Nach dem Preisnachlass beim Kraftstoff steigt die Nachfrage sprunghaft. Tankstellen im Bergischen warten zeitweise auf neue Lieferungen.
Sprunghafte Nachfrage an TankstellenDer Tankrabatt sorgt in Rhein-Berg für leere Zapfsäulen

Kein Sprit mehr an dieser Zapfsäule in Bergisch Gladbach-Heidkamp.
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Das weiße DIN-A4-Blatt an der Zapfsäule sagt eigentlich schon alles: „Da wir aktuell leider keinen Kraftstoff haben & auf die entsprechenden Lieferungen warten“, heißt es darauf. Deshalb müsse man die Öffnungs- und Schließzeiten der Total-Energies-Tankstelle an der Olper Straße 41 in Overath-Untereschbach ändern. Um 18 Uhr war am Dienstagabend bereits Schluss, am nächsten Morgen erst um 10 Uhr wieder geöffnet. Immerhin: „Unser Shop ist weiterhin geöffnet“, steht ganz unten – samt Smiley. Spritsuchende wurden auf die Station in Immekeppel verwiesen – dort sollte es als kleine Entschädigung einen kostenlosen Kaffee zur Tankfüllung geben.
Engpässe in der Region
Am Donnerstagmorgen sieht die Lage anders aus, ist wieder Kraftstoff da – und vor der Tankstelle in Untereschbach bilden sich lange Autoschlangen. Wagen stehen dicht an dicht vor den Zapfsäulen, auch am Nachmittag ist noch Sprit verfügbar. Warum es ausgerechnet am Dienstag und Mittwoch knapp geworden war? Die Verkäuferin hinter dem Tresen zuckt mit den Schultern. Das wisse auch die Chefin nicht. Normalerweise passiere so etwas nicht, die Station werde regelmäßig beliefert. Manchmal komme der Tankwagen sogar nachts, ohne dass die Mitarbeiter es mitbekämen.
Ganz ausgestanden sind die Engpässe in der Region allerdings noch nicht. An der freien bft-Tankstelle in Bergisch Gladbach-Heidkamp prangen am Donnerstagmorgen an mehreren Zapfsäulen weiterhin orangefarbene Zettel mit dem handgeschriebenen Hinweis „Zur Zeit leider LEER“. Eine Lieferung sei unterwegs. Dass einzelne Kraftstoffsorten zeitweise ausgingen, komme durchaus einmal vor, sagt ein Mitarbeiter. Die Station gilt als eine der günstigen Tankstellen in der Region.
Die Schilder an den Zapfsäulen sind sichtbare Zeichen für ein Problem, das Autofahrer Anfang der Woche gleich an mehreren Tankstellen im Bergischen erlebten: Der Sprit war aus. Zapfsäulen wurden mit Absperrbändern gesperrt, Tankstellen waren teilweise komplett leergefahren. Auch Tankstellen in Bergisch Gladbach und Rösrath waren davon betroffen. Nach Recherchen von Radio Berg zählten auch Stationen im Oberbergischen dazu.
Auslöser offenbar der Start des neuen Tankrabatts
Auslöser für die ungewöhnliche Situation ist offenbar die stark gestiegene Nachfrage nach dem Start des neuen Tankrabatts. Seit 1. Oktober ist die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Einschließlich der dadurch ebenfalls sinkenden Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Der Bundestag hatte die befristete Steuersenkung am 25. September beschlossen; sie gilt bis Ende Dezember.
Viele Autofahrer nutzten die niedrigeren Preise offenbar nicht nur zum normalen Nachtanken. Nach Angaben des Tankstellen-Interessenverbands TIV kamen die Lieferketten mit diesem kurzfristigen Anstieg nicht hinterher. In Lindlar und Overath-Immekeppel waren Stationen zeitweise sogar vollständig leergefahren.

Schlange am Morgen in Overath.
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Von einem grundsätzlichen Kraftstoffmangel kann allerdings keine Rede sein. Vielmehr traf eine besonders hohe Nachfrage auf eine Logistik, die kurzfristig nicht genügend Nachschub an einzelne Tankstellen bringen konnte. Wie Nachfragen der Redaktion ergaben, erhielten einige der betroffenen Stationen bereits am Mittag der Flaute-Tage wieder Lieferungen. Dass in Untereschbach am Donnerstag wieder getankt wurde, zeigt, dass sich die Lage zumindest punktuell entspannt hat.
Veränderung der Tankpreise
Dass der Tankrabatt die Preise gedrückt hat, zeigen auch bundesweite Daten. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts lag die Entlastung in den ersten Tagen bei Diesel im Durchschnitt bei rund 15 Cent je Liter, bei Super E5 bei gut 16 Cent und bei E10 ebenfalls bei etwa 15 Cent. Damit wurde die mögliche Entlastung allerdings nicht durchgehend vollständig an die Kunden weitergegeben.
Auch die Preisdaten für die Total-Energies-Station an der Olper Straße zeigen erhebliche Bewegungen. Am 2. Oktober wurden dort nach Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe 1,989 Euro für Super E10 und 2,049 Euro für Super E5 gemeldet. Am 6. Oktober um 13.48 Uhr lagen die gemeldeten Preise wieder bei 2,199 Euro für E10 und 2,259 Euro für E5.
Für Autofahrer im Bergischen war der Engpass vor allem eines: ärgerlich. Und auch wenn gestern wieder deutlich mehr Kraftstoff verfügbar war: Die „Leer“-Schilder in Heidkamp zeigen, dass sich die Versorgung noch nicht überall vollständig normalisiert hat. (wg)
