Sitzungspräsident Thomas Georg hat bei den Karnevalssitzungen der Großen Knapsacker KG im Feierabendhaus brenzlige Situationen gemeistert.
JubiläumAuch bei der 100. Sitzung hat der Chef der Großen Knapsacker KG noch Lampenfieber

Großer Karneval: Thomas Georg (l.) und Hans Süper standen 2017 auf einer Bühne.
Copyright: Margret Klose (Repro)
„Oh, die sehen aber klasse aus – tolle Kostüme“, dachte Thomas Georg noch, als vor Jahren während der Prunksitzung plötzlich die Saaltüren im Feierabendhaus aufflogen und einige Feuerwehrleute in den Saal stürmten. „Die kamen schnurstracks auf mich zu und sagten mir, dass der Saal geräumt werden muss – es brennt.“
„In solchen Momenten funktioniere man – irgendwie“, sagt Georg. Er ist Vorsitzender und Sitzungspräsident der Großen Knapsacker Karnevalsgesellschaft (GKKG). In dieser Funktion feierte er in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum. Zum 100. Mal zog er bei der Mädchensitzung vor ein paar Tagen ins Feierabendhaus ein, wo er seine Jubiläumssitzung moderierte.
Hürth: Auch ein Feuerwehreinsatz bringt den Sitzungspräsident nicht aus der Ruhe
An den Feuerwehreinsatz vor etwa zehn Jahren erinnert er sich noch gut. Sahnesoße sei damals in der Küche im Feierabendhaus übergekocht. „Es passierte beim vorletzten Programmpunkt – die Mädchenband Colör sang – die Stimmung war super. Und ich musste dann die Gäste bitten, zügig und ohne Panik aus dem Saal nach draußen zu gehen“, sagt er.
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Als Sitzungspräsident hat Georg bereits eine ganze Menge erlebt. Schon seit 2004 ist der 62-Jährige Vorsitzender der GKKG und führt als Sitzungspräsident bei den Prunk- und der Mädchensitzungen durch das Programm. Und immer fühlt er sich auch mit für die Stimmung und das Benehmen der Gäste im Saal verantwortlich.
Karneval funktioniert doch nur, wenn sich alle an die Regeln halten
Das hat sogar schon einmal dazu geführt, dass er von seinem Platz auf der Bühne aufstand um einigen Besuchern im Saal ganz persönlich zu erklären, wie im Rheinland Karneval gefeiert wird: Dass es sich nämlich einfach nicht gehört, die karnevalistischen Vorträge der Interpreten auf der Bühne durch Zwischenrufe und lautes Gerede zu stören. Man müsse auch zuhören können.
„Karneval funktioniert doch nur, wenn sich alle an die Regeln halten“, sagt der Hürther. Der Albtraum eines jeden Sitzungspräsidenten – nicht jedoch der von Thomas Georg – ist ein Loch im Sitzungsprogramm, wenn die Künstler zu spät oder gar nicht kommen. Als gelernter Versicherungskaufmann und für etwa 130 Mitarbeiter zuständig, hat er alleine schon aus beruflichen Gründen gelernt, auch in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren.
Der Sitzungspräsident kann nicht nur gut reden, sondern auch singen
Gut reden kann er aber auch. Das kommt ihm natürlich auch als Sitzungspräsident zugute. Doch Georg kann sogar singen – so wie vor ein paar Jahren, als wegen Blitzeis eigentlich kein einziger Interpret pünktlich im Feierabendhaus ankam. Die Sitzungskapelle Blau-Weiß Fischenich mit Gerd Außem habe den Ton angegeben, und er habe für die Gäste das alte Lied von Willi Ostermann gesungen: „Am dude Jüdd“.
„Das kam an“, erinnert er sich. Inzwischen brauchen sich Außem und Thomas nur kurz anzusehen – und mit dem Kopf nicken – dann wissen beide Bescheid. Dann ist es wieder an der Zeit, ihr Ostermann-Lied zum Besten zu geben. „So haben wir auch später noch das eine oder andere Sitzungsloch gestopft“, lacht Georg.
Der Präsident versteht sich fast blind mit dem Kapellmeister
Ein Trugschluss ist es allerdings zu denken, dass er als Sitzungspräsident dem Kapellmeister vorgibt, wann die Zeit für den Tusch gekommen ist. „Unser Gerd Außem hat diesbezüglich freie Hand und ein gutes Gespür“, erklärt Georg. Und so spontan wie der Kapellmeister mit den Musikeinlagen ist, so spontan ist er als Sitzungspräsident mit seinen Zwischendurch-Verzällchen.
Doch auch er hat bereits Situationen erlebt, in denen ihm einfach die Worte fehlten – so wie zuletzt in diesem Jahr, als die Musikgruppe Brings mit ihrem „Kölschen Jung“ das Publikum elektrisierte. Hintergrund ist, dass Georgs Mutter vor drei Jahren gestorben war. „Sie hatte im Saal einen festen Platz, von dem aus sie mir mit ihren Augen sagen konnte, wenn etwas nicht in Ordnung schien“, berichtet er. Und ganz extrem habe er seine Mama vermisst, als Brings den „Kölschen Jung“ und speziell die Passage „sprech ödentlich“ sangen. „Da musste ich sogar weinen“, verrät er.
Doch er habe auch schon vor Freude geweint, als vor einigen Jahren zu seiner großen Überraschung der Kölner Karnevalist Hans Süper zusammen mit den Fidele Kölsche in den Festsaal einzog. In solchen Momenten kommt ihm natürlich auch seine Spontaneität zugute. Doch generell bereitet er sich immer noch auf jede Sitzung vor. Dazu gehört auch, Hintergrundwissen zu den Interpreten zu recherchieren. Doch trotz all seiner Erfahrung verspürt er bis heute noch vor jeder Sitzung ein Kribbeln und Zwicken im Bauch. „Dass nennt man Lampenfieber“, sagt Thomas Georg. Es komme garantiert und gehöre einfach dazu.


