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StrukturwandelRooftop-Bar könnte Malzfabrik in Kerpen zum Besuchermagneten machen

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Vier Männer und eine Frau schauen sich in einem leeren Raum um.

Im Obergeschoss des Getreidespeichers könnte es eine Rooftop-Bar mit Blick über das entstehende Touristenzentrum am See geben.

Mehrere Akteure tauschten Ideen aus, wie die Landmarke künftig genutzt werden könnte. Denkbar wäre eine Rooftop-Bar im Obergeschoss.

Über eine schmale Treppe mit stählernem Geländer führt Hans-Wilhelm Hambloch als Projektberater und Liegenschaftsverwalter der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft nur Kleingruppen in den Turm. Wegen des Brandschutzes, sagt er. Viele Stufen führen unter das Dach des 37 Meter hohen Betonsilos der ehemaligen Malzfabrik Buir.

Kerpen: Aussicht auf den Hambacher Forst

Von der Decke ragen Zuleitungen in den Boden zum Befüllen der Getreidekammern. Durch das geöffnete Fenster genießen Ortsvorsteher Markus Frambach und die kleine Gruppe interessierter Leute die Aussicht und machen Aufnahmen mit dem Smartphone. Von dort oben schweift der Blick in die Ferne zum Tagebau Hambach mit der Sophienhöhe über den Hambacher Forst, links der einstige Ort Morschenich, heute Bürgewald genannt, rechter Hand Alt-Manheim.

Zu Füßen des Gebäudes fahren Züge auf der Linie Aachen-Köln, parallel dazu rollt der Verkehr auf der verlegten Trasse der Autobahn 4 hinter Lärmschutzwänden. Keine Frage, das weiß gestrichene Silobauwerk mit der blauen Aufschrift Malzfabrik Buir ist eine weithin sichtbare Landmarke, deren geschickte Nutzung im Strukturwandelprozess der Region hin zu einer touristischen Landschaft am künftigen See die Ortschaft Buir wirtschaftlich weiterbringen könnte, ist der Ortsvorsteher Frambach überzeugt.

Prominente Gäste sprechen über das Projekt

Die „Freund*innen der Malzfabrik“ mit der Buirer Landtagsabgeordneten Antje Grothus, der Architektin und Forscherin im Projekt MachMaWatt, Katja Schotte, Gerhard Kern von der Initiative Buirer für Buir und Hans-Wilhelm Hambloch hatten zu Veranstaltung „ANKUNFT.ZUKUNFT.MalzfabrikBuir“ eingeladen, um das Projekt weiterzubringen.

Für Redebeiträge auf Podium hatten sie als prominenten Gast die NRW-Ministerin Mona Neubaur gewinnen können sowie Boris Linden als Geschäftsführer der Neuland Hambach GmbH, Kerpens Bürgermeister Thomas Jurczyk und Professorin Isabel Finkenberger, Forscherin zu Stadtplanung und Transformation von der FH Aachen. Über 100 Gäste waren gekommen.

Zu sehen ist ein Getreidespeicher.

Eine Landmarke ist er längst, waren sich alle einig. Aber wie lässt sich der hoch aufragende Speicher der ehemaligen Malzfabrik mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Tonnen Getreide noch nutzen?

„Willkommen bei uns. Die Jungs haben die letzten Tage noch gekehrt“, freute sich der Hausherr Peter Josef Gormanns, der Geschäftsführende Vorstand der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft, beim Umgang mit Getreide falle viel Staub an. Einen Einblick in die Geschichte des seit den 1960er-Jahren genutzten Getreidesilos gab er den Gästen.

Für dieses Jahr noch halte die Agrargenossenschaft das Silo in Reserve, nach Verlegung der Lagermöglichkeiten auf größere Standorte solle das Gelände verkauft werden. Das natürlich im Interesse der Genossenschaft mit Gewinn, ließ er keinen Zweifel. Über eine weitere Nutzung würde er sich freuen.

Eine große Aufgabe, die nicht mit der Legislatur endet
Mona Neubaur, NRW-Ministerin

„Ich habe warme Gefühle, wieder einmal in Kerpen zu sein“, sagte Mona Neubaur, sie habe Buir bei Veranstaltungen kennengelernt, die noch nicht an eine gemeinsame Neugestaltung der Heimat hätten denken lassen. Darin sah die Ministerin „eine große Aufgabe, die nicht mit der Legislatur endet“. Generationen würden damit beschäftigt sein. Handlungsempfehlungen zur Umgestaltung des Rheinischen Reviers an die Landesregierung würden natürlich in ihre Arbeit eingebunden. 

Als prägnantes Eingangstor zur entstehenden touristischen Landschaft rund um den Tagebausee dachte Bürgermeister Thomas Jurczyk die künftige Funktion der Malzfabrik Buir, schon wegen der Lage an Eisenbahn und Autobahn. Der Rat habe die Unterstützung der Umnutzung des Getreidesilos schon beschlossen.

Die Stadtplaner Jörg Mackeprang und Heike Wunderlich stellten im Anschluss das Projekt Zwischenwelten vor, neben anderen Initiativen, die in Sichtweite des Turmes agieren. Da geht es um die Reaktivierung alter Wege im Zuge des Hambach Loops, der Bikerstrecke rund um den einstigen Tagebau.

Die Beteiligung vieler Menschen bei der Ideenfindung wertete Antje Grothus als Zeichen, die neue Nutzung voranzutreiben. Die Ideen reichten von der Einrichtung eines Kletterturmes, über die Nutzung des Obergeschosses als Rooftop-Bar bis hin zu Versammlungsräumen für Vereine und vielem mehr. Wer an der Entwicklung der Malzfabrik mitarbeiten möchte, ist eingeladen, sich per E-Mail zu melden.


Zur Geschichte der Malzfabrik

1875 wurde die Malzfabrik Buir errichtet, um zunächst anfallende Rüben-Melasse zu Alkohol weiterzuverarbeiten, die in der Zuckerfabrik Elsdorf anfiel. Zur Alkoholerzeugung aus Mais und Korn übernahmen sie wenig später neue Eigentümer, darunter 17 Landwirte unter dem Namen „Buirer Sprittfabrik AG“. Das erforderliche Malz als Verzuckerungsstoff brannten die neuen Eigentümer bald selbst.

Die Fabrik firmierte unter verschiedenen Namen wie „Buirer Brennerei vereinigter Landwirte eGmbH" später als „Kornbrennerei GmbH Buir“. Der Betrieb florierte durch eigene Erzeugung von Strom und Dampf, hinzu kam der betriebseigene Bahnanschluss. Die Buirer Brennerei zählte zu den größten Betrieben dieser Art im Gebiet der damaligen Reichsgrenzen bis zum Großfeuer am 7. Dezember 1939.

Nach notdürftigem Wiederaufbau im Zweiten Weltkriegs nutzten britische Besatzungskräfte die Brennerei zur Herstellung von Trinkbranntwein für ihre eigene Zwecke. Nach Gründung der EWG mit Öffnung der Grenzen für ausländische Alkoholimporte wurden die Geschäfte schlechter.

1985 ging die Ära „Buirer Brennerei“ zu Ende, das Gelände wurde verkauft. Das heutige 37 Meter hohe Silogebäude wird von der Buir Bliesheimer Agrargenossenschaft eG bis auf den heutigen Tag als Lagerstätte für bis zu 10.000 Tonnen Getreide genutzt.