Weil Urnenbestattungen an Zahl zunehmen, sollen am Nordeingang des Refrather Friedhofs Urnenstelen und ein Kolumbarium entstehen.
Geänderte BegräbniskulturAuf dem Friedhof in Refrath soll ein Kolumbarium entstehen

Am Nordeingang des Friedhofes in Refrath soll das Kolumbarium entstehen.
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Die Bestattungsformen verändern sich rasant in diesen Zeiten. Der klassische Friedhof, wenn man ihn so bezeichnen darf, ist ein Objekt der Vergangenheit. Sargbestattungen nehmen ab. Immer mehr Angehörige entscheiden sich, ihre Verstorbenen in einer Urne beizusetzen. Bestattungsflächen auf dem Friedhof werden deshalb weniger, sehr viel weniger, ein Trend seit Jahren. Jeder, der zu den Gräbern seiner Lieben geht, bemerkt dieses Entwicklung.
Grüne Zonen nehmen zu. Friedhöfe, das ist auch eine Erkenntnis, die jüngst der Leiter des städtischen Grünflächen, Christian Nollen im Fachausschuss teilte, werden immer mehr zu Parks. Das ist ein Ansatz, den die Stadt auf dem Friedhof in Refrath weiterentwickeln möchte. Kolumbarien sind eine seit jeher gepflegte Form der Bestattung.
Kreuzkirche in Rösrath-Kleineichen ist bereits zum Kolumbarium geworden
In Rösrath-Kleineichen ist die Kreuzkirche umgewidmet worden, schon vor vielen Jahren. Wer in diese Kirche eintritt, spürt die Atmosphäre des Ortes, seine Aura. An den Seiteneinwänden der Kirche sind Nischen eingelassen, als Ort für die Urne. Urne an Urne an Urne, die Kreuzkirche ist seit ihrer Umwidmung ein besonderer Ort geworden.
Für den Friedhof in Refrath soll es am Nordeingang künftig ein Kolumbarium geben. Es sind Stelen, die im Freien stehen und eher als Kunstwerk denn als Begräbnisstätte wirken. Kürzlich haben die Fachpolitiker über den Plan beraten und das Vorhaben unterstützt. Das Künstlerische wird auch in der Beschreibung des Vorhabens aufgenommen. Es wird von neuen Sichtachsen berichtet, von veränderte Wegeverbindungen ist auch die Rede.
Trauer, Gemeinschaft und Alltag sollen sich verbinden
Entstehen könnten in Refrath Urnenstelen und ein Kolumbarium, dies würde neueste Trends der Bestattung aufgreifen. Sichtachsen vom Hauptfriedhof im Süden, von der Kirche St. Johann Baptist im Westen und vom östlich gelegenen Mehrgenerationenhaus sollen sich am Kolumbarium treffen. Trauer, Gemeinschaft und Alltag sollten sich verbinden, zumindest symbolisch.
Auch philosophische Ansätze klingen mit: Der Tod sei immer auch ein Wegbegleiter im Alltag, ein Satz, der auch vom Gladbacher Trauerbegleiter und -bestatter David Roth stammen könnte. Diese Allgegenwart jedoch verdrängten noch immer die allermeisten Menschen. Das Kolumbarium soll dem entgegenwirken. Es wäre auch das erste, was im Freiraum des Friedhofs entstehen würde. In Kleineichen haben Angehörige einen Zugang zur Kirche. Sie ist ansonsten zu festen Zeiten für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Stadt könnte sich auch einen Spielplatz auf dem Areal vorstellen
Was in einem weiteren Abschnitt kommen könnte, schien manchen Politiker im Fachausschuss zu ungewöhnlich. Stadtgrün, die zuständige Fachabteilung, könnte sich auch einen Spielplatz vorstellen, in der Nähe des Kolumbariums und der übrigen Grabfelder auf dem städtischen Friedhof. Elemente aus dem Alltag des Friedhofsbetriebs könnten eine Bedeutung erlangen.
Von einem Friedhofsbagger ist die Rede, mit denen die Kinder Sand schaufeln könnten. Auch eine Federwippe in Form eines Friedhofswagens könnte kommen. Sprechrohre, in Blumenform, können sich die Planer ebenfalls vorstellen. Damit könnte die Kommunikation zwischen Kindern und Eltern intensiviert werden. Was davon zu späterer Zeit kommen wird, ist offen. Nur Kolumbarien und Urnenstelen sind beschlossen.
Bedenken der Politik gegen spielende Kinder zwischen Gräbern
Vor allem aus Reihen der CDU-Politiker gab es Nachfragen zur Pietät auf dem Friedhofsgelände. Die Ideen seien ja gut und schön, nur gebe es die Spielplätze für Kinder und die Friedhöfe für die Trauernden. Dies könne doch nicht immer zusammenpassen, so ein Einwand. Auch zu Zeiten der Begräbnisse seien spielende Kinder zwischen den Gräbern eher nicht so passend.
Die Planer denken, ganz in der Nähe Urnenstelen für Sternenkinder zu schaffen, für Früh- und Totgeburten also. Eltern könnten mit Kindern hierher kommen, die spielenden Kinder dem Areal eine veränderte Atmosphäre geben. Mit einem neugestalteten „Platz der Zusammenkunft“ soll die Gräberanlage auch eine neue Mitte erhalten. Kolumbarium und Urnenstelen sind für diesen Bereich ebenfalls geplant. In einigen Jahren könnte sich das Bild des Refrather Friedhofs deutlich verändert haben. Als eine Parkanlage solle er gesehen werden, hofft die Stadt.
In Refrath-Mitte gibt es neben Kahnweiher und Zaubersee eher wenig Möglichkeiten, im Grünen zu spazieren. Als neuartige Form der Grünanlage könnten die Friedhöfe eines Tages gleichrangig neben den städtischen Parks, etwa dem Rosengarten in der Stadtmitte, im Bensberger Stadtgarten und den Grünflächen an der Saaler Mühle stehen. Auf dem Weg hin zu den Kolumbarien haben die Planer die ersten Schritte gemacht. Weitere werden in der nächsten Zeit folgen.
