Sarg, Urne oder BegräbniswaldSo soll in Eitorf der Friedhof der Zukunft entstehen

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Man sieht einen Begräbniswald, auf dem Boden Blätter.

Lascheider Friedhof in Eitorf.

Wie sehen Friedhöfe in Zukunft aus? Es gibt eine Entwicklung hin zu kleineren oder gar keinen Gräbern mehr.

Im Leben ist nur eines sicher: der Tod. Mit ihm kommt die Frage nach der Bestattung – und da ist längst nicht mehr alles sicher. Sarg oder Urne, Familiengrab, anonyme Bestattung, Begräbniswald, wer pflegt? „Wir müssen uns über die Zukunft der Friedhöfe Gedanken machen“, sagt Dr. Martin Venne, Chef des Planungsbüros Planrat aus Kassel. Ihn hat die Gemeindeverwaltung beauftragt, einen Friedhofsentwicklungsplan zu entwerfen.

Warum ist ein solcher Entwicklungsplan nötig?

Auf den fünf kommunalen Eitorfer Friedhöfen gibt es viele Leerflächen, gut ein Fünftel wird schon heute nicht mehr genutzt. Die freien Flächen „sehen nicht nur schlecht aus, sondern machen saumäßig viel Arbeit“, sagt Venne. Sie müssen gemäht, getrimmt, gehegt werden, das verursacht erhebliche Kosten.

Welche Daten lagen zugrunde?

Venne untersuchte die Entwicklung der Sterbefälle in Eitorf von 2012 bis 2021: Die waren deutlich ansteigend, was hauptsächlich demografische Gründe habe, erläutert der Planer. 75 Prozent der hier Gestorbenen wählen ihre letzte Ruhestätte in Eitorf.

Wie lassen sich die Menschen bestatten?

Der Trend geht klar zur Feuerbestattung. 2021 machte sie bereits 73 Prozent aus. Damit sinkt der Flächenbedarf. Außerdem steige die Nachfrage nach pflegeleichten und pflegefreien Gräbern sowie dem Begräbniswald. Rasenreihengrabstätten sollen aus dem Programm genommen werden, auch das anonyme Reihengrab werde nur etwa fünfmal im Jahr nachgefragt.

Was kommt stattdessen?

In Lascheid ist der Begräbniswald voll, ein angrenzender Hain soll dazukommen. Statt Plaketten an die Bäume zu nageln, sollen Platten mit den Daten der Verstorbenen am Boden, entlang eines zu schaffenden geschwungenen Weges, verlegt werden. Als Alternative zu den Rasengräbern sollen pflegeleichte Gräber mit einem Pflanzstreifen angelegt werden, sie können auch Lücken füllen.

Was geschieht mit den nicht genutzten Flächen?

Beispiel Alzenbach: 2040 werden, so hat es das Planungsbüro berechnet, nur noch 33 Prozent der jetzigen Friedhofsfläche nötig sein. Nicht nur die großen Erweiterungsflächen werden dann nicht mehr gebraucht, auch andere Teile sollen stillgelegt und Bestattungen in Zukunft auf dem westlichen Teil komprimiert werden. Man werde auch das Angebot machen, einsam gelegene Gräber in den gut genutzten Teil zu verlegen. Ist dies nicht gewünscht, könne das Grab dennoch genutzt werden, verspricht Venne: „Wir werden Eheleute nie trennen!“

Ist geplant, Friedhöfe zu schließen?

Die Frage von Timo Utsch (FDP) im Ausschuss verneint Venne – und das, obwohl 75 Prozent der Eitorfer Bestattungen auf dem Lascheider Friedhof und im Begräbniswald stattfinden. Mit einer Schließung gewinne man nichts, „wir verlieren, denn wird der Friedhof im eigenen Ortsteil geschlossen, geht das ans Herz“. Nicht mehr genutzte Flächen könnten anderweitig, für Pflanzungen oder auch Imker, genutzt werden. Über die Unterhaltung einzelner Trauerhallen jedoch müsse man sprechen.

Wie wirken sich die Pläne auf die Bestattungskosten aus?

Das wird erst später Thema sein, wenn der Friedhofsentwicklungsplan nach der Abstimmung im Rat steht. Laut Venne hat Eitorf ein vielseitiges Angebot, das im Vergleich verhältnismäßig günstig ist. Die Urnendoppelkammer im Kolumbarium sei mit 2380 Euro je Nische sogar zu günstig, besonders im Vergleich zum Urnenwahlgrab, das bereits 1680 Euro koste.

Wie wurde der Antrag auf einen Memorial Cube mit 770 Urnenkammern auf dem Alten Friedhof aufgenommen?

Seitens der Fraktionen überwiegend positiv. Maria Miethke (CDU) nannte es „eine reizvolle Art der Bestattung, auch an diesem Ort“. Einen Dämpfer gab es: Der LVR als Denkmalbehörde sieht durch den modernen Würfel „eine erhebliche Beeinträchtigung“ des denkmalgeschützten Friedhofs, der ein Zeugnis einer abgeschlossenen Kulturperiode sei.

Auch Venne warnte: Sollte der außer Dienst gestellte Friedhof für Urnengräber wieder geöffnet werden, ziehe das Bestattungen von den anderen Friedhöfen ab und setze einen weiteren Posten auf die Rechnung der Unterhaltungskosten. Die Fraktionen waren sich einig: Der Cube soll in die Bedarfsplanung einbezogen werden. Bürgermeister Rainer Viehof will mit dem LVR einen Ortstermin vereinbaren.

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