gottschlich, Vorstandsvorsitzender Andreas Neumann und Jörn Richling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Seit dem 1. Juli 2026 hat die Volksbank Oberberg einen dreiköpfigen Vorstand. Reiner Thies sprach mit den Mitgliedern der neuen Führingsriege.

Herr Neumann, warum wurden Sie für den Vorsitz der Volksbank Oberberg ausgewählt?

Andreas Neumann: Für die Damen und Herren des Aufsichtsrats haben sicher mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Ich bin jetzt 40 Jahre alt, seit 20 Jahren im Unternehmen, also die Hälfte meines Lebens. Ich kenne die Bank sehr gut. Ich bin hier aufgewachsen und in der Region verwurzelt, habe aber gleichzeitig noch reichlich Berufsjahre vor mir. Es war sicher eine bewusste Entscheidung, die Angel im Sinne der Kontinuität ein Stück nach vorne zu werfen.

Jörn Richling: Die persönliche und fachliche Kompetenz von Andreas Neumann war ebenfalls eine Grundlage der Überlegungen. Deswegen hat der Aufsichtsrat aus meiner Sicht die richtige Entscheidung getroffen. Wir fühlen uns mit dieser Besetzung als Team sehr wohl.

Marc Gottschlich: Du hast ja auch schon viel gemacht, viele Stationen hier im Haus erlebt. Das spielte sicher eine Rolle.

Neumann: Kontinuität ist unserem Haus wichtig. Wir sehen uns als langfristiger Partner unserer Kundinnen und Kunden und richten unsere Strukturen idealerweise ebenso langfristig aus.

Was wird sich für die Volksbank mit Ihrem Amtsantritt konkret ändern – und woran werden Kunden und Mitarbeiter das als Erstes merken?

Neumann: Ich hoffe, dass sie den Wechsel zunächst vor allem als reibungslosen Übergang erleben. Am Kern unseres Geschäftsmodells werden wir nichts ändern, und das ist die Kundennähe. Angesichts der gesellschaftlichen, geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen wird diese Tugend noch wichtiger.

Richling: Die handelnden Personen sind andere, insbesondere Marc Gottschlich als Neuzugang im Vorstand. Aber der Erfolg unseres Hauses hat mehrere Eckpfeiler, an denen wir eben in keiner Weise rütteln wollen. Diese DNA werden wir pflegen, auch wenn wir uns den Veränderungen des Marktes stellen werden.

Sie bilden einen dreiköpfigen Vorstand mit unterschiedlicher Ressortverantwortung. In welchen Fragen setzen Sie bewusst auf gemeinsame Entscheidungen?

Richling: Wir besprechen alle wichtigen Entscheidungen grundsätzlich gemeinsam. Wir tauschen uns nicht nur in den Vorstandssitzungen aus, sondern jeden Tag. Die Türen stehen hier immer offen.

Gottschlich: Jeder von uns ist Ansprechpartner für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seinem Fachbereich und bringt deren Perspektiven in die gemeinsame Beratung ein.

Neumann: Schon für meinen Vorgänger Ingo Stockhausen war der Teamgedanke sehr wichtig. Dementsprechend verstehen wir uns im Vorstand als gemeinschaftliche Impulsgeber.

Bei der Volksbank Oberberg sind die Männer aktuell in der MInderheit

Weiterhin gibt es keine Frau im Vorstand. Wäre nicht ein bisschen mehr Diversität nützlich?

Richling: Im gesamten Haus sind wir Männer in der Minderheit. Im Auswahlverfahren gab es auch Bewerberinnen. Marc Gottschlich hat sich aufgrund seiner fachlichen und persönlichen Eignung durchgesetzt.

Neumann: Unterschiedliche Perspektiven sind für die Qualität unserer Entscheidungen ausdrücklich wertvoll. Frauen tragen bei uns in exponierten und strategisch wichtigen Führungspositionen Verantwortung, etwa im Personalbereich, in der Internen Revision und im Qualitätsmanagement. Wir legen viel Wert auf Durchlässigkeit, Qualifizierungsprogramme und Aufstiegsmöglichkeiten. Nur in dieser Weise kann sich das Unternehmen aus sich heraus entwickeln. Dabei spielen natürlich auch die individuellen Ambitionen und die persönliche Lebensplanung eine Rolle.

Wie beurteilen Sie derzeit die wirtschaftliche Lage im Oberbergischen Kreis? Wo sehen Sie die größten Stärken, wo die größten Risiken?

