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BildungEhrenamtlichen Lesehelfern in Overath fehlen Räume

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Eine Gruppe von Männern und Frauen steht zusammen mit einheitlichen T-Shirts und schaut in eine Kamera.

Die Lesementoren, wie sie auf diesem Archivbild zu sehen sind, helfen nicht nur bei der Lesekompetenz, sondern leisten auch Integrationsarbeit.

Overather Lesementoren betreuen 95 Kinder an Grundschulen – Verein muss trotz neuer Freiwilliger Anfragen ablehnen

„Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“ – dieser Meinung ist auch Heinz Pfennings, Vereinsvorsitzender des Vereins „Mentor – Die Leselernhelfer Overath e.V.“, der Kindern mit Problemen beim Lesen ehrenamtlich hilft. Im Overather Schul- und Sportausschuss stellte Pfennings die Arbeit des Vereins vor und machte auf ein aktuelles Problem aufmerksam.

Zunächst aber, stellte Pfennings klar, weshalb dieses Ehrenamt so wichtig ist. „In einer Studie der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) wurde festgestellt, dass fast jeder vierte Viertklässler in Deutschland nicht gut lesen kann“, führte er aus. Laut Unicef fehlt es bei den 15-Jährigen sogar bei 40 Prozent an ausreichender Kompetenz im Lesen. Das Problem: Lesen und Verstehen ist auch für andere Schulfächer erforderlich. Je früher eine Förderung beginne, desto besser verlaufe die Schullaufbahn und später auch der Berufsweg.

Hilfreich für Integration

Auch bei der Integration helfe die Arbeit des Vereins. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund fehle durch das Neuerlernen der Sprache zunächst der Wortschatz. Wenn die Eltern ebenfalls noch kein Deutsch können, wird zu Hause in der Heimatsprache gesprochen. Durch die Leseförderung werde also auch allgemeine Sprachkompetenz vermittelt. „Es sollte einem klar sein: Eine frühe Förderung vermeidet langfristig hohe Bildungs- und Sozialkosten.“

Um diesem Problem entgegenzuwirken, sind laut Pfennings derzeit 60 Lesementoren an sechs Grundschulen, allesamt im Overather Gebiet, im Einsatz, die 95 Kinder betreuen. Zusammengerechnet käme man damit auf 2850 Lesestunden pro Schuljahr, weiterhin investiere der Verein 1400 Stunden für die Organisation, Aus- und Fortbildungen und die Werbung. In einen Geldwert umgerechnet entspreche diese Arbeit circa 60.000 Euro, wenn man vom Mindestlohn ausgehe.

Schulen koordinieren vieles

Pfennings betonte auch die Leistung der Schulen. So wählen sie die Kinder aus, die gefördert werden, holen das Einverständnis der Eltern ein, stellen die Leseräume bereit, unterstützen die Mentoren bei Problemen und informieren die Mentoren bei Ausfällen von Lesestunden. Die Mentoren selbst tragen ihre Fahrtkosten, bereiten die Lesestunden vor und nach, bilden sich fort und koordinieren die Stunden mit den Schulen.

So werde eine Eins-zu-eins-Förderung ohne Leistungsdruck erzielt, bei der die Kinder auch ungeteilte Aufmerksamkeit erhielten. Das sei, gerade in Zeiten, in denen beide Elternteile oft voll berufstätig sind, ebenfalls zum Vorteil der Kinder und stärke das Selbstvertrauen. Im regulären Schulalltag hätten Lehrer keine Zeit, eine solche Betreuung zu ermöglichen. Für die, häufig älteren, Mentoren, habe es den Vorteil, dass sie darin eine sinnvolle Beschäftigung für sich gefunden hätten, die ihnen Spaß mache.

Verlässliche Strukturen bieten

Das Ganze sei aber nur durch verlässliche Strukturen und eine gewisse Regelmäßigkeit zu erreichen. Auch wenn der Verein die Haltung habe, für die Schulen und Lehrer keine zusätzliche Belastung zu sein und sich flexibel zu organisieren, stießen sie inzwischen immer wieder auf ein Problem: die Raumverfügbarkeit.

Denn, auch wenn sich immer mehr Freiwillige beim Verein meldeten: Ohne Planbarkeit müssten sie zurzeit Absagen erteilen. „Wir sehen den Förderbedarf, allerdings gibt es oft zu wenige Räume an den Schulen. An der OGGS hier in Overath stehen die Rohbaumaßnahmen zur Sanierung an und wir wissen nicht, ob wir die Leseförderung in dieser Zeit fortführen können oder reduzieren müssen“, erklärte Pfennings. Da viele ihrer Ehrenamtlichen Senioren seien und nicht immer mobil, sei eine gute Planung extrem wichtig für die Fortführung der Arbeit.

Mehr Freiwillige als Einsatzgelegenheiten

Weil mehr Freiwillige als Einsatzgelegenheiten da sind, weite der Verein sein Gebiet aus und werde an der Grundschule in Much aktiv. Auch hier habe es zunächst Platzprobleme gegeben, durch eine gelungene Absprache mit Schule und Verwaltung sei dann aber die Villa Much als Raum gefunden worden. Lohmar-Wahlscheid sei ebenfalls als Einsatzort in Planung und, da der Förderbedarf nicht bei der Grundschule ende, wollten die Mentoren auch gerne an Sekundarschulen aktiv werden. Das sei aber bisher noch nicht gelungen.

Pfennings schloss seinen Vortrag mit der Bitte, dass Verwaltung und Schulen versuchten, den Zugang zu Räumen zu ermöglichen, damit die Förderung weitergehen könne. „Unser Angebot macht mehr Förderung ohne zusätzliche Personalkosten möglich.“

Ausschuss beeindruckt von Leistung

Fraktionsübergreifend zeigten sich die Ausschussmitglieder beeindruckt von der Arbeit des Vereins und dankten für den Einsatz der Ehrenamtler. Ausschussvorsitzender Hans Schlömer (SPD) meinte, dass man schauen wolle, was sich machen ließe.

AfD-Rat Christoph Heftrig hätte gerne konkrete Zahlen zu den geförderten Kindern gehört. Vor allem hätte ihn interessiert, um wie viele Kinder es sich handelte und wie hoch der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund sei. Pfennings antwortete, dass dieser Anteil bei rund 50 Prozent liege. Daher sei die Förderung ein wichtiger Teil der Integrationsarbeit.

Heinz Pfennings präsentierte auch Förderquoten an den sechs Overather Grundschulen. Diese berechneten sich durch die Anzahl an Lesekindern im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl. Pfennings schickte voraus, dass die Förderquote nichts mit der Schulqualität zu tun habe, sondern von Faktoren abhängig sei, wie etwa der Erlaubnis der Eltern. So hat Marialinden mit zehn Prozent die höchste Förderquote, gefolgt von Immekeppel mit circa neun Prozent und Vilkerath knapp darunter. Danach kommt Heiligenhaus mit etwa sieben Prozent und das Sülztal und Overath liegen etwa gleichauf knapp unter den sieben Prozent.