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Bergisch GladbachEnge und Angst um die Gesundheit an Grundschulen

4 min
Ein Bus ist von außen zu sehen.

Ein solcher mobiler Bücherbus soll in ein Klassenzimmer umgebaut werden, um die Platznot an der GGS Gronau in Bergisch Gladbach zu lindern. 

An drei Grundschulen besteht dringender Handlungsbedarf wegen qualvoller Enge, Schimmel und fehlenden Plätzen im offenen Ganztag.  

Für die maroden Grundschulen im Stadtgebiet von Bergisch Gladbach ist kein Allheilmittel in Sicht. Drei Schulen – GGS Refrath an der Wittenbergstraße, GGS Gronau an der Mülheimer Straße und GGS Moitzfeld – machten kurz vor den Sommerferien erneut Schlagzeilen: Dort besteht schon lange dringender Handlungsbedarf aufgrund qualvoller Enge, baulichen Missständen wie Schimmel, fehlenden Plätzen im offenen Ganztag. Verzweifelte und besorgte Eltern haben keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als aus Sorge und Verzweiflung an die Öffentlichkeit zu gehen.

In einem Gespräch bestätigen Dezernent Thore Eggert und Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen, die desolate Situation an den drei Standorten und berichten von der Suche nach kurzfristigen Lösungen, die aber alle noch geprüft werden müssen. Unterm Strich ist an allen drei Standorten alles noch in der Schwebe.

Schimmel an der GGS Refrath

Im Souterrain eines Anbaus gibt es seit 2023 einen großen Wasserschaden mit massivem Schimmelbefall an Wänden und Decke. Der große Mehrzweckraum dort ist zwar seitdem abgesperrt, aber in der Etage darüber findet in zwei Klassenzimmern Unterricht statt. Seit einem Jahr klagen Kinder über Ausschläge, Kopf-, Hals- und Augenschmerzen klagen. Laut Aussage einer Klassenlehrerin haben sich die Krankschreibungen der Kinder gegenüber dem ersten Schuljahr, das die Kinder in einem anderen Gebäude verbracht haben, fast verdreifacht.

Neben einem Waschbecken befinden sich Schimmelflecken an der Wand.

Im gesperrten Mehrzweckraum der GGS Refrath breitet sich Schimmel an den Wänden aus.

„Wir haben bereits 2023 Messungen im Keller gemacht“, wehrt sich Meuthen gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Weil außer Schimmel auch PCB-Schadstoffbelastungen festgestellt wurden, sei damals eine Sanierung Räume nicht infrage gekommen. Deshalb gab es vor einem Jahr den Beschluss, diesen Gebäudeteil abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Neue Messungen in allen Klassenräumen, wo ein muffiger Geruch bemerkt worden ist, seien jetzt im Juni veranlasst worden, eigens um die Sorge einer gesundheitlichen Gefährdung auszuräumen. Das Gutachten liegt aber bislang noch nicht vor. „Der Gutachter geht zu 99 Prozent davon aus, dass da nichts ist“, sagt Meuthen, „hätten wir nur das Gefühl, dass eine Gefahr besteht, würden wir dieses Gebäude sofort schließen.“ Der Containerbau zur Auslagerung des Unterrichts, wenn die Abbrucharbeiten starten, soll in einem halben Jahr stehen. Erst dann könnten die Schüler dorthin umziehen.

„Ich finde den Gedanken niederschmetternd, dass die Zweitklässler nach den Sommerferien wieder in diese Klassenräume zurückkehren müssen“, sagt eine besorgte Mutter aus dem Vorstand des Fördervereins. Es ärgere sie, dass das Problem so kleingeredet werde: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadtverwaltung da mal für einen Monat einzieht und von dort aus arbeiten würde.“

Mobiler Bus als Hoffnungsschimmer an der GGS Gronau

Für das Sorgenkind Nummer 1 unter den Grundschulen ist keine schnelle Hilfe in Sicht. Einziger Strohhalm, an den sich Lehrer und Eltern zur Linderung der Raumnot klammern können, ist ein mobiler Bus, der zu einem Klassenzimmer umgebaut wird. „Er kann auf dem Schulhof geparkt werden, muss aber außerhalb des Geländes aufgeladen werden, weil das Stromnetz des Hausanschlusses nicht weiter belastet werden kann“, erklärt Meuthen.

Geprüft werde zudem, ob Solarpanelen auf dem Dach angebracht werden könnten. Allerdings gibt es den Bus noch gar nicht, er muss erst gefunden und gekauft werden. In Bezug auf die Realisierung eines Neubaus zeigt sich Meuthen „positiv gestimmt“. Die Fachbereichsleiterin ist sich sicher, Anfang 2027 konkrete Ergebnisse aus dem Investoren-Wettbewerb vorstellen zu können. Gesucht wird ein privater Investor, der ein passendes Grundstück mitbringen muss.

Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger hatte die Stadt immer wieder zum schnellen Handeln aufgefordert. „Schulen wie unsere brauchen Unterstützung. Schnell“, sagte sie. Dabei geht es ihr um Bildungsgerechtigkeit. Denn im Stadtteil Gronau leben viele sozialschwache Familien. Der GGS Gronau wurde der höchste Sozialindex im ganzen Stadtgebiet zugeordnet: Stufe 7 von 9. Das Instrument misst Faktoren wie Kinderarmut, Familiensprache oder Zuzug aus dem Ausland.

An der GGS Moitzfeld fehlen Plätze im offenen Ganztag

Hier kommen Eltern in berufliche und finanzielle Not, weil sie für ihr Kind keinen Betreuungsplatz im offenen Ganztag bekommen. Über alle Klassen hinweg sind es rund 30 Kinder aus den Klassenstufen eins bis vier, die auf der Warteliste stehen. Die Umsetzung des Rechtsanspruchs bedeutet, dass vor allem bei den Älteren Plätze eingespart werden.

„Wir sind in einem engen Austausch mit dem Trägerverein, wie man noch kurzfristig Plätze schaffen kann“, berichtet Meuthen. Dabei gebe es eine neue Idee, zusätzlichen Raum zu schaffen, die „sehr schön, aber ein bisschen weiter weg wäre“, sorgt Meuthen für einen Hoffnungsschimmer:  „Wir wollen auf jeden Fall Plätze schaffen.“

Zwei Familien, die sich bei dieser Zeitung gemeldet haben, sahen keine andere Möglichkeit, als sich mit einem Anwalt zu wehren. „Es kann doch gesellschaftlich nicht gewollt sein, dass gerade Frauen beruflich noch kürzer treten müssen“, sagt Jennifer Hamel, dreifache Mutter.