„Kein Platz ist illegal“ lautet die Hauptansage, mit der sich die Camper in Immekeppel bei ihrer Protestveranstaltung gegen die Schließung der Anlage wehren.
OverathCamper kämpfen um ihren Zelt- und Wohnwagenplatz an der Sülz

Mit Musik protestieren Camper in Overath dagegen, dass die Stadt den Platz in Overath-Immekeppel schließen will.
Copyright: Christoph Konkulewski
Was wiegt schwerer: der Paragraph oder das Leben? Das Overather Bauamt hat entschieden. Es fordert die Schließung des Campingplatzes an der Sülz, im „öffentlichen Interesse“, wie es heißt.
Seit mehr als 60 Jahren stehen hier Vorzelte und Wohnwagen. Nie hat es jemanden gestört. Es hatte keine Genehmigung gegeben, aber das Amt duldete das Idyll. Jahrzehntelang. Bis jetzt.
Die Mieter wollen sich damit nicht abfinden. Ihre Botschaft ist einfach und unmissverständlich: „Kein Platz ist illegal!“
Stimmung schwankt zwischen Wut und Wehmut
Am Wochenende haben sie geantwortet: mit Musik, Wut und Bürgerprotest. Keine großen Reden, kein teures Catering. Wer kam, setzte sich auf die Wiese oder im Schatten der Hecke auf Klappstühle.
Die Stimmung schwankte zwischen Trotz und Wehmut. Als die Band „Celtic Sens“ den ersten Akkord anstimmte, traf der melancholische Klang das Herz der Camper. Später spielten „Vermillion Blue“ und abends „Heavy Disturbed“. Ein Kulturabend als Kampfansage: Hier geht es nicht nur um ein Stück Land, sondern um Heimat.
Sogar die Eigner des benachbarten Campingplatzes am Clevhaus schauten vorbei. Man rückte zusammen, versprach sich gegenseitige Besuche und Unterstützung. Der Widerstand wächst. Ein provisorischer Infostand informiert über den Stand der Dinge.

Die Camper haben ein Protestplakat auf der Anlage in Immekeppel aufgehängt.
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Organisiert wird der Protest von Alexander Meyen. Er kämpft mit Herzblut. Meyen hat ein Musterschreiben entworfen, das Bürgerinnen und Bürger nun an das Overather Planungsamt schicken sollen. Die Forderung lautet: Der Platz muss im kommenden Flächennutzungsplan verankert und damit endlich gerettet werden. Für viele Erholungssuchende ist das Areal eine „gewachsene und bedeutende Freizeit- und Erholungseinrichtung“.
Hinter dem Konflikt steckt schlicht ein bürokratischer Vorgang (wir berichteten). Das Bauamt beruft sich darauf, dass das Areal im Außen- und Überschwemmungsgebiet liege und nie eine Genehmigung hatte. Weil die Stadt vor Gericht gegen einen ähnlichen Platz in Vilkerath siegte, arbeitet sie nun eine Räumungsliste ab.
Betroffene schildern dies als „zynisch“: Für ihre Einnahmen habe die Stadt jahrelang Gewerbesteuer von der Betreiberin eingenommen, von den Mietern die Zweitwohnsitzsteuer. Doch existieren darf der Platz laut Gesetzgeber angeblich nicht.
Hoffnung gibt es trotzdem: Bei einem Runden Tisch sagte Overaths Verwaltungsführung mit Bürgermeister Michael Eyer (CDU) den Mietern bereits Hilfe zu. Das Amt pocht aber weiter auf Paragraphen. Die Camper pochen auf ihr Recht, zu bleiben. Der Streit um den kleinen, gepflegten Platz an der Sülz geht jetzt in die heiße Phase.
