Die Löscheinheit Eudenbach der Freiwilligen Feuerwehr wirde zur Hygenie-Einheit. Es geht um den Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte.
Löscheinheit EudenbachFreiwillige Feuerwehr Königswinter baut eine Hygiene-Einheit auf

Übung am Feuerwehrgerätehaus in Eudenbach: Beim Ablegen der kontaminierten Kleidung an der Schwarz-Weiß-Grenze bekommt der Feuerwehrmann Unterstützung von seinen Kameraden.
Copyright: Ralf Klodt
Das Mitglied der Feuerwehr Eudenbach geht auf die Knie, klemmt seine Fingerspitzen unter den Knien ein und zieht dann seine Hände aus seinen Schutzhandschuhen. Eine Kameradin, geschützt in einem weißen Ganzkörperanzug, zieht dem Mann blaue Einmalhandschuhe an und legt ihm später eine FFP3-Maske an. So kommen seine Hände nicht in Kontakt mit möglichen Schadstoffen, die sich während des Einsatzes auf seiner Atemschutzausrüstung, dem Helm, der Jacke, der Hose oder den Stiefeln abgesetzt haben könnten. Und er atmet sie nicht ein.
„Schwarz-Weiß-Grenze“ steht auf einem Zettel, der an einen Pylon geklemmt ist. Der ist im Hof des Feuerwehrgerätehauses der Löscheinheit Eudenbach der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter neben dem Gerätewagen Logistik aufgestellt worden. Genau an dieser Grenze – zu erkennen durch schwarze und hellblaue Planen – legt das Mitglied der Löscheinheit an diesem Abend erst das Atemschutzgerät ab und zieht nach und nach die schwere Einsatzkleidung aus, die von der helfenden Kameradin direkt in einen blauen Müllsack geworfen wird.
„Brandrauch enthält viele Gase, die meisten davon sind giftig“
„Brandrauch enthält viele Gase, die meisten davon sind giftig“, hatte vor der praktischen Übung in einem Theorie-Teil Peter Meis gesagt, der stellvertretende Leiter der Löscheinheit. Die wird in diesen Wochen und Monaten zur Spezialeinheit auf- und ausgebaut, zu einer Hygiene-Einheit. Sie hat einen „Rollcontainer Hygiene“ an Bord eines ihrer Feuerwehrfahrzeuge. Dort können sich die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Königswinter – nachdem sie mit Unterstützung der Hygiene-Einheit aus Eudenbach ihre Schutzkleidung nach Einsätzen noch vor Ort abgelegt und sicher verpackt haben – Hände und Gesicht waschen beziehungsweise desinfizieren.
Auf dem Hygiene-Container sind mehrere weiße Wasserkanister angebracht, gelbe Behälter unter dem kleinen Waschbecken nehmen das gebrauchte Wasser auf. Bei sogenannten ABC-Einsätzen – das Kürzel steht für atomare (radioaktive), biologische und chemische Stoffe – sei eine Dekontamination von Mensch und Ausrüstung selbstverständlich heißt es, in einem Info-Heft der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, an dem sich auch die Eudenbacher Wehr orientiert.

Der Hygiene-Container der Löscheinheit Eudenbach.
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„Auch bei Einsätzen außerhalb des ABC-Bereiches besteht möglicherweise das Risiko einer Exposition gegenüber Gefahrstoffen, die ohne geeignete Schutzmaßnahmen akute oder chronische Gesundheitsschäden bis hin zu Krebserkrankungen verursachen können“, heißt es dort weiter.
Es ist die erste Übung der neuen Facheinheit Hygiene, die an diesem Abend einen „Dekon-Platz“ (von dekontaminieren) aufbaut und dabei von Löscheinheitsführer Jonny Kiwaczynski kritisch begleitet und kommentiert wird. So wurde zum Teil vergessen, die Taschen der abgelegten Jacken zu leeren, bevor alles in dem Müllsack landet und die Jacken gereinigt werden.
Das könne schon mal ein paar Tage dauern, sagte Jonny Kiwaczynski, weshalb das Ziel sei, dass jedes aktive Mitglied der Feuerwehrwehr Königswinter eine zweite Ausrüstung dabei haben sollte; bis dahin stehen Trainingsanzüge zur Verfügung. Auch soll zur Ausrüstung noch ein größeres Zelt kommen, das über der Schwarz-Weiß-Zone aufgestellt wird und das im Idealfall in der Mitte geteilt ist für Frauen und Männer, die sich dann abseits der Blicke von Schaulustigen umziehen könnten.
Gefährliche Schadstoffe könnten über die Haut, den Atem oder den Verdauungstrakt (durch Essen) aufgenommen werden, erklärte Peter Meis im Theorieteil. Das könne eine akute Folge haben oder Langzeitwirkungen bis hin zu Krebserkrankungen, macht er das Gefahrenpotenzial deutlich auch für die 33 Aktiven der Löscheinheit Eudenbach, zu der auch der rund 50 Männer und Frauen starke Musikzug gehört.

Die beim Einsatz kontaminierte Kleidung wird direkt in Müllsäcke verpackt.
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Die Trennung von Schwarz (Einsatzkleidung) und Weiß (Zivilkleidung) ist in den Gerätehäusern der Feuerwehren meist schon lange gelebte Praxis. Auch die Risiken durch einen „Gefahrstoffcocktail“, so Peter Meis, seien lang bekannte. Nicht umsonst trügen die Einsatzkräfte seit Jahren Atemschutz. Jetzt gehe es in einem weiteren Schritt darum, „die Kette (der möglichen Gefährdungen für die Feuerwehrleute) bis zum Ende zu denken“.
