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NachrufRefrather Künstler Heinrich J. Jarczyk mit 101 Jahren verstorben

3 min
Heinrich J. Jarczyk mit Ehefrau Christiane

Heinrich J. Jarczyk mit Ehefrau Christiane. Das Foto entstand zu Jarczyks  100. Geburtstag

Nachruf zum Tod des Refrather Künstlers Heinrich J. Jarczyik (1925-2026)

Noch zum 95. Geburtstag hatte ihm das Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach eine Kabinettausstellung gewidmet. 42 Arbeiten aus der langen Schaffenszeit von Heinrich J. Jarczyk waren zu sehen gewesen. „Ihr glücklichen Augen“ betitelte das Museum die kleine Werkschau. Ein Zitat, frei nach Goethes Faust, wenn der Greis in dunkler Nacht ausruft: „Was je ihr gesehn, es sei wie es wolle, es war doch so schön!“

Am 24. Mai ist der Künstler und Naturwissenschaftler, der in der schlesischen Stadt Neisse geboren wurde und seit Jahrzehnten in Bergisch Gladbach-Refrath lebte, im Alter von 102 Jahren gestorben. Einen Namen hat sich Jarczyk mit seinem künstlerischen Schaffen in mehr als 50 Ausstellungen gemacht. Zeichnungen, Radierungen und Gemälde besitzen unter anderem das Muśee Antoine Lécuyer in St. Quentin, das Schlesische Museum in Görlitz und das Museum in Nysa, dem früheren Neisse.

Leiden im Krieg

Krieg und Gefangenschaft, das waren prägende Themen, die Jarczyk als Künstler nie los ließen. 1943, als 18-Jähriger, musste er für die Wehrmacht in den Krieg ziehen, er wurde schwer verwundet, rettete sich mit zähem Überlebenswillen und musste als Kriegsgefangener in einem belgischen Bergwerk arbeiten. „Man hat schnell gemerkt, dass ich nicht nützlich bin und so hatte ich viel Zeit zum Zeichnen“, erinnerte er sich Jahrzehnte später.

Als Soldat hielt er mit seinen Zeichnungen fest, wo er sich aufhielt, mit der Feldpost gingen die Skizzen nach Hause zu seinen Eltern. Die Faszination für die Kunst, die ihn in jungen Jahren packte, hielt sein ganzes Leben lang. Viele Landschaftsskizzen, die er dem Grauen des Krieges entgegensetzte, gingen in Gefangenschaft verloren, auch Skizzen aus seiner Heimatstadt Neisse.

Einsatz als Pressefotograf

Die Gabe des Zeichnens habe ihm geholfen, die Kriegsjahre zu überstehen. Jarczyk studiert Chemie und Biologie, die erste Semestergebühr zahlte er durch den Verkauf einer Federzeichnung an einen US-Soldaten. Weil der von seiner Schwester im heimischen Kachelofen versteckte Fotoapparat unentdeckt bei amerikanischen Kontrolle blieb, konnte er später als Pressefotograf arbeiten. Pianistin Elly Nay und Komponist Richard Strauss lichtete er ab, Jarczyk hätte wohl auch Karriere als Fotograf machen können. Bilder entwickelte er im abgedunkelten Kleiderschrank.

Jarczyk promovierte über den Phosphorgehalt der Schlammfliege, dafür zog er sich drei Jahre auf eine Alm zurück und arbeitete auch als Senner. Später lehnte er ein Angebot der Nachrichtenagentur dpa ab, weil er nicht sein ganzes Leben Menschen fotografieren wollte. Während er beruflich bei der Max-Planck-Gesellschaft, bei Bayer und der Deutschen Forschungsanstalt arbeitete, blieb er der Staffelei treu.

Bedingt durch eine Augenkrankheit musste Jarczyk vor etwas mehr als zehn Jahren Pinsel und Stift aus der Hand legen, ein letztes Gemälde mit dem Rheinblick vom Petersberg im Siebengebirge konnte er nicht mehr fertigstellen. „Traumlos kann ein Mensch nicht leben“, sagte der Künstler kurz vor seinem 100. Geburtstag. Die Kunst war immer sein Traum gewesen.