Der Innenminister des Landes NRW, Herbert Reul, kam eigens zum Feuerwehrfest nach Ruppichteroth-Winterscheid.
Verabschiedung durch ReulIn Winterscheid endet die Ära des Feuerwehrarztes Dr. Herbert Broich

Feuerwehrarzt Dr. Herbert Broich (r.) erhielt vom Löschzug Winterscheid zum Abschied eine alte, große Spritze. Kreisbrandmeister Stefan Gandelau (l.) und Innenminister Herbert Reul (M.) applaudieren.
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Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter-Eudenbach machte ordentlich Stimmung beim Feuerwehrfest der Kameraden vom Löschzug Ruppichteroth-Winterscheid. Punkt 12 Uhr tauchten plötzlich Polizisten und Personenschützer auf, die Blicke richteten sich auf den kleinen Tross, der sich einen Weg zum Feuerwehrgerätehaus bahnte. Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, besuchte tatsächlich den Stammtisch der Feuerwehren und Vereine.
Der Anlass war ein besonderer:. Der Feuerwehrarzt Dr. Herbert Broich wurde in die Alters- und Ehren- sowie die Unterstützungsabteilung versetzt. Seine Nachfolgerin Dr. Judith Knoop ist bereits eingeführt. Seine Hausarztpraxis hat er an eine Nachfolgerin übergeben, nach 36 Jahren als klassischer Landarzt.

Rettungshubschrauber "Christoph 3" kam ebenfalls beim Feuerwehrfest Winterscheid für einen Besuch vorbei.
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Lang war die Liste der Gäste, die Bürgermeister Matthias Jedich abzuarbeiten hatte. Viel Prominenz aus Politik und lokaler Wirtschaft war gekommen, befreundete Feuerwehren, Technisches Hilfswerk (THW), Rettungsdienst und Vereinsvertreter. Seine Laudation wurde von einem besonderen Gast unterbrochen. Die Rotorengeräusche eines Hubschraubers dröhnten in die Halle, der Rettungshubschrauber „Christoph 3“ landete auf einer benachbarten Wiese.
„Wir haben uns etwas bewahrt, was nicht selbstverständlich ist“, sagte Jedich, „da wird in Winterscheid nicht erst gefragt, wer zuständig ist.“ Es werde einfach geholfen. „Das trifft insbesondere auf die Freiwillige Feuerwehr zu.“ Er hob die Haltung von Dr. Broich hervor: „Dir war es nie egal, was mit deinen Patienten war.“ Und so begrüßte er den prominenten Gast: „Herzlich willkommen in unserer besonderen Gemeinde.“
Da müsstest du versuchen hinzukommen. Menschen zu ehren, habe ich nicht jeden Tag.
Der Innenminister zeigte sich angetan. „Da müsstest du versuchen hinzukommen“, beschrieb er seine Gedanken nach der Einladung. „Menschen zu ehren habe ich nicht jeden Tag.“ Reul war gut vorbereitet und kannte Broichs Stationen: erst in Bonn Krankenpfleger, später Medizinstudium, Dienst im Krankenhaus Bornheim und 1990 dann als Landarzt nach Ruppichteroth-Winterscheid.
Drei Jahre später kam er als erster Fachberater zur Feuerwehr, der erste mit goldenen Knöpfen an der Uniform. Die beeindruckenden statistischen Daten hatte Reul ebenfalls parat: 95 Frauen und Männer haben im vergangenen Jahr 180 Einsätze gefahren. Dazu kommen noch 50 weitere der Notfallhelfer. Die Einheit hat Dr. Broich mit aufgebaut, eine in NRW einzigartige Gruppe, wie der Minister bescheinigte.
Die Anfahrtswege nach Winterscheid für den Rettungsdienst sind lang
2011 hatte es nach einem Unfall auf einem Kinderspielplatz eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis der Rettungsdienst eintraf. Die Anfahrtswege sind eben weit von den Rettungswachen in Hennef, Neunkirchen-Seelscheid und Eitorf. Es war die Initialzündung für die Notfallhelfergruppe, die im Jahr darauf an den Start ging und seither schon gut 500 Einsätze absolviert hat. Sie verkürzt durch qualifizierte Hilfe die Zeit, bis ein Rettungswagen, ein Notarzt eintreffen. Reanimationen, Hausgeburten, Sturzverletzungen – all das hat es schon gegeben.
Dr. Broich hat die Idee mit dem Team der ehrenamtlichen Feuerwehrleute schnell ans Laufen bekommen. Sie werden über die Feuer- und Rettungsleitstelle alarmiert, wenn sie gebraucht werden, sind im Schnitt in sechs bis sieben Minuten vor Ort. „Für die Schulungen war es saumäßig gut, dass ein Arzt dabei war“, betonte Reul. „Ihrer Menschlichkeit ist es zu verdanken, dass dieses System mit Leben gefüllt wird.“
Nach 33 Jahren ist Schluss mit dem Feuerwehrarzt Dr. Herbert Broich, seine Nachfolge hat er zuerst mit der Winterscheider Kinderärztin Dr. Judith Knoop geregelt. „Eine Ära geht zu Ende“, sprach der Minister ein dickes Lob aus. Lang anhaltender Beifall bewies, wie tief verwurzelt der Geehrte im Dorf ist. Kreisbrandmeister Stefan Gandelau ehrte ihn anschließend mit einer seltenen, hohen Auszeichnung, dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze des deutschen Feuerwehrverbandes, für seine herausragenden Leistungen.
