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Kritik vor SpatenstichKlimaschützer protestieren gegen RWE-Pipeline zum Hambacher Forst

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Rheinwassertransportleitung

Durch solche Rohre soll das Rheinwasser über eine Länge von 45 Kilometern von Dormagen nach Elsdorf gepumpt werden. 

Initiativen befürchten, dass das aus dem Rhein abgeleitete Wasser nicht gefiltert wird und mit Chemikalien belastet ist.

Vor dem Hintergrund des symbolischen Spatenstichs in Elsdorf (Rhein-Erft-Kreis) zum Bau der Rheinwassertransportleitung äußert sich die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ zu dem Vorhaben und dem künftigen gigantischen See im Rheinischen Revier bei Elsdorf: „Die Versprechungen in den Hochglanzprospekten von RWE klingen natürlich verlockend“, sagt Antje Bußberg.

Und weiter: „Wir machen uns jedoch große Sorgen, dass der Traum vom See zum Albtraum wird. Wer möchte schon gerne in der giftigen Gülle schwimmen, die mit Industrieabwässern aus dem Chemiepark angereichert ist?“ RWE wolle das mit Ewigkeitschemikalien wie PFAS und anderen Giftstoffen belastete Rheinwasser ohne jegliche chemische Filterung in die Tagebaue leiten.

Ganz zu schweigen von der Frage, ob es aufgrund der Klimakrise in ein paar Jahrzehnten überhaupt noch ausreichend Wasser geben wird
Timon Mario Aydin Turban

Von der Entnahmestelle in Dormagen im Rhein-Kreis Neuss nahe des Chemparks soll Rheinwasser über eine 45 Kilometer lange Pipeline in die Tagebaue Garzweiler und Hambach geleitet werden, um diese in Seen zu verwandeln. Der Bau bedeute zudem einen massiven Eingriff in die Umwelt und beeinträchtige auf seinem Weg unter anderem das europarechtlich geschützte FFH-Gebiet im Knechtstedener Wald. Entlang der Pipeline formierten sich daher Proteste von Interessengemeinschaften und Klimaschützern, so die Initiative.

Alternativen seien nicht geprüft worden, kritisiert Timon Mario Aydin Turban vom Wasserbündnis; und am liebsten würde der Kohlekonzern nicht einmal für die Entnahme des Rheinwassers bezahlen: „Nachdem RWE gigantische Mengen des Tagebaubodens als Baustoff verkauft und damit die Gruben unnötig vergrößert hat, sollen die Folgekosten jetzt von den Steuerzahlern getragen werden. Das ist zutiefst ungerecht. Ganz zu schweigen von der Frage, ob es aufgrund der Klimakrise in ein paar Jahrzehnten überhaupt noch ausreichend Wasser geben wird.“

Für RWE ist der Qualität des Rheinwassers ausreichend für die Tagebauseen, die Feuchtgebiete und zur Auffüllung des Grundwassers. Der Konzern verweist unter anderem auf einen Rheinwasserqualitätsbericht und die Genehmigungen zur Entnahme. Auch gebe es noch eine wasserrechtliche Planfeststellung für die Seen.(jtü)


Im Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ haben sich Betroffene aller Braunkohlereviere in Deutschland zusammengetan, um „gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung zu kämpfen.“ Der Name des 2018 gegründeten Bündnisses ist gleichzeitig auch deren zentrale Forderung. Die Dörfer seien über Jahrhunderte gewachsen und nicht ersetzbar.