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Rad- und GehwegBau zwischen Herkenrath und Kürten-Spitze: Radweg bleibt eine Geduldsprobe

Der Bau beginnt frühestens 2027, Straßen NRW weist Sorgen vor Umleitungen durch Anliegerstraßen und Baumfällungen zurück – eine Lücke bleibt dennoch.

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Seit Jahren wird auf einen Radweg parallel zur einst stattlichen Allee zwischen Herkenrath und Spitze hingearbeitet.

Zwölf Jahre nach der Einstufung als Radwegprojekt mit höchster Priorität rückt der Bau zwischen Herkenrath und Kürten-Spitze laut Landesbetrieb Straßen NRW tatsächlich näher – allerdings später als zuletzt angekündigt. Straßen NRW befindet sich nach eigenen Angaben inzwischen in der „Endphase der Ausschreibung“ für den rund 1,6 Kilometer langen Rad- und Gehweg an der L 289. Einen Baubeginn noch in diesem Jahr wird es damit nicht mehr geben.

Nach Angaben des ADFC hatte Straßen NRW im Oktober 2025 noch in Aussicht gestellt, nach der Ausschreibung im zweiten Quartal 2026 mit den Arbeiten zu beginnen. Nun dürfte es frühestens 2027 losgehen. Der Baustart ist noch nicht festgelegt.

ADFC kritisiert die nächste Verzögerung

Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Rhein-Berg ist das die nächste Verzögerung in einer langen Geschichte. Bereits 2014 hatte der Regionalrat den Radweg auf Platz eins seiner Prioritätenliste gesetzt. Der Verband erinnert daran, dass Radfahrende auf dem Straßenabschnitt bis heute gemeinsam mit Pkw und Lastwagen auf der Fahrbahn unterwegs sind.

2020 war die Strecke Anlass für die erste „Kidical Mass“ von Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums Herkenrath. Nach jahrelangen Verhandlungen über Grunderwerb, Entwässerung und Alleenschutz habe Straßen NRW 2025 schließlich mitgeteilt, über das Baurecht zu verfügen.

Straßen NRW: Planungen weit „fortgeschritten“

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt der Landesbetrieb jetzt, dass die Planungen „weit fortgeschritten“ seien. Mit dem Neubau werde eine wichtige Lücke im Radwegenetz geschlossen, erklärt Pressesprecherin Anja Albert. Vor allem solle die Verkehrssicherheit steigen. Der neue Weg werde von der Fahrbahn getrennt und biete gerade in den Kurvenbereichen eine sichere Verbindung für Radfahrer und Fußgänger. Das Projekt gehört zum Regionalratsprogramm „Radwegebau an bestehenden Landesstraßen“ der Bezirksregierung Köln.

Während der ADFC auf Tempo drängt, sorgen die bevorstehenden Arbeiten bei Anwohnern für andere Fragen. Ein Anlieger aus Untersteinbach wandte sich an diese Zeitung, nachdem in Keller, Unter- und Obersteinbach Gerüchte über die Bauausführung die Runde gemacht hatten. Seine Sorge: Für den Radweg könnten zahlreiche gesunde Bäume an der Alleenstraße fallen und während der Bauzeit Verkehr durch die schmalen Ortslagen umgeleitet werden. Er schildert die Verbindung als abschnittsweise sehr enge Anliegerstraße ohne Bürgersteig und über weite Strecken ohne Beleuchtung. Schon heute kämpften die Anwohner gegen unberechtigten Durchgangsverkehr. Eine größere Umleitung wäre aus seiner Sicht insbesondere für Kinder und Fußgänger problematisch.

Straßen NRW widerspricht diesen Befürchtungen entschieden. Eine ausgeschilderte Umleitung durch Keller, Untersteinbach und Obersteinbach sei „nicht vorgesehen“, teilt Albert mit. Über die Verkehrsführung während der Bauzeit werde noch intensiv beraten. Der motorisierte Verkehr solle insbesondere über Landesstraßen geführt werden. Nach aktuellem Stand werde die Umleitung voraussichtlich über die L 329 und die L 286 über Bärbroich verlaufen. Anliegerstraßen sollen dafür nicht ausgeschildert werden.

Auch die Sorge, für den Radweg müssten rund 30 Alleebäume gefällt werden, weist der Landesbetrieb zurück. Die vorbereitenden Fäll- und Gehölzarbeiten seien bereits in der vergangenen Fällperiode zwischen Oktober und Februar weitgehend erledigt worden. Im Kurvenbereich seien Bäume gefällt und Gehölze zurückgeschnitten worden. Nach der Einstufung im landschaftspflegerischen Begleitplan seien darunter zwei „Alleebäume“ gewesen. Ein weiterer Alleebaum sei unabhängig vom Projekt entfernt worden, nachdem ihn ein Lastwagen beschädigt habe und er nicht mehr verkehrssicher gewesen sei.

Wurzelbrücken und Baumschutz sollen Bäume erhalten

Bei planmäßigem Verlauf müssten keine weiteren Alleebäume für den Bau fallen, betont Straßen NRW. Um vorhandene Bäume zu erhalten, seien Baumschutzmaßnahmen und sogenannte Wurzelbrücken vorgesehen. Sie sollen ermöglichen, den Radweg über empfindliche Wurzelbereiche zu führen, ohne die Bäume zu schädigen. Eine umwelttechnische Baubegleitung soll kontrollieren, dass die Vorgaben des landschaftspflegerischen Begleitplans eingehalten werden. Zusätzlich seien Pflegeschnitte vorgesehen.

In der Vergangenheit hatte diese Zeitung mehrfach über Baumfällungen entlang der Allee berichtet, auf die auch der Bergische Naturschutzverein (RBN) hingewiesen hatte und für die es keine Nachpflanzungen gab. Straßen NRW hatte dies mehrfach damit begründet, dass zunächst die Linienführung des Radwegs feststehen müsse, bevor neue Alleebäume gepflanzt werden könnten.

Einen Wermutstropfen sieht der ADFC weiterhin in der Streckenplanung: Der Abschnitt vom Ortseingang Spitze am Trotzenburger Weg bis zur Kreuzung mit der L 286 soll keinen Rad- und Gehweg erhalten. Nach Angaben des Verbands lässt sich dort die notwendige Entwässerung nicht sicherstellen, ohne die Straße vollständig neu zu bauen. Damit bleibt trotz des Neubaus eine Lücke.

Für die Fortsetzung von Spitze nach Kürten-Schanze ist der Stand noch weniger weit. Dort war ein Planfeststellungsverfahren angekündigt worden, das laut ADFC bis Oktober noch nicht bei der Bezirksregierung Köln beantragt war. Zunächst aber richtet sich der Blick auf die Ausschreibung zwischen Herkenrath und Spitze – und darauf, wann nach Jahren der Planung tatsächlich die Bagger anrollen. (wg)