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Tödlicher Unfall bei WesselingVideos zeigen Ex-FC-Spieler bei rasanten Tempofahrten

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Das Bild zeigt einen ausgebrannten Kleinwagen auf der Autobahn.

Eine Mutter und ihre Tochter starben in dem Kleinwagen. Nach einem Unfall war der Wagen in Flammen aufgegangen.

Der Prozess nach dem tödlichen Unfall auf der A555 bei Wesseling gegen zwei ehemalige FC-Nachwuchsspieler wurde am Mittwoch fortgesetzt. 

Im Prozess um ein mutmaßliches Autorennen von zwei Ex-FC-Nachwuchsspielern auf der A555 bei Wesseling am 1. Dezember 2023, bei dem zwei unbeteiligte Frauen in ihrem Kleinwagen ums Leben kamen, haben Mitglieder einer inzwischen gelöschten Chatgruppe einen der beiden Angeklagten schwer belastet. Sein Verteidiger Hendrik Kaldewei sah sich im Anschluss der Befragung des Zeugen, der einen der damals 20-jährigen Männer nach dem Inferno abholte, zu einer Erklärung gezwungen: „Die Aussage war komplett unglaubwürdig. Die fast identische Wortwahl legt nahe, dass sich Zeugen abgestimmt haben, um meinen Mandanten zu belasten und den anderen Angeklagten zu schützen.“

Mehrere Videos von rasanten Tempo-Fahrten aus der ehemaligen Snapchat-Gruppe zeigen den Hauptzeugen im Wageninneren. „Bruder, bitte!“, ist seine warnende Stimme zu hören, als der Pilot auf 180 Stundenkilometer beschleunigt, während von rechts ein Mercedes überholt. „Jetzt wird gebrettert, 4000 Umdrehungen“, protzt derselbe Fahrer im Video. Die Insassen brechen dabei in Jubelgeschrei aus. Gefilmt haben soll das der Angeklagte, den die meisten Zeugen aus der ehemaligen Clique jetzt vor Gericht entlasteten. Kurz schwenkt die Kamera dabei auf das Gesicht des Zeugen. Seine Augen sind weit aufgerissen, der Mund ist geöffnet. „Die Videos zeigen doch, dass Sie Spaß an der hohen Geschwindigkeit hatten, Sie waren Teil der Gruppe“, hielt Anwalt Kaldewei dem Zeugen vor.

Mögliche Folgen des Fahrstils vor Augen geführt

Mehrfach will er dem Audi-Fahrer, der mit solcher Wucht auf den Polo der getöteten 49-Jährigen und ihrer 23-jährigen Tochter auffuhr, dass der Wagen in Flammen aufging, die möglichen Folgen seines Fahrstils vor Augen geführt haben. Dieser hörte aber nicht auf ihn, so dass der Zeuge nach eigenen Angaben an dem Freitag darauf verzichtete, sich von ihm zu einem Fußballspiel in Brühl mitnehmen zu lassen. Nach einem gemeinsamen Spanien-Urlaub des Freundeskreises will er endgültig die Nase voll gehabt haben vom Fahrstil des Gleichaltrigen. „Ich fühlte mich nie sicher, wenn ich mit ihm unterwegs war, ab Geschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern wird mir immer unwohl“, beteuerte er.

Bei dem anderen Angeklagten will er dagegen nur geringe Tempoverstöße bemerkt haben. Zu ihm, den er seit dem elften Lebensjahr kannte, sei er oft ins Auto gestiegen, denn der Freund durfte bereits im Alter von 17 Jahren aufgrund einer vom FC unterstützten Sondergenehmigung und nach einem psychologischen Test selbstständig ein Auto steuern, um Training und Schule unter einen Hut zu bringen.

Von dem, was in der Unfallnacht auf der A555 passierte, will der Zeuge Informationen von einer Polizistin und später aus dem Internet erhalten haben. Zu seiner Mutter soll er in derselben Nacht gesagt haben: „Ich hoffe, der V. hat keinen Quatsch gemacht.“ Dennoch stritt er jetzt vor Gericht vehement jeden Gedanken an ein illegales Autorennen ab. Der Prozess wird fortgesetzt.