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Auflagen erschweren SucheBrühler Tagespflege für Senioren steht bald ohne Bleibe da

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Zu sehen sind Jana Puccio, Marcel Klein und Toni Nutz.

Jana Puccio (M.) macht sich Sorgen um den Fortbestand ihrer Tagespflege und die die Jobs ihrer Angestellten Marcel Klein (l.) und Toni Nutz (r.).

Bereits seit Februar sucht die Betreiberin eine neue Immobilie, doch die muss hohe Standards erfüllen.

Als Jana Puccio im Februar die Kündigung ihres Vermieters erhält, ahnt sie bereits – die Suche nach einer neuen Bleibe wird keine einfache. Als Leiterin der Tagespflegeeinrichtung „Von Mensch zu Mensch“ für Seniorinnen und Senioren in Brühl arbeitet sie seit 14 Jahren in der Tagespflege und liebt ihren Beruf: „Ich arbeite unheimlich gerne mit alten Leuten, die Menschen haben spannende Geschichten zu erzählen und man kriegt so viel Dankbarkeit zurück.“ Von der Kündigung lässt sie sich nicht entmutigen und beginnt mit der Suche.

Die Schwierigkeit: Pflegeeinrichtungen obliegen baulichen Auflagen und Anforderungen, die auch das neue Objekt erfüllen muss. Eine erste mögliche Hürde: die Kommune muss zustimmen, dass es einen Bedarf an Tagespflegeplätzen gibt. In Brühl sei der Bedarf groß, so Puccio, die im ersten Schritt ein Objekt findet, nicht weit entfernt von ihrem aktuellen an der Burgstraße. Doch bevor der Mietvertrag unterschrieben werden kann, müssen Rhein-Erft-Kreis, Heimaufsichtsbehörde und Landschaftsverband (LVR) gemeinsam mit dem Eigentümer und der Architektin zusammenkommen.

Betreiberin der Tagespflege hat positive Erinnerungen an erste Begehung

„Diese Menschen an einem Termin zusammen zu bringen, war bereits eine Mammutaufgabe“, erinnert sich Puccio. Die Begehung lief laut der Brühlerin sehr positiv ab, ihr und dem Eigentümer, versicherten die Behörden ein recht schnelles Verfahren. Denn nach der Begehung muss der Bauplan durch ein sogenanntes Abstimmungsverfahren – Heimaufsichtsbehörde und LVR sind dabei involviert.

Laut Puccio lassen die Vorgaben wenig Spielraum und die individuellen Gegebenheiten sind außen vor. „Pro Gast muss ich 18 Quadratmeter stellen, mein Flur muss 50 Quadratmeter groß sein. Der Ruheraum braucht ein Fenster“, nennt sie Aspekte. „Ich brauche einen Therapieraum, obwohl hier keine Therapien stattfinden, der Grund für den großen Flur sind die Abstellmöglichkeiten für die Rollatoren und Rollstühle meiner Gäste. Die können ohne aber gar nicht laufen, weswegen sie diese auch nie im Flur abstellen werden.“

Puccio reicht Anfang März dennoch den Antrag auf Einleitung eines Abstimmungsverfahrens ein. Laut Rhein-Erft-Kreis schickt dieser am 20. März die gesichteten Unterlagen an den LVR weiter. Trotz zwischenzeitlicher Ergänzungen gibt es jedoch kein grünes Licht. Die Heimaufsichtsbehörde hält auch die überarbeiteten Unterlagen, noch immer „für nicht genehmigungsfähig, insbesondere da sowohl die bauliche Planung als auch das fachliche Konzept nicht ausreichend aufeinander abgestimmt“ seien.

Puccio kann das nicht nachvollziehen. Sie bemängelt, dass die Behörden anfangs Optimismus verbreitet hätten, und sorgt sich um die Zukunft ihrer zehn zu betreuenden Gäste, ihre wirtschaftliche Existenz und die ihrer Mitarbeitenden. Laut Rhein-Erft-Kreis wurde Puccio hingegen bereits beim Vor-Ort-Termin Ende Februar auf die Herausforderung, die die Räumlichkeiten „hinsichtlich der Realisierbarkeit einer Tagespflegeeinrichtung nach geltenden Standards aufweisen“ aufmerksam gemacht.

Puccio hält dagegen: Der Eigentümer sei bereit gewesen, die Herausforderungen mit seiner Architektin zu bewältigen, so Puccio, die am 24. April ein Schreiben mit den weiteren Forderungen an den Bauplan erhalten hat. Unter den Aspekten Erreichbarkeit, Küche/Essen, Sanitäranlagen und Raumkonzept erläutert die Heimaufsichtsbehörde weitere Nachbesserungen. Diese habe sie in Angriff nehmen wollen, sagt Puccio, dann, so ihre Hoffnung, könne es endlich weitergehen.

Eigentümer macht nach Stillstand einen Rückzieher

Doch Ende Mai kommt das Aus für das Objekt: „Der Eigentümer der Immobilie hat sich aus dem Projekt zurückgezogen, da die behördliche Situation zu aufwendig, zu langatmig und zu kostspielig wird“, berichtet Puccio und ist enttäuscht. „Somit ist wieder einer vergrault worden, der bereit war, so eine Einrichtung zu unterstützen.“

Ein zweites Objekt wurde laut Puccio ebenfalls abgelehnt, da es nicht den Vorgaben entspreche. Ob sie bis September eine neue Bleibe findet, ist somit unsicher. „Man fühlt sich als Spielball von sämtlichen Behörden, die irgendwelche Prüfungen machen und Vorgaben erstellen. Sollten wir im September Schluss machen müssen, werden meine Mitarbeiter und ich nicht noch mal in der Pflege anfangen, das war ein abschreckendes Beispiel“, sagt Puccio.