Abo

Vielfalt hilft beim KlimawandelHof Hörnen aus Kürten-Olpe: Hier kommt das Bio-Gemüse her

4 min
Eine Frau und ein Mann stehen an einem Stand umgeben von Körbern voller Obst und Gemüse.

Seit 2021 betreiben sie ihren Biohof in Kürten-Hörnen: Adrian und Verena Huppertz. Vorher waren sie in Overath-Marialinden.

Der Gemüseanbau in Bioqualität bedeutet auf Hof Hörnen neben einer traumhaften Aussicht auch tagtäglich harte Arbeit mit den Händen.

Wer als Kunde beim Hof Hörnen seine Biokisten bestellt, hat wahrscheinlich eine ziemlich romantische Vorstellung von dem, wie es auf dem kleinen Hof nahe Kürten-Olpe so aussieht. Jetzt konnten sich die Biokisten-Besteller, aber auch Nachbarn und andere Interessierte auf dem Hoffest selbst ein Bild davon machen. Und ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht – zumindest teilweise.

Es ist eine der kleineren Hofanlagen in der Region, die sich umso harmonischer einfügt in die sanft geschwungenen Hügel des Bergischen Landes. Wenig großes Gerät wird hier auf den zwei Hektar Land eingesetzt, es gibt nur einen Traktor, auf einer Wiese sonnen sich Schafe, über die Blühstreifen auf den Gemüsefeldern fliegen surrend Wespen und Bienen, von den oberhalb des Hofes gelegenen Anbauflächen hat man tolle Fernsichten auf die bergischen Höhenzüge.

Dieses Jahr forderten die Wetterphänomene viel Flexibilität

Soweit der romantische Teil. Der Gemüseanbau in Bioqualität bedeutet neben der traumhaften Arbeitsumgebung auch harte Arbeit und das häufig mit der Hand und nicht nach den Regeln von Tarifverträgen, sondern im Lauf von Sonnenauf- und -untergang, nach den Regeln der Natur und zunehmend auch denen des Klimawandels.

In einem Korb liegt verschiedenes buntes Gemüse.

Schön bunt: Die Vielfalt ist den Hofbetreibern wichtig, sie schützt auch vor größeren Missernten

„Wir müssen uns auf die Natur einstellen“, sagt Adrian Huppertz, der den Hof mit Frau Verena Huppertz seit 2024 betreibt, zuerst bei Overath-Marialinden, vor fünf Jahren zogen sie nach Hörnen. In diesem Jahr haben die Wetterphänomene viel Flexibilität von den Landwirten gefordert. „Es war sehr trocken, sehr heiß“, berichtet Verena Huppertz. Während Tomaten und Porree mit den Bedingungen vergleichsweise gut zurechtkamen, wuchs anderes Gemüse deutlich langsamer. Also bewässerten die Huppertz zusätzlich. Das bedeutet Mehrarbeit und das meistens kurz vor Sonnenuntergang.

Wir haben einen richtig schönen Beruf, der viel Spaß bedeutet, aber auch viel Arbeit
Adrian Huppertz, Betreiber des Hofs

Aber die richtige Arbeit fängt gerade erst an. Rund 40 Prozent der gesamten Zeit, die die Huppertz auf den Äckern verbringen, entfallen auf die nun beginnende Ernte. „Das meiste in Handarbeit“, so Adrian Huppertz. Die beiden studierten Agraringenieure bereuen die Berufswahl nicht: „Wir haben einen richtig schönen Beruf, der viel Spaß bedeutet, aber auch viel Arbeit“, so Huppertz.

Vor der Hitze hatte in diesem Jahr schon die Feuchtigkeit für Probleme gesorgt. Besonders die Kürbisse litten darunter, im Frühjahr kamen dann Schnecken hinzu. „Die haben einen Großteil der Pflanzen abgefressen“, erzählt Adrian Huppertz. Die besondere Anbauweise des Hofes mit begrünten Wegen, Mulch und eine bodenschonende Bewirtschaftung schaffen Lebensräume eben nicht nur für erwünschte Tiere.

Von den Maschinen her ist es wesentlich einfacher, sich auf fünf Kulturen zu konzentrieren und nicht auf 40
Adrian Huppertz, Betreiber des Hofs

Vielfalt gehört zur Strategie des Betriebs. Rund 40 Gemüsesorten wachsen auf der vergleichsweise kleinen Fläche: Kartoffeln, Zwiebeln und Rote Bete, Zucchini und Fenchel, Tomaten und Salate, Kräuter und verschiedene Kohlsorten. Damit will man extreme Wetterlagen ausgleichen: „So hat man zum einen ein großes Angebot, aber auch ein gestreutes Risiko“, sagt Adrian Huppertz. Der Preis dafür ist allerdings wieder einmal ein hoher Arbeitsaufwand. „Von den Maschinen her ist es wesentlich einfacher, sich auf fünf Kulturen zu konzentrieren und nicht auf 40.“

Ein Mann zeigt auf die Felder des Hofes.

Auf dem Hoffest führte Adrian Huppertz über die Felder und erklärte die Besonderheiten des biologischen Gemüseanbaus.

Auch bei Wasser und Pflanzenschutz unterscheiden sich die Produktionsbedingungen zur klassischen Landwirtschaft. Auf dem Hof sind Bewässerungsmöglichkeiten über die gesamte Fläche verlegt. Bei Kartoffeln oder Kürbissen hilft unter anderem eine Mulchpflanzung. Das Heu unter den Pflanzen verringert die Verdunstung, liefert Nährstoffe und unterdrückt Unkraut. Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet der Betrieb ganz.

Das Gemüse landet überwiegend in den Biokisten des Betriebs

Man setzt eher auf die Selbsthilfe der Natur. Blühstreifen und Gehölze bieten Insekten Rückzugsräume. Schlupfwespen bekämpfen Blattläuse, Bienen sorgen für die Bestäubung von Fruchtgemüse wie Zucchini oder Tomaten. Eine Benjeshecke dient unter anderem Igeln als Lebensraum. Die wiederum mögen Schnecken.

Das Gemüse landet anschließend überwiegend in den Biokisten des Betriebs. Die Kunden bestellen online, die Mitarbeiter stellen die individuellen Kisten zusammen und liefern sie mit eigenen Fahrzeugen aus. Für den Anbau hat dieses System einen praktischen Vorteil: „Wir wissen genau, was wollen die Leute haben. Und dann ernten wir genau das und haben dadurch nicht so viele Verluste“, erklärt Verena Huppertz.