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Bis zu 1300 neue WohnungenSo geht es mit dem Neubaugebiet Grube Carl in Frechen weiter

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Den Stadtteil Grube Carl in Frechen zeigt diese Luftaufnahme von 2021. (Archivbild)

Den Stadtteil Grube Carl in Frechen zeigt diese Luftaufnahme von 2021. (Archivbild)

Die Aufstellung eines Bebauungsplans wurde beschlossen. Kritiker wehren sich gegen die Pläne; Frechener Unternehmer loben den Beschluss.

Nach jahrelangem Stillstand geht es beim geplanten Neubaugebiet Grube Carl weiter: Der Ausschuss für Stadtplanung, Strukturwandel und Bauen (StuB) hat mehrheitlich die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Er umfasst den Bereich westlich, östlich und nördlich des Grefrather Wegs und westlich der Philipp-Faßbender-Straße.

Ziel ist die Entwicklung eines Neubaugebiets mit einem städtebaulichen Gesamtkonzept auf einer Fläche von rund 17 Hektar. Zwischen 1100 und 1300 Wohnungen, eine neue Grundschule und eine Kita sind vorgesehen. Kritiker wehren sich vehement gegen das Vorhaben. Die Interessenvereinigung Frechener Unternehmen (IFU) begrüßte den Beschluss.

Frechen: Infotreffen für die Bürger im Mai

Die Stadt kooperiert bei dem Projekt mit der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), der Unternehmensgruppe Paeschke Bauträger sowie der RWE, die gleichzeitig Flächeneigentümerin ist. Bereits 2019 gab es einen Beschluss zur Entwicklung des Stadtteils, dieser wurde nun weiterentwickelt.  Im Mai soll es unter der Regie der SEG ein Infotreffen für die Bürger geben.

Im StuB stimmten CDU, SPD, Perspektive für Frechen, Linke sowie AfD für den Aufstellungsbeschluss. Er ist die förmliche Beauftragung der Verwaltung, in die Bauleitplanung einzusteigen.

Die Verfechter der Bebauung von Grube Carl sollen wenigstens ehrlich sein, das sagen und sich nicht hinter einer vorgeschobenen Sozialpolitik verstecken
Prof. Dr. Stefan Sporn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen Frechen

Mit scharfer Kritik sprach sich Prof. Dr. Stefan Sporn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, gegen das Projekt aus: „Die Zerstörung und Versiegelung von rund 17 Hektar bester Acker-, Wiesen- und Heckenflächen, Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt, Naherholungsgebiet und Frischluftschleuse für Frechen bedarf in diesen Zeiten einer ganz besonderen Rechtfertigung. Diese liegt nicht vor.“ Auch die als Grund angeführte besondere Wohnungsnot in Frechen stellte Sporn in Frage: Frechen sei seit Jahren nicht gewachsen. Und wenn, könne an anderer Stelle auf bereits versiegelten Böden gebaut werden. 

Sie haben uns Unehrlichkeit unterstellt, das möchte ich scharf zurückweisen. Ich verwahre mich dagegen in aller Deutlichkeit 
Karla Palussek (CDU), Ausschussvorsitzende Frechen

Wenn auf Grube Carl gebaut würde, ginge es sicher nicht nur um die Wohnungsnot, sondern ums Geld, um die leere Stadtkasse zu füllen, so Sporn: „Die Verfechter der Bebauung von Grube Carl sollen wenigstens ehrlich sein, das sagen und sich nicht hinter einer vorgeschobenen Sozialpolitik verstecken.“ Auf seine Statements reagierte die Ausschussvorsitzende Karla Palussek (CDU) entrüstet: „Sie haben uns Unehrlichkeit unterstellt, das möchte ich scharf zurückweisen. Ich verwahre mich dagegen in aller Deutlichkeit.“

Auf dem Bild sind Gebäude auf Grube Carl zu sehen.

Die ehemaligen Werksgebäude von Grube Carl wurden zu Wohn- und Praxisräumen umgewandelt. (Archivbild)

Auch die FDP sprach sich gegen den Beschluss aus. Sie sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung, so die Fraktionsvorsitzende Angela Lindemann-Berk. Die Fläche sei allerdings ein Naherholungsgebiet und solle keine „Innenstadt 2.0“ werden, ihre Fraktion befürworte dort lediglich Ein- oder Zweifamilienhäuser.

Das Ausmaß der Pläne hat erhebliche Folgen für Verkehr, Infrastruktur, Natur- und Erholungsflächen sowie die Lebensqualität im Viertel
Bürgerinitiative Grube Carl

Bereits zu Beginn der Ausschusssitzung hatten etliche Anwohner die Pläne der Stadt kritisiert. Auch die Bürgerinitiative Grube Carl teilte mit, sie sehe die Entscheidung „sehr kritisch“. Das Ausmaß der Pläne habe erhebliche Folgen für Verkehr, Infrastruktur, Natur- und Erholungsflächen sowie die Lebensqualität im Viertel. „Entscheidungen dieser Tragweite dürfen nicht hinter Mehrheitsbeschlüssen und Verwaltungsprozessen verschwinden“, so die Initiative.

Unsere Unternehmen beklagen regelmäßig den Verlust von Beschäftigten, die das zeitraubende und auch teure Pendeln nach Frechen leid sind, aber keine passende oder bezahlbare Wohnung in Frechen finden
Ingo Arlinghaus, Sprecher der Interessenvereinigung Frechener Unternehmen (IFU)

Als „wichtiges Signal für den Wohn- und Wirtschaftsstandort Frechen und die Einwohner und die Beschäftigten“ wertete der IFU-Sprecher Ingo Arlinghaus den Aufstellungsbeschluss. Die Schaffung von Wohnraum sei ein entscheidender Standortfaktor für die Frechener Wirtschaft. Aufgrund des Wohnungsmangels hätten die Unternehmen immer wieder Probleme, neue Beschäftigte zu überzeugen, nach Frechen zu kommen. 

„Unsere Unternehmen beklagen regelmäßig den Verlust von Beschäftigten, die das zeitraubende und auch teure Pendeln nach Frechen leid sind, aber keine passende oder bezahlbare Wohnung in Frechen finden“, so Ingo Arlinghaus.

Die IFU stehe bereit, Politik und Verwaltung auch künftig bei der Entwicklung der Stadt zu beraten. Sie wünsche sich für die Grube Carl, aber auch für das zweite große Entwicklungsareal der Stadt, RhenaniaWest, einen zügigen Abschluss der Planung, „damit sich bald die Kräne drehen können“, appellierte der IFU-Vorsitzende.