Abo

Zwei Menschen starbenProzess um Unfalldrama in Hürth ist terminiert – viele Fragen noch offen

3 min
An der Unfallstelle an der Frechener Straße erinnerten Kerzen, Blumen und Botschaften an die beiden Unfallopfer.

An der Unfallstelle an der Frechener Straße erinnerten Kerzen, Blumen und Botschaften an die beiden Unfallopfer.

Ein junger BMW-Fahrer aus Hürth muss sich in Köln unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen verantworten.

Auf diese Nachricht haben Avins Eltern und die Angehörigen von Luis gewartet: Das Landgericht Köln hat den Prozess gegen einen jungen Mann terminiert, der Anfang Juni 2025 auf der Frechener Straße in Hürth mit seinem BMW eine Gruppe von Viertklässlern und deren Betreuer erfasst hatte. Die zehnjährige Avin und der Schulbegleiter Luis (25) starben.

Am 18. Mai muss sich der damals 20-jährige Fahrer aus Hürth unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in zwei und fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen verantworten. Nach Recherchen dieser Redaktion findet die Verhandlung unter Vorsitz von Dr. Wolfgang Schorn vor der 27. Großen Strafkammer statt.

Amtsgericht Brühl gab den Fall an das Landgericht Köln ab

Mit einer so baldigen Terminierung war nicht unbedingt zu rechnen. Erst Ende 2025 hatte das Jugendschöffengericht in Brühl das Verfahren an das Landgericht Köln weitergeleitet. Als Grund nannte Amtsgerichtsdirektorin Susann Ulbert-Maur den erheblichen Aktenumfang und die große Anzahl Zeugen, die im Prozess vernommen werden müssen. Im Oktober 2025 hatte das Gericht Anklage gegen den Hürther erhoben.

Der Unfall hatte Betroffenheit weit über Hürth hinaus ausgelöst. Für viele war es unbegreiflich, dass der mutmaßliche Unfallfahrer eine Gruppe mit mehr als 20 Kindern und deren Begleiter übersehen konnte – zumal diese gelbe Warnwesten trugen und das Wetter an dem Tag bestmögliche Sicht bot.

Mehrere Hundert Menschen hatten Ende Juni 2025 zum Gedenken an die Unfallopfer an einer Mahnwache teilgenommen.

Mehrere Hundert Menschen hatten Ende Juni 2025 zum Gedenken an die Unfallopfer an einer Mahnwache teilgenommen.

Erste Spekulationen, der 20-Jährige sei erheblich zu schnell gewesen und habe die rote Ampel und die Schüler wenige Meter dahinter deshalb zu spät gesehen, wurden durch einen Unfallsachverständigen widerlegt. Der BMW war lediglich mit einer Geschwindigkeit zwischen 54 und 57 km/h unterwegs. Erlaubt ist an dieser Stelle Tempo 50. Bleibt folglich die naheliegende Überlegung, dass der Fahrer abgelenkt worden ist – wodurch auch immer.

Möglicherweise hat das Handy des Angeklagten, das die Staatsanwaltschaft auswerten ließ, Aufschlüsse darüber gegeben. Ergebnisse sind nicht bekannt. Nach Recherchen dieser Redaktion hat sich der Hürther regelmäßig dabei gefilmt, wie er im Hürther Stadtgebiet Rennen gegen sich selbst und die Stoppuhr gefahren ist.

Antworten auf all diese Fragen erhoffen sich die Angehörigen der beiden Unfallopfer von der Gerichtsverhandlung – und nicht nur sie.

Familien trauern um ihre getöteten Kinder

Besondere Aufmerksamkeit hatte der Tod von Luis und Avin auch deshalb erlangt, nachdem bekannt geworden war, dass der Schulbegleiter und sogar das Mädchen ihre Organe gespendet hatten. So sagt der Vater der getöteten Schülerin, seine Tochter sei ein wahrhafter Engel gewesen und es sei ein wenig tröstlich, dass ihr Herz in der Brust eines sechsjährigen Kindes weiterschlage. Auch Familie Jochim spricht angesichts des großen sozialen Engagements ihres Sohnes in so jungen Jahren davon, dass das Schicksal der Welt einen bemerkenswerten und besonderen Menschen genommen habe. Um sein Andenken zu ehren, hat die Familie die Luis Paulo-Stiftung gegründet, ihre Projekte setzen sich für den Schutz und mehr Chancen von Kindern ein.

Zu guter Letzt hat der Unfall eine Debatte über die Verkehrssicherheit auf der Frechener Straße ausgelöst – bis hin zu einer Forderung von Tempo 30 auf der viel befahrenen und für die Entlastung des innerörtlichen Verkehrs wichtigen Straße. Kommen soll ein Tempolimit – das haben die Stadt Hürth und die zuständige Straßenbehörde Mitte Dezember angekündigt. Doch bis heute ist von Tempo 50 nichts zu sehen.

Eine Sprecherin der Stadtverwaltung Hürth sagte auf Nachfrage, die geplante Umprogrammierung zweier Ampeln für die zwei Knotenpunkte auf der Frechener Straße befinde sich noch in der Abstimmung mit dem beauftragten Planungsbüro. Zu einer Umsetzung der Schaltung könne derzeit keine Aussage getroffen werden.

Dass Autos dort künftig langsamer fahren müssen, habe nichts mit dem Unfall zu tun, sondern solle allein den Verkehr beruhigen, betonte im Dezember ein Experte der Straßenbehörde. Ursache für den Unfall sei „menschliches Versagen“ gewesen.