Aufgewachsen im Wohnpark Bensberg brauchte sie selbst lange, um ihren eigenen Weg zu finden. Nun sollen andere davon profitieren.
SelbstfindungDie Bensbergerin Baljit Sunda will mit ihrem Buch „Der Ruf in dir“ helfen

Autorin Baljit Sunda aus Bensberg legt ihr erstes Buch vor: "Der Ruf in dir" soll Menschen helfen, ihren eigenen Weg zu finden.
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Was passiert, wenn das eigene Leben plötzlich nicht mehr zu einem passt? Wenn alles, womit man sich identifiziert hat, an Bedeutung verliert? Die Bensberger Autorin Baljit Sunda kennt dieses Gefühl nur zu gut. Als Speakerin, Trainerin und Autorin verarbeitet sie heute ihre Erfahrungen und möchte anderen Mut machen.
Vor sieben Jahren erreichte sie einen Wendepunkt. „Ich dachte mir: Eigentlich sollte man mit einem Ehemann und einer guten Arbeitsstelle doch glücklich sein – aber warum bin ich es nicht?“, erzählt sie. Ihre Ehe stand vor dem Aus, ihre Führungsposition gab sie auf. Für sie brach eine Welt zusammen. Wer bin ich noch, wenn diese Rollen wegfallen? Diese Frage ließ sie nicht los.
Ihre Kindheit verbrachte sie im Bensberger Wohnpark
Eines Tages stand sie weinend vor dem Spiegel und erkannte sich selbst nicht mehr. In diesem Moment traf sie eine Entscheidung: „Ich hatte keine Lust mehr, die Erwartungen anderer zu erfüllen.“ Es war der Beginn ihrer Reise zu sich selbst.
Aufgewachsen ist Baljit Sunda im Bensberger Wohnpark. Ihre Kindheit beschreibt sie zunächst als unbeschwert. Mit ihrer Schwester verbrachte sie viel Zeit draußen, mit Musik, Sport und Besuchen im Jugendclub. Doch gleichzeitig lebte sie in zwei Welten: Unter der Woche die deutsche – in Schule und Freundeskreis. Am Wochenende die indische – geprägt von Familie, Sprache und Tempelbesuchen.
Ein Leben zwischen zwei Welten
Als Kind erschien ihr das normal. Doch mit der Zeit stellte sich immer stärker die Frage: Wo gehöre ich eigentlich hin? „Für die Deutschen war ich zu indisch, für die indische Community zu deutsch“, erinnert sie sich. Lange versuchte sie, sich jeweils anzupassen. Heute sieht sie das anders: „Vor allem bin ich Baljit. Ich bin beides und gleichzeitig nichts von beidem – am Ende zählen meine eigenen Werte.“

Der Wohnpark Bensberg dominiert den Stadtteil Bockenberg. Im Hintergrund das Kardinal-Schulte-Haus.
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Dass sie einmal ein eigenes Buch schreiben würde, hätte sie sich früher nicht vorstellen können. Ihre Kindheit war von Vorurteilen geprägt, Vorbilder fehlten. In ihrem Umfeld dominierten klassische Rollenbilder. Sie hatte lange das Gefühl, als Frau still und angepasst sein zu müssen. Auch die Abwertung gegenüber Hauptschülerinnen und -schülern bekam sie zu spüren. Doch schon mit zehn Jahren, als sie auf die Hauptschule kam, stand für sie fest: „Hier werde ich nicht lange bleiben.“ Schritt für Schritt arbeitete sie sich zur Realschule und schließlich zum Abitur hoch.
Mit ihrem Buch möchte sie Menschen helfen, die eigene Stärke zu entdecken
Gleichzeitig entwickelte sie den Glauben, Anerkennung nur durch Leistung zu verdienen. Dieses Muster zog sich bis zu ihrem Wendepunkt durch. Erst dann erkannte sie: „Ich habe mein Glück immer im Außen gesucht – dabei liegt alles in mir selbst.“
Heute gibt sie diese Erkenntnis weiter. Unter dem Motto „Empower You“ unterstützt sie Menschen dabei, ihre eigene Stärke zu entdecken. Sie tut das auch für ihr jüngeres Ich - das schüchterne Mädchen, das sich einst unsichtbar fühlte und heute auf Bühnen steht, um andere zu inspirieren. Mit ihrem Buch „Der Ruf in dir“ möchte sie genau das erreichen.
Innere Reise über acht Inseln
Darin begleitet die Hauptfigur Jeeta eine innere Reise über acht Inseln. Auf jeder Insel begegnet sie Mentorinnen und Mentoren, die sie vor Prüfungen stellen. Für jede bestandene Aufgabe erhält sie einen Schlüssel – ohne zunächst zu wissen, wofür. Aber sie folgt ihrem inneren Ruf. Ergänzt wird die Geschichte durch Reflexionsfragen jeweils am Ende eines Kapitels, die Leserinnen und Leser zur Selbstreflexion anregen. Die Figuren basieren auf realen Menschen aus Sundas Leben.
Dass sie ihr erstes Buch ausgerechnet im Bensberger Wohnpark liest, berührt sie besonders. Auch dieser Ort sei oft von Vorurteilen geprägt. „Dass eine ehemalige Hauptschülerin von hier heute ihr eigenes Buch vorstellt, ist etwas Besonderes“, sagt sie. „Ich kann es kaum erwarten, den Menschen damit etwas zu geben.“ Wenn sie auch nur eine Person erreicht, habe sich alles gelohnt.
Beim Schreiben habe sie immer wieder an die Menschen gedacht, denen es möglicherweise genauso ergeht, wie es ihr so lange ging. Einen Satz würde sie ihrem jüngeren Ich und auch allen anderen gern mitgeben: „Erkenne dich selbst – erinnere dich, wer du bist.“
