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DamalsBergneustadt erinnert sich an den Besuch von Ministerpräsident Wolfgang Clement

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Zu sehen ist der Umzug zum 700. Stadtgeburtstag in Bergneustadt.

Prominenz im schönsten Wetter: Am Nachmittag des 12. Mai 2001 machen sich Bergneustadts Bürgermeister Karl-Siegfried Noss (r.), seine Frau Ingrid und Ministerpräsident Wolfgang Clement auf den Weg in die Altstadt. Fotografiert werden sie damals von OVZ-Redakteur Andreas Arnold. 

Vor 25 Jahren bummelte der Landesvater bei der 700-Jahr-Feier durch Bergneustadt. Am Donnerstag tut es ihm Nachfolger Hendrik Wüst gleich.

Als Ingrid Noss am Nachmittag des 12. Mai 2001 von einem Seminar der Evangelischen Kirche nach Wiedenest zurückkehrt, muss sie sich ziemlich sputen. Im Bergneustädter Zentrum ist die Feier zum 700. Stadtgeburtstag längst angelaufen. Und beim gleich beginnenden Umzug durch die Altstadt soll sie nicht nur ihren Mann, den Bürgermeister, begleiten. Auch Ministerpräsident Wolfgang Clement wird in der Feste erwartet.

Hendrik Wüst kommt zum Neustadttreffen nach Bergneustadt

Also schnell rein in das helle Trachtenkleid, das sich Ingrid Noss schon ein paar Tage zuvor rausgesucht hat, zusammen mit der beigefarbenen Weste und einem schwarzen Hut. „Und Pumps, die waren natürlich auch Pflicht“, erinnert sich Noss noch gut und lacht. In den Folgetagen werden die Reporter in ihren Berichten zur Neustädter 700-Jahr-Feier regelmäßig auf dieses Kleid zu sprechen kommen – der weiße Stoff strahlt mit der Sonne regelrecht um die Wette, als Karl-Siegfried und Ingrid Noss zusammen mit dem Landesvater durch die Altstadt bummeln.

„Ich habe Wolfgang Clement damals als einen angenehmen Menschen kennengelernt, der sich sehr für Bergneustadt interessiert hat. Wir hatten nie den Eindruck, für ihn sei der Besuch in der Stadt nur ein Pflichttermin“, blickt Ingrid Noss zurück. Am morgigen Himmelfahrtstag wird Hendrik Wüst in die Fußstapfen seines Vorvorvorvorvorgängers in der Staatskanzlei treten: Der NRW-Ministerpräsident besucht den 725. Bergneustädter Stadtgeburtstag und wird am Abend den Empfang der Neustädte Europas im Festzelt an der Bahnstraße verfolgen. Ob er zusammen mit Bürgermeister Matthias Thul durch die Altstadt spazieren wird (und dabei trockene Füße behält), ist noch nicht ganz klar. Sicher ist aber: An Gesprächsstoff in Sachen Stadtgeschichte dürfte es Thul dann nicht fehlen.

Ich habe Wolfgang Clement damals als einen angenehmen Menschen kennengelernt, der sich sehr für Bergneustadt interessiert hat. Wir hatten nie den Eindruck, für ihn sei der Besuch in der Stadt nur ein Pflichttermin.
Ingrid Noss erinnert sich noch gut an die Stippvisite von Wolfgang Clement im Mai 2001

Extra zum Stadtgeburtstag hat Marcus Dräger, Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Oberberg, nämlich noch einmal tief in die Neustädter Chronik geschaut und eine ganze Reihe von unterhaltsamen Anekdoten zusammengetragen. Kostprobe: Schon 100 Jahre nach der Ersterwähnung Wiedenests, also zum Ende des 13. Jahrhunderts, wurde die gesamte Umgebung von den bergischen Grafen an die Grafen von der Mark verpfändet, um Taler für die pompöse Hochzeit einer Tochter in die bergische Grafenkasse zu spülen.

Warum die Bergneustädter kein MK-Kennzeichen haben

„Der Stadtgründer, Graf Eberhard II., war also ein Märker und Neustadt eben über viele Jahrhunderte der südlichste Zipfel einer Grafschaft, die bis Hamm im nördlichen Ruhrgebiet reichte“, berichtet Dräger und merkt an: „Ausgelöst wurde Neustadt nie.“ Dass sich die Bergneustädter heute aber keine MK-Kennzeichen an ihre Fahrzeuge montieren, liegt an Graf Adam von Schwarzenberg, der es 1631 fertig brachte, das ganze Amt Neustadt aus der Grafschaft Mark zu lösen und eine neue Grafschaft mit dem Namen Gimborn-Neustadt vom Kaiser anerkennen zu lassen.

Die innere Organisation dieses fortan zwischen Berg und Mark gelegenen Ländchens dürfte übrigens auch heute noch ganz den Geschmack der Bergneustädter Bürgerschaft treffen: Neustadt war die einzige Stadt der Grafschaft, ausgestattet mit Gerichts- und Marktsitz und anderen Privilegien, während Gummersbach nicht über den Status einer sogenannten Bauerschaft hinauskam.

Warum aber ausgerechnet die Leibwache des Sultans lange auf den Grenzschildern zwischen Gimborn-Neustadt und Drolshagen zu sehen war und weshalb auch noch ein englischer Königssohn in der bergischen Geschichte mitmischte, wird an dieser Stelle nicht verraten – damit und vielen Facetten der Neustädter Geschichte beschäftigt sich Marcus Dräger in einem kurzweiligen Vortrag am Freitag um 14 Uhr im Krawinkelsaal.


Auftakt im Festzelt: Mit dem Einmarsch der Bergneustädter Kindergartenkinder ins Festzelt an der Bahnstraße beginnt am heutigen Mittwoch, 17 Uhr, der Stadtgeburtstag (Einlass ab 16 Uhr). Für 18.30 Uhr ist dort das Brunnengespräch angesetzt, bei dem Antje Schnellenbach und Helga Schmuck-Sterling die schmutzige Wäsche des letzten Jahres waschen. Im Anschluss verleiht Bürgermeister Matthias Thul den Stadtdukaten. Ab 19.30 Uhr spielt die zehnköpfige „Soulband“.