Kenner Josef Schmahl hatte Bilder und Geschichten mitgebracht. Er zeichnete kindgerecht ein spannendes Bild des Wolfs.
Pirschen und bellenWolfskenner erklärt Kita-Kindern in Neunkirchen-Seelscheid den Wolf

Joseef Schmahl, Wolfskenner aus Hennef, erzählte den Kindern im Aktion-Kindergarten in Neunkirchen-Seelscheid viel über den Wolf, sie selbst mussten das Anpirschen ausprobieren.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Ganz leise und sachte krabbelten die Kinder des Aktion-Kindergartens in Neunkirchen-Seelscheid über den Boden des Bewegungsraums, schlängelten sich unter dem Tisch durch. Plötzlich ertönte ein lautes Bellen, der Schreck fuhr ihnen in die Glieder. Wolfskenner Josef Schmahl machte den Leitwolf vor. „Mit so einem Bellen gibt der Chef Befehle“, erklärte er seinen sich schnell wieder beruhigenden Zuhörerinnen und Zuhörern.
Schmahl war sogar schon in den USA zur Wolfsbeobachtung
Schmahl hat schon weite Wege auf sich genommen, um seinem Lieblingstier näher zu kommen. Im Yosemite-Nationalpark in den USA zum Beispiel hat er Polarwölfe beobachtet, in ganz Deutschland besuchte er Wolfsgebiete und dokumentierte Spuren. Regelmäßig ist er an der Kasselburg in der Nähe von Gerolstein im und am Wolfsgehege, bietet Wolfsnächte an.
Jetzt war er zu Gast im Aktion Kindergarten und gab einen faszinierenden Einblick in das Leben der in den vergangenen Jahren heftig diskutierten Tiere. Zahlreiche Bilder hatte er mitgebracht, auf dem Boden ausgelegt und an die Wand gehängt. Die Kinder waren aufmerksam und fragten nach, was zum Beispiel auf einer der fast schwarzen Aufnahme zu sehen sei: Das sind die Augen, sagte Schmahl, inzwischen Rentner und aktiver Hundetrainer, zu den beiden gelben Punkten.
Nur das Leitpaar wird Eltern, also der Chef und seine Frau.
„Im Mai werden weltweit die Welpen geboren“, berichtete er, ein guter Grund für den Termin seines Vortrags. Nach durchschnittlich 63 Tagen Tragezeit sind es in einem Wurf vier bis zehn kleine Wölflein. „Nur das Leitpaar wird Eltern, also der Chef und seine Frau“, schilderte Schmahl. „Das ganze Rudel kümmert sich um den Nachwuchs.“ Taub und blind kommen sie zur Welt, nach zwei bis drei Wochen erst beginnt das Hören.

Der Hennefer hatte ein Bild vom Polarwolf Noran dabei, der aufgerichtet größer ist als er.
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Ein spannendes Detail lieferte er: „Wenn Wölfe zum ersten Mal die Augen aufmachen, sind diese alle blau, aber nur eine Woche lang.“ Sein Publikum fragte er, was die denn wohl essen. „Fleisch“, riefen alle. Doch das kommt erst später. Grashüpfer, Frösche und Fliegen stehen zunächst auf dem Speiseplan. „Ich habe gesehen, wie sie Heuschrecken jagen“, berichtete er, zum Erstaunen der Jungen und Mädchen.
Anschaulich wurde es bei den ersten Lehrstunden. Sogenannte Nannies, wie der Wolfskenner sie bezeichnete, die Schwestern vor allem aus dem Vorjahreswurf, bringen ihnen das Anpirschen bei, wenn sie ein paar Monate alt sind. Viel müssten sie lernen, das habe er selbst gesehen. „Einmal hat ein Welpe von vielleicht acht Wochen eine Maus gefangen und sie im Maul gehabt. Was macht er damit?“
Die Kinder beobachteten fasziniert, wie Schmahl einen Wolf nachmachte
Schmahl drückte seine Zunge von innen gegen die Wange, um zu demonstrieren, wie der kleine Nager versuchte, einen Ausweg zu finden. Dem jungen Wolf wurde es irgendwann zu bunt, er spuckte die Maus aus. Die Nanny packte sie sich, nahm sie zwischen ihre 42 Zähne und biss zu. Dem Jungen, dem der Leckerbissen entgangen war, wird für alle Zukunft wissen, wie er was zu fressen bekommt.
Sie fressen aber nur den Kopf des Lachses, die Grizzlybären stehen am Ufer und freuen sich über den Rest.
Zwischen Grusel und Faszination lauschten die Kleinen, wie die Tiere dafür sorgen, dass der Nachwuchs genug Nahrung bekommt. „Die gehen zu McDonalds und bestellen Burger“, witzelte er. Aber das glaubte ihm niemand. „Der Leitwolf bestimmt, wer auf die Jagd geht, mal zwei, mal fünf Tiere.“ Sie springen bis zu anderthalb Meter hoch und können Vögel aus der Luft holen, sie können schwimmen und holen Fische aus dem Wasser. „Sie fressen aber nur den Kopf des Lachses, die Grizzlybären stehen am Ufer und freuen sich über den Rest.“
Bis zu 50 Kilometer laufen die Jäger in einer Nacht. Reißen sie etwa ein Reh, verschlingen sie das Fleisch und müssen dann schnell zurück zum Rudel, damit die Verdauung nicht einsetzt. Die Welpen lecken dann an den Lefzen und lösen einen Würgereflex aus. Bis zu sechs Kilogramm bringt ein Tier im Bauch mit. Die Großen verzichten schon mal aufs Essen, damit die Kleinen satt werden.
Dabei können sie bis zu zwei Wochen ohne Futter auskommen, die Alten sogar bis zu sechs Wochen. Mit großen Augen lauschten die Kindergartenkinder. Antonia zeigte auf ein Bild: „Was frisst der da?“, fragte sie. „Das ist ein Stück Ziege“, erhielt sie zur Antwort. Ein kollektives Lachen erntete er, als er von der „Wolfskacke“ erzählte. Damit werden die Grenzen des Wolfsreviers markiert, das wussten die Kinder auch noch nicht.
Immer wieder musste er Fragen beantworten, neugierig war sein Publikum bei der Sache. Wie in einer Familie, so beschrieb er das Rudel, seien die Rollen verteilt. Oma, Opa, Tante, Onkel, dazu kommen die Jäger und die Wächter, die das Revier bewachen. Bis zu 20 Geräusche können sie machen, vom Keckern übers Bellen zu Knurren, Heulen und sogar Lachen. Einiges machte Schmahl vor.

Das Anpirschen klappte so gut, dass Schmahl die Kinder in „sein“ Rudel aufgenommen hätte.
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Aufmerksam hörten sie zu, als er von seiner Begegnung mit dem rund 80 Kilogramm schweren Polarwolf Noran berichtete. Der testete ihn, sanft biss er mit seinen gut fünf Zentimeter langen Reißzähnen in die Unterlippe von Schmahl und zog ihn zur Seite. „Da hätte sich so mancher in die Hose gemacht, aber ich wollte mehr“, erinnerte er sich. Auf jeden Fall hatte er den Test bestanden. So wie anschließend die Kinder beim Anpirschen: „Euch nehme ich in mein Rudel auf“, stellte er fest und erntete stolze Blicke.
