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Wohnraum statt GotteshausMehrere evangelische Kirchen in Bergheim werden aufgegeben

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Das Bild zeigt den Innenraum der Kirche. Vorne ist ein Kreuz als buntes Fenstermosaik zu sehen.

Die Christuskirche war lange das geistliche Zuhause für viele Menschen. In Zukunft könnte sie Wohnraum weichen.

Drei Frauen, die sich in der Christuskirche in Zieverich engagiert haben, erzählen von ihrem Schock – und ihrem Wunsch, die Kirche zu erhalten.

Die Konfirmation der Enkelin, eine Taufe, oder einfach ein Gottesdienst, in dem das Licht durch die bunten Glasfenster in den Saal scheint: Die Christuskirche war lange das geistliche Zuhause für viele Menschen in Bergheim.

Nun plant die Trinitatis-Gemeinde an der Erft, die Kirche abzureißen und dort Wohnraum zu errichten. Für Beate Heller, Elke Thiem und Ulrike Siepen-Bleisch, die sich in der Gemeinde engagiert haben, ein wahrer Schock. „Meine Kinder sind dort getauft, meine Enkel. Die erste Enkelin hatte letztes Jahr dort Konfirmation“, sagt Ulrike Siepen-Bleisch.

Gemeindemitglieder fühlen sich im Stich gelassen

In Elsdorf und Quadrath will die Trinitatis-Gemeinde ebenfalls Kirchen aufgeben. Sie reagiert mit dem Schritt auf schwindende Mitgliederzahlen und steigende Kosten. Für die wirtschaftliche Realität haben auch Beate Heller, Elke Thiem und Ulrike Siepen-Bleisch Verständnis. Der Frust ist trotzdem groß – nicht nur wegen der Abrisspläne, sondern vor allem wegen der Art ihres Zustandekommens. Die Gemeindemitglieder hätten bei diesem Prozess nicht wirklich mitreden können. Dass die drei mit ihrer Meinung nicht allein stehen, zeigen die von ihnen gesammelten Unterschriften.

Nachdem Pfarrerin Almut Giesen im Jahr 2024 in den Ruhestand ging, wurde ihre Stelle nicht nachbesetzt. Als sich auch das Presbyterium auflöste, das die Gemeinde leitet, rückte ein Bevollmächtigtenausschuss an seine Stelle. Dieser besteht aus den übrigen Pfarrern und ehemaligen Presbytern der anderen Gemeindeteile in Bedburg, Quadrath und Elsdorf – ein Vertreter aus Zieverich war dagegen nicht dabei.

Das Bild zeigt das Gebäude in einer Seitenansicht.

Die Trinitatisgemeinde will an Stelle der Christuskirche in Zieverich Wohnraum schaffen. Das Projekt ist derzeit in der Planungsphase.

„Also keine Pfarrerin mehr und kein Presbyter, der für die Interessen dieses Stadtteils hätte eintreten können“, sagt Beate Heller. Dieser hätte sich nicht nur stärker dafür einsetzen können, dass die Christuskirche erhalten bleibt. Er hätte den Gemeindemitgliedern erklären können, wie die Entscheidung zustande gekommen ist.

Stattdessen sei die Gemeinde in einer Mitgliederversammlung am 18. Januar vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „Mich hat erstaunt, wie schnell man über die Bedenken der Gemeindeglieder hinweggegangen ist“, sagt Ulrike Siepen-Bleisch. 

Kirchenverband sieht schwere Entscheidungen als notwendig an

„Wir bedauern, wenn Gemeindeglieder den Eindruck haben, nicht ausreichend gehört oder vertreten worden zu sein“, sagt die Pressestelle des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Es gelinge nicht immer, aus allen Orten oder Gemeindeteilen Personen für ein Leitungsgremium zu gewinnen. Diese würden sich aber nicht als Vertreter eines Ortsteils verstehen, sondern nach bestem Gewissen für das Ganze handeln. 

Die Kirchengemeinde stehe vor Entscheidungen, die sie im Hinblick auf rückläufige Einnahmen, steigende Kosten, notwendige Investitionen an mehreren Standorten sowie die Anforderungen an Klimaneutralität und energetische Sanierung treffen müsse.

Im Gegensatz zu den Kirchen in Zieverich, Elsdorf und Quadrath will die Trinitatis-Gemeinde an der Erft die Kirche in Bedburg erhalten. Dazu soll die Arche in Bergheim zu einem sakralen, multifunktionalen Raum werden. Ziel all dieser Entscheidungen sei nicht Rückzug, sondern Konzentration, sagt der evangelische Verband: „Die Kirchengemeinde will auch in Zukunft sichtbar und erreichbar bleiben und ihre verbleibenden Standorte so entwickeln, dass dort Gottesdienst, Begegnung, Seelsorge und Gemeindeleben langfristig möglich sind.“

Um die Sichtbarkeit ihres Glaubens geht es auch Ulrike Siepen-Bleisch, Beate Heller und Elke Thiem. Die Christuskirche liegt, anders als die Arche, gut sichtbar und zentral an einer Hauptstraße, hat eigene Parkplätze und eine Bushaltestelle ist in der Nähe. „Wir haben viele ganz alte Leute, die nicht mehr mobil sind“, sagt Elke Thiem. Beate Heller meint, die Christuskirche biete die besten Voraussetzungen für Konzerte. Es gibt Platz für ein kleines Orchester und einen großen Chor dahinter, die Akustik sei gut, die Orgel ebenfalls. „Die Christuskirche ist natürlich sehr schlicht. Aber für uns ist sie einfach ein religiöser Ort. Die Arche kann das nicht ersetzen“, sagt Ulrike Siepen-Bleisch.

Auch die Schützenbruderschaft meldeten sich zu Wort

Schützenhilfe gab es bereits von Florian Naumann. Er startete eine Petition, um die Kirche zu erhalten, und wies darauf hin, dass auch das Schützenheim an der Erft in den kommenden Jahren zurückgebaut werden müsse. „Wo soll Gemeinschaft in Zieverich künftig überhaupt noch stattfinden?“, schrieb Naumann in der Petition.

Auch Beate Heller, Elke Thiem und Ulrike Siepen-Bleisch sind offen für kreative Lösungen. Wenn die Kirche nicht mehr die Kosten für das Gebäude tragen könne, könne man auch andere Interessenten ins Boot holen, die im Gegenzug die Räume mitnutzen können.

Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region erklärte allerdings, die Situation an der Christuskirche sei besonders komplex, für die Entwicklung des sogenannten Christusquartiers werde das gesamte Grundstück benötigt. Zudem müsse jede Lösung dauerhaft wirtschaftlich tragfähig sein. „Die Kirchengemeinde muss deshalb eine Lösung verfolgen, die langfristig verlässlich finanzierbar ist und zugleich kirchliches Leben in Bergheim stärkt.“

Den letzten Bauvorantrag der Trinitatis-Gemeinde, der bereits auf der Tagesordnung im Stadtrat stand, zog die Gemeinde vorerst zurück. Die Begründung: Man wolle nochmal auf die wirtschaftliche Situation schauen, aber auch auf das Thema Hochwasserschutz, da die Gemeine neben der Erft liegt. „Dass die Planungen zum Christusquartier aktuell noch einmal überarbeitet werden, zeigt zugleich: Der Prozess ist nicht abgeschlossen“, ist in der Pressestelle des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region zu erfahren. Die Gemeinde wolle die nächsten Schritte sorgfältig prüfen und transparent darüber informieren.