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Neues AusbildungsjahrBei der Berufsausbildung in Rhein-Berg geht noch was

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Eine junge Frau in blauer Sweatshirt-Jacke hält ein Elektronisches Messgerät n der Hand und begutachtet eine Temperaturanzeige.

Ihr Ausbildungsberuf gehört in der Region zu den Wunschberufen bei jungen Männern: eine Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima.

Am 1. August hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Ein Start ist aber auch in den nächsten Wochen noch möglich

Der Montag dieser Woche war für einige junge Leute im Rheinisch-Bergischen Kreis ein besonderer. Nach der Schule hat für sie ein neuer Lebensabschnitt begonnen. An diesem 3. August sind sie in ihre Berufsausbildung gestartet.

Zahlreiche Ausbildungsbetriebe haben ihre neuen Azubis willkommen geheißen: Von Handwerk, über Industrie und Handel oder Dienstleistung bis hin zu Verwaltung, sozialen und freien Berufen etwa in Arztpraxen oder Anwaltskanzleien. Wer noch nicht dabei war, aber ebenfalls schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat, für den geht es in einem Monat am 1. September los. Aber auch danach ist immer noch ein Start in die Ausbildung möglich, häufig sogar noch später bis Ende des Jahres. „Es lohnt sich, weiter nach dem passenden Angebot zu suchen“, empfiehlt deshalb Pascal Sahlmen, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach.

Uns ist aufgefallen: Es gibt wieder viel mehr Nachfrage nach Handwerksberufen
Virginia Verbert, Geschäftsführerin Verbert GmbH Bergisch Gladbach

Gut zu wissen für alle, die noch keine Lehrstelle gefunden haben. Das sind laut Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach aktuell noch 649 junge Frauen und Männer in Rhein-Berg. Sie suchten „aktiv nach einer Ausbildung oder einem dualen Studium“, so die Agentur. Das Problem: Anders als in vergangenen Jahren werden weniger Ausbildungsstellen angeboten – eine Auswirkung der angespannten Wirtschaftslage und der globalen Entwicklung. Gleichzeitig klagen viele Unternehmen parallel über Fachkräftemangel.

Bei den jungen Männern stehen Kfz-Mechatroniker Pkw-Technik, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die IT-Berufe Fachinformatiker Anwendungsentwicklung, beziehungsweise Systemintegration sowie der Einzelhandelskaufmann ganz oben auf der Liste für den Wunschberuf. Junge Frauen möchten hauptsächlich ins Büromanagement, Medizinische oder Zahnmedizinische Fachangestellte, Verkäuferin, Friseurin oder Immobilienkauffrau werden. Demgegenüber haben sich bis Ende Juli 356 junge Leute bei der Berufsberatung der Agentur wieder abgemeldet. Der Grund: Sie haben, so die Arbeitsagentur, einen Ausbildungsplatz gefunden oder starten ein duales Studium, eine Kombination aus Berufsausbildung im Betrieb und Studium.

Betriebe in Rhein-Berg haben derzeit noch 331 Ausbildungsplätze frei

Auf der einen Seite 649 junge Frauen und Männer, die immer noch auf Lehrstellensuche sind. Auf der anderen Seite: aktuell noch 331 freie Ausbildungsplätze bei Unternehmen in Rhein-Berg. Gesucht werden vor allem angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Verkäuferinnen, Interessierte für die Doppelqualifikation Fachwirt oder Fachwirtin Handel, Kfz-Mechatroniker Pkw-Technik, Büromanagement- und Industriekaufleute sowie Zahnmedizinische und Medizinische Fachangestellte und Fachkräfte Lagerlogistik.

Virginia Verbert, Geschäftsführerin des gleichnamigen Handwerksbetriebs in Bergisch Gladbach muss nicht mehr suchen. Sie hatte vier Lehrstellen für das neue Ausbildungsjahr zu vergeben. Alle sind besetzt. Die Firma Verbert ist dieses Jahr 75 Jahre am Markt, schon die dritte Generation ist am Ruder. Der Betrieb mit rund 30 Mitarbeitenden kümmert sich um Bäder und Heizungen in Neubauten und bei Renovierungen, übernimmt Wartung, Reparaturen und installiert auch Wärmepumpen. Das können Anlagenmechaniker und -mechanikerinnen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Wir stellen jedes Jahr Auszubildende in diesem Beruf ein“, so Geschäftsführerin Virginia Velbert. „Die Neuen eingerechnet, haben wir im Moment acht Azubis.“

Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht: mehr Bewerbende, weniger Lehrstellen

Die Anlagenmechaniker von morgen sind bunt gemischt: Ein Abiturient ist dabei, einer hat die zehn abgeschlossen und macht jetzt gleichzeitig parallel zur Ausbildung sein Fachabi, ein weiterer hat sein Fachabi bereits in der Tasche und der vierte im Bunde hat eine Fluchtgeschichte. „Eigentlich muss man gar nicht viel tun“, antwortet Virgina Verbert auf die Frage, wie Betrieb und Azubis zusammenfinden. „Die kommen von selber, auf ganz unterschiedlichen Wegen“, erzählt sie. „Manche lernen uns als Schüler bei den Berufsfelderkundungstagen kennen, andere kommen über das dreiwöchige Praktikum. Wir haben auch einen, der eigentlich nur das nötige Praktikum für sein Fachabi bei uns machen wollte. Dem hat es hier so gut gefallen, dass er dageblieben ist.“

Was sollten Azubis mitbringen? Da muss die Geschäftsführerin der Verbert GmbH nicht lange überlegen: „Das Wichtigste ist natürlich Zuverlässigkeit, ein freundliches, nettes Auftreten und, ja, letztendlich auch Lernbereitschaft. Es bringt mir nichts, wenn da einer steht und nur guckt und nichts macht.“ Die Unternehmerin aus Bergisch Gladbach hat festgestellt, dass bei der jungen Generation „das Handwerk wieder gefragter ist“, freut sich Verbert. „Das ist uns schon aufgefallen.“ Über die Gründe muss sie nicht lange nachdenken: „Das hat sicher auch damit zu tun, dass KI auf dem Vormarsch ist. Da haben schon einige junge Leute Angst im Moment. Die überlegen, was kann ich machen, wo ich nicht ersetzt werden kann.“

Auch Nils Immick hatte in diesem Jahr mehr Bewerbungen auf dem Tisch

Viele Bewerbungen hatte in diesem Jahr auch Nils Immick, Geschäftsführer der Elonitec GmbH in Bergisch Gladbach, auf dem Tisch. „In den vergangenen Jahren war es dagegen wirklich schwierig, Bewerbungen zu bekommen“, erzählt er. Seit Montag verstärken zwei weitere Azubis das Team von Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik. Zusammen mit ihm als Meister sind sie seither zu siebt, sechs Männer und eine Frau. Die Auszubildende ist gerade im vierten Lehrjahr und macht demnächst ihre Gesellinnenprüfung.

Mehr Frauen auch in einem Handwerk wie seinem seien ein Gewinn, hat Immick festgestellt: Sie seien oft geübter darin, „das große Ganze“ zu sehen „und denken oft auch sehr stark für den Kunden mit.“ Und: „Die Stimmung auf einer Baustelle ist auch immer ganz anders.“ Der 35-jährige Unternehmer hat zugleich erlebt, dass nicht jeder Bewerber oder jede Bewerberin sich mit dem Beruf vorab wirklich befasst hat. „Manchmal hat man den Eindruck, jemand „schaut, was zu bekommen ist, und macht das dann einfach mal. Damit aber eine „Ausbildung wirklich gut läuft, sollte auch das Interesse am Beruf bestehen“.

Unternehmen installiert deutschlandweit E-Ladetechnik für Unternehmen

Sein Betrieb, den er vor fünf Jahren gegründet hat, installiert E-Ladetechnik in Privathaushalten und für Betriebe. Dazu gehören dann auch Ladestationen deutschlandweit in Niederlassungen oder zuhause bei Mitarbeitenden, inklusive einem Abrechnungssystem für die Aufladungen. So weiß die Buchhaltung, wer wie viel geladen hat. Außerdem bietet er digitale Gebäudetechnik für Unternehmen an. Damit können Heizung, Beleuchtung und Sicherheitssysteme automatisch geregelt werden.

Dafür will Nils Immick auch in Zukunft Fachkräfte in seinem eigenen Betrieb ausbilden. Damit möglichst viele junge Männer und Frauen davon erfahren, hat der 35-jährige Unternehmer schon seine eigene frühere Schule in Bergisch Gladbach angesprochen: „Ihr könnt dem Abschlussjahrgang gerne mitteilen, dass wir Ausbildungsstellen zu vergeben haben“, hat er die Schule wissen lassen. Für das nächste Ausbildungsjahr, versteht sich. Für diesmal hat er die gesuchten Azubis bereits gefunden.