Viele Menschen plagen sich derzeit mit Erkältungssymptomen. Jahreszeitlich typisch gibt es auch mehr echte Grippefälle.
GrippewelleMehr Fälle im Rhein-Erft-Kreis, aber Experten sehen keinen Grund zur Sorge

Ein Fieberthermometer zeigt eine Körpertemperatur von 40 Grad nach der Messung bei einem mit Influenza infizierten Kind an. (Symbolbild)
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Die aktuelle Grippewelle macht sich im Rhein-Erft-Kreis bemerkbar – in Krankenhäusern, Verwaltungen, Schulen und Betrieben. Dennoch geben sich Behörden und Einrichtungen gelassen: Die Lage sei insgesamt saisonal typisch und gut beherrschbar.
Das St. Katharinen-Hospital in Frechen bestätigt, dass sich die Anzahl der Influenza-Patienten merklich erhöht habe. Dieses Phänomen sei aber nicht außergewöhnlich und typisch für die Jahreszeit, teilt eine Sprecherin des Krankenhauses mit. Besonders betroffen seien ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, eine Isolationszeit von sieben Tagen sei bei den Patienten nötig.
Infektionswelle beschäftigt Pflegepersonal in Frechen
Wegen Krankheit würden zwar viele Mitarbeitende fehlen, aber der Betrieb könne ganz regulär fortgeführt werden, heißt es aus dem Hospital. Aber: „Die Hygienemaßnahmen bei Menschen mit Influenza-Infektion erfordern einen Mehraufwand zum zusätzlichen Arbeitsaufkommen, was zum Alltagsgeschäft der medizinischen und pflegerischen Kräfte gehört.“ Daher gelte die Anerkennung denen, die engagiert ihren Dienst täten und noch mehr als außerhalb der saisonalen Infektionswellen großen Einsatz für die Patienten zeigten.

Jörg Brotzki, einer der Geschäftsführer des Brühler Eisenwerks, beklagt noch keinen deutlich erhöhten Krankenstand in seinem Unternehmen.
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Auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens sind betroffen. Die Stadtverwaltung der Kreisstadt Bergheim verzeichnet einen leicht erhöhten Krankenstand. Ähnlich äußert sich Christoph Loebermann, Leiter der Gesamtschule Pulheim im Schulzentrum Braulweiler. Der Krankenstand sei zwar hoch, er bewege sich allerdings im üblichen Rahmen und sei nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit.
Gesundheitsamt sieht keinen besonderen Handlungsbedarf
Aus Sicht des Gesundheitsamts besteht kein Anlass zur Beunruhigung. „Die aktuelle Welle der meldepflichtigen Atemwegsinfektionen im Kreis verläuft auf einem jahreszeitbedingt üblichen Niveau“, erklärt Thomas Schweinsburg, Sprecher der Kreisverwaltung in Bergheim. Aus Sicht des Rhein-Erft-Kreises gebe es keinen besonderen Handlungsbedarf. Dies verdeutliche auch der Vorjahresvergleich bei den meldepflichtigen Krankheiten. So seien etwa bis zur Kalenderwoche 4 im Kreis 241 Influenza-Fälle gemeldet worden. 2025 seien es im gleichen Zeitraum 290 gewesen.
Gelassen blickt auch das Brühler Eisenwerk, einer der größten Arbeitgeber in der Region, auf die Situation. „Aktuell ist der Krankenstand für Januar auf normalem Niveau beziehungsweise leicht erhöht“, sagt Jörg Brotzki, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Die Produktion – im Eisenwerk sind die rund 1500 Mitarbeiter mit der Herstellung von Motorenblöcken für den Automobilbau beschäftigt – sichere man durch flexiblen Personaleinsatz. Wenn dies nicht ausreiche, greife man auf Kräfte externer Personaldienstleister zurück. Präventiv setzt das Unternehmen auf eine Impfkampagne. „Diesen Schutz bieten wir auch über unseren Betriebsarzt an“, betont Brotzki.
Die Grippe gehört zum Januar wie das schlechte Wetter
Eine ähnliche Einschätzung kommt aus den Arztpraxen. „Die Grippe gehört zum Januar wie das schlechte Wetter, jedes Jahr mit leichtem Wellenschlag“, sagt Dr. Matthias Schlochtermeier, Hausarzt in Hürth-Efferen und Vorsitzender des beratenden Fachausschusses Hausärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Die Hausarztpraxen seien jahreszeitlich üblich ausgelastet. „Wir können alles gut abarbeiten“, so der Facharzt für Allgemeinmedizin. Aus seiner Sicht ist nicht unbedingt die Zahl der Grippefälle selbst gestiegen, sondern vor allem die Zahl der nachgewiesenen Infektionen. Das hänge mit den neuen Dreifachtests zusammen, die neben Covid-19 auch Influenza erkennen und seit etwa zwei Jahren häufig verwendet würden.

Dr. Matthias Schlochtermeier, berichtet von einer jahreszeitlich typischen Entwicklung bei den Grippefällen.
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Im Unterschied zu einer Erkältung gehe die Grippe meist mit einem stärkeren Krankheitsgefühl und hohem Fieber über 38,5 Grad einher. Schlochtermeier rät Betroffenen, sich zu schonen und viel zu trinken. Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol könnten helfen, die Symptome zu lindern. Die Einnahme von Vitamin C und Zink habe möglicherweise einen Effekt, auch wenn die Studienlage dazu schwach sei. Eine Grippeschutzimpfung hält der Hausarzt zu diesem Zeitpunkt nur noch bei Risikopatienten für sinnvoll. „Der Impfschutz braucht mehr als acht Tage, um sicher aufgebaut zu werden, und da sind wir mutmaßlich bereits am Ende der Welle.“

