Wer heute im Bergischen Land einen Baum pflanzt, wird ihn selbst nicht mehr ernten. „Nachhaltig ist, wenn man Bäume pflanzt für jemanden, den man noch nicht kennt“, sagt Stefan Becher. Der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Overath sitzt mit seinen Vorstandskollegen Sebastian Brieden, Sascha Schreiner und Geschäftsführer Michael Heider am Holztisch im Besprechungsraum seiner Firma. Auch Sina Rogge und Moritz Volkmann vom Regionalforstamt Bergisches Land sind gekommen. Der Anlass: Die FBG Overath verlängert ihren Betreuungsvertrag mit dem Forstamt um fünf Jahre.
Kleine Waldflächen, große Nachteile
Die Gemeinschaft zählt rund 250 Mitglieder und bewirtschaftet gemeinsam 1477 Hektar Wald. Im Schnitt besitzt ein Eigentümer weniger als zwei Hektar. Für den Einzelnen ein Nachteil: Kein Forstunternehmer rückt für ein paar Bäume an, kein Sägewerk kauft winzige Mengen an Holz zu vernünftigen Preisen, und der Staat zahlt Fördergelder nicht mehr an Einzelkämpfer.
Solidarität als Prinzip der FBG
Hier hilft die Solidarität der FBG. Das Land bezuschusst die Betreuung durch Försterin Sina Rogge mit 80 Prozent. Mit dem Mitgliedsbeitrag sind die Flächen automatisch gegen Waldbrand und Haftpflichtrisiken versichert. Zudem bündelt die FBG den Einkauf von Setzlinge, koordiniert Forstunternehmer für die Durchforstungen und beantragt staatliche Fördermittel.
Ehrenamtlicher Geschäftsführer als Vorreiter
Dass dieser Kraftakt gelingt, verdankt die FBG ihrem Geschäftsführer Michael Heider. Er führt die Geschäfte ehrenamtlich und machte den Verein mit einem automatisierten Kataster-Datenabgleich zum landesweiten Vorreiter. Vorstandschef Becher: „Aber das größte Lob muss man dem Michael aussprechen, der uns dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen.“
Folgen von Stürmen, Dürre und Borkenkäfer

Overaths Waldbesitzer
Copyright: Christoph Konkulewski
Der Aufwand ist dringend nötig, der Wald steht am Scheideweg. Ab 2018 fraßen Stürme, Dürre und Borkenkäfer Millionen Festmeter Fichtenholz. „Da sind ganze Fichtenbestände innerhalb von drei Monaten rot geworden und noch drei Monate später waren die weg“, sagt Forstmann Moritz Volkmann. Heute wuchern auf vielen Kahlflächen nur Brombeeren oder instabile Birken, die beim ersten Nassschnee umknicken.
Mischwald statt Monokultur
„Die Wiederbewaldung geht nicht einfach so: Der Laster kommt, die Pflanzen rein in den Boden und jetzt ist wieder bewaldet “, betont Volkmann. Da selbst unter dem Klimawandel die robuste Buche schwächelt, verabschieden sich die Forstleute von Monokulturen. „Wir müssen das Risiko verteilen.“, erklärt Volkmann. Mindestens vier Baumarten sollen pro Fläche wachsen: Neben Naturverjüngung setzen die Waldbauern auf trockenheitsresistentere Arten wie Esskastanie, Roteiche, Elsbeere, Douglasie und Küstentanne.
Mehr Pflege, mehr Zusammenarbeit
Ein solcher Mischwald stellt neue Anforderungen an Pflege und Ernte. Sina Rogge kennt die Flächen und die Eigentümer. Sie prüft, wo Rehe Triebe verbeißen oder Hitze Setzlinge vertrocknen lässt, und wählt bei Durchforstungen Bäume aus, die den Zukunftsbäumen das Licht wegnehmen. Weil Sägewerke ganze Lastwagenladungen einer Holzart verlangen, erläutert Rogge: „Es ist wichtig, dass die Waldbesitzer zusammenarbeiten, damit man Mengen hat, die fürs Sägewerk attraktiv sind.“
Gegen die Entfremdung der Waldbesitzer
Zugleich kämpft die FBG gegen Entfremdung: Landesweit wurde die Hälfte der Privatwälder zehn Jahre lang nicht mehr aktiv bewirtschaftet. Um gegenzusteuern, hat NRW die starren Gemeindegrenzen aufgehoben. Ab sofort können auch Waldbesitzer aus Nachbarkommunen wie Bergisch Gladbach, Rösrath oder Gummersbach aktive Gemeinschaften suchen und beispielsweise Mitglied der FBG Overath werden.