Neumann: Wir sind mit dem Oberbergischen Kreis und seiner Wirtschaft natürlich in einer Art Schicksalsgemeinschaft verbunden und haben die Entwicklung im Blick. Hier wie überall im Land sind die Rahmenbedingungen schwierig: Energiepreise und Lohnkosten, Exportorientierung und mangelnde Binnennachfrage, geopolitische Spannungen und brüchige Lieferketten. Das ist eine ungünstige Gemengelage. Gleichzeitig gibt es in Oberberg einen hochspezialisierten Mittelstand mit sehr gut ausgebildeten Fachkräften. Diese Unternehmen haben Substanz.

Richling: Und sie sind widerstandsfähiger geworden, weil sie in den guten Jahren Reserven aufgebaut haben. Die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren können zu einer gewissen Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen führen.

Gottschlich: Wir lassen unsere Kundinnen und Kunden auch in schwierigen Situationen nicht allein, sondern prüfen gemeinsam, welche finanzielle oder anderweitige Unterstützung möglich ist.

Viele Unternehmen im Oberbergischen sind mittelständisch und familiengeführt. Was hören Sie derzeit von Ihren Firmenkunden – wo drückt der Schuh am stärksten?

Neumann: Die Transformation stellt auch die oberbergische Wirtschaft vor Herausforderungen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer fragen sich: Wie lange trägt mein Geschäftsmodell noch? Muss ich in eine andere Sparte wechseln? Ist die Verteidigungsbranche ein Thema für mich? Außerdem beschäftigt die Last der Bürokratie viele Unternehmen, nicht zuletzt die Handwerksbetriebe. Die Betriebe müssen sich um viele Themen kümmern, die eigentlich nicht zum Kern ihrer unternehmerischen Tätigkeit gehören. Und manchmal widersprechen sich die Vorgaben. Das Gute ist: Die oberbergischen Betriebe sind krisenerprobt.

In den kommenden zehn Jahren wird sich keine Branche aus Oberberg verabschieden

Welche Branchen halten Sie hier für besonders zukunftsfähig – und bei welchen sind Sie skeptischer? Wie sieht es mit den hier so wichtigen Automobilzulieferern aus?

Neumann: Ich glaube nicht, dass wir in Oberberg eine Branche haben, die in zehn Jahren verschwunden sein wird. Die Unternehmen können die Herausforderungen stemmen, weil viele von ihnen in ihren Bereichen Innovationsführer sind. Bei den kleineren Betrieben kommt oft eine gewisse Flexibilität und Anpassungsfähigkeit hinzu. Am Ende besiegt nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen. Ich komme aus dem Risikomanagement und weiß: Die Automobilhersteller brauchen ihre Zulieferer – und mehr als einen. Sie wissen, dass es nur gemeinsam geht. Viele gehen jetzt mit neuen Modellen an den Start, das macht mir Hoffnung. Ich will die Probleme nicht kleinreden, halte es aber für besser, aus einer positiven Perspektive heraus Lösungen zu finden.

Richling: Ich setze auf die Innovations- und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen.

Wo muss eine Bank Ihre Kunden stärker unterstützen – und wo endet Ihre Verantwortung? Inwiefern müssen Sie Unternehmensberater sein?

Richling: Wir möchten möglichst langfristige Kundenverbindungen aufbauen. Über die Jahre oder Jahrzehnte entstehen sehr enge Beziehungen. Aus diesem Vertrauensverhältnis ergeben sich auch Gespräche in strategischen Fragen.

Gottschlich: Unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater sind so gut vernetzt, dass sie auch bei speziellen Fragen den richtigen Ansprechpartner kennen.

Neumann: Wir respektieren die unternehmerische Autonomie, bieten uns aber als Sparringspartner für einen betriebswirtschaftlichen Realitätscheck an.

Künstliche Intelligenz verändert gerade auch das Finanzwesen. Wo wird KI bei der Volksbank Oberberg künftig eine Rolle spielen – und wo wollen Sie bewusst weiterhin auf den Menschen setzen? Ist KI die Lösung für den Fachkräftemangel?

Neumann: KI ist für uns kein Heilsbringer. Wir wollen beim Einsatz von KI nicht um jeden Preis Vorreiter sein, sondern auf etablierte und sichere Systeme setzen. Maßgeblich sind für uns die gesetzlichen Vorgaben für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Wir wollen nach bestem Wissen und Gewissen handeln und die damit verbundenen Anforderungen im Griff behalten. Der Mensch wird in allen Bereichen eine zentrale Rolle spielen, nicht nur im Kundengeschäft. Bei der Bilanzanalyse beispielsweise kann KI eine große Hilfe sein, aber die Interpretation und Einordnung der Daten erfordern weiterhin menschliche Erfahrung. Wir werden auf Fachkräfte nicht verzichten können.

Richling: Es wäre ein großer Fehler, der KI blind zu vertrauen. Das Ergebnis muss man hinterfragen können. Gerade im Kundengeschäft ist das Finanzwesen ein People-Business. Die Menschen wollen sich nicht mit einem Chatbot über ihre Hausfinanzierung unterhalten.

Neumann: Auch die internen Kontrollabläufe lassen sich nicht vom Kundengeschäft entkoppeln. Unser Anspruch ist die individuelle Lösung, zu der man durch persönliche Verbindung findet. Die KI kann da nur Freiräume schaffen, aber nicht die Fachkraft komplett ersetzen.

KI wird bestimmte Tätigkeiten verändern und Kapazitäten für andere Aufgaben schaffen. Umso wichtiger bleiben gut ausgebildete Fachkräfte.
Andreas Neumann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Oberberg

Richling: Man darf nicht vergessen, dass die Einführung von KI mit einem enormen Aufwand verbunden ist. Das gilt allein schon wegen der zahlreichen aufsichtsrechtlichen Fragestellungen. Man muss sehr viel investieren, bevor die Systeme richtig nutzbar sind. Dazu eine Anekdote aus der Zeit, als ich 1989 meine Ausbildung in Dieringhausen begann. Damals wurden dort der erste Kontoauszugsdrucker und der erste Geldautomat aufgestellt. Einzelne Mitarbeitende waren in Sorge, dass sie womöglich ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Dadurch entfielen viele Tätigkeiten von einem Tag auf den anderen. Ohne diese Automatisierung wäre das heutige Arbeitsvolumen kaum zu bewältigen. Beim KI-Einsatz könnte es ähnlich sein: Er entlastet uns bei bestimmten Tätigkeiten und schafft so Raum für andere Aufgaben.

Gottschlich: Der Anspruch an die Volksbank wird künftig in einer noch individuelleren Beratung bestehen, und die kann KI allein nicht leisten.

Neumann: KI wird bestimmte Tätigkeiten verändern und Kapazitäten für andere Aufgaben schaffen. Umso wichtiger bleiben gut ausgebildete Fachkräfte. Unsere Ausbildungsplätze stoßen weiterhin auf gute Resonanz; gerade haben 14 neue Auszubildende bei uns begonnen. Die jungen Leute sehen, dass das Berufsbild ein breites Spektrum und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Bei der Einführung von KI darf man allerdings weder die Risiken noch die Kosten und den Energiebedarf ausblenden.

Eine persönlichere Frage zum Schluss: Wenn jeder von Ihnen eine Sache bei der Volksbank sofort verändern könnte, ohne Rücksicht auf bisherige Gewohnheiten – was wäre es?

Richling: Kontinuität heißt für uns nicht Stillstand. Wir überprüfen unsere Angebote und Prozesse laufend und richten sie an den Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden aus. Wenn ich etwas Grundsätzliches hätte verändern wollen, hätte ich dazu auch in meiner vorherigen Funktion bereits die Möglichkeit gehabt.

Neumann: Wir drehen täglich an vielen Stellschrauben. Gleichzeitig wollen wir das bewahren, was unsere Bank stark macht. Dazu gehört die erwähnte Durchlässigkeit, die wir hier im Unternehmen leben und erhalten möchten, damit die Bank von den vielen schlauen Köpfen im Haus profitiert.

Gottschlich: Für konkrete Veränderungsvorschläge ist es nach wenigen Wochen noch zu früh. Ich habe alle Geschäftsstellen besucht und kann nun sagen, dass sich bestätigt hat, was mir im Einstellungsgespräch über die Kultur und das Selbstverständnis der Bank vermittelt wurde.


Der neue Vorstand der Volksbank Oberberg

Andreas Neumann (40) begann 2006 seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank Oberberg. Nach verschiedenen Fach- und Führungsaufgaben im Haus wurde er im Juni 2024 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender in den Vorstand berufen. Seit dem 1. Juli 2026 ist er Vorstandsvorsitzender.

Jörn Richling (58) schloss 1992 seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank Oberberg ab. Wenige Jahre später übernahm er erste Führungsaufgaben. Seit dem 1. Januar 2023 gehört er dem Vorstand an. Zum 1. Juli 2026 wurde er zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden berufen und verantwortet weiterhin die Schwerpunkte Markt und Handel.

Marc Gottschlich (46) ist neues Vorstandsmitglied der Volksbank Oberberg. Der Bankbetriebswirt war zuvor bei der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert tätig, unter anderem als Verhinderungsvertreter des Vorstands. Seit dem 1. Juli 2026 verantwortet er bei der Volksbank die Schwerpunkte Risikomanagement und Betriebswirtschaft.