Rund 15 Jahre nach der letzten Modernisierung des Siebengebirgsmuseums bringt Sigrid Lange Veränderungen ins Gespräch. Anlass ist ein Jubiläum.
100-jähriges BestehenDie Rheinromantik soll im Siebengebirgsmuseum Königswinter noch stärker in den Mittelpunkt rücken

Zwei Räume im Erdgeschoss des Museums würde dessen Leiterin Sigrid Lange gerne um- und neugestalten.
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Als Anfang September 2011 das gerade erweiterte und modernisierte Siebengebirgsmuseum in Königswinter wiedereröffnet wurde, da bekam es ausdrücklich den Zusatz „Museum der Rheinromantik“. Als „wahren Augenschmaus“ bezeichnete der damalige Bürgermeister Peter Wirtz die private „Sammlung Rheinromantik“, die seither regelmäßig verschiedene Werke für Wechselausstellungen zur Verfügung stellt.
Aber: „Die Rheinromantik hat viele Facetten“, betont Sigrid Lange, die seit 2018 das Museum in der Kellerstraße leitet. Auch in der Musik und der Literatur spiele die Rheinromantik eine Rolle. „Ich möchte die Besucherinnen und Besucher emotionaler ansprechen und das Museum noch stärker auf die Rheinromantik fokussieren“, sagt die Kunsthistorikerin im Gespräch mit dieser Zeitung.
15 Jahre nach Modernisierung wieder für Veränderung sorgen
Eine gute Gelegenheit, im Gebäude optisch und thematisch 15 Jahre nach der letzten Modernisierung wieder für Veränderungen zu sorgen, könnte das Jahr 2027 sein. Dann feiert das Museum sein 100-jähriges Bestehen. Am 27. Oktober 1927 wurde die Einrichtung eröffnet, damals zunächst im „Volkswohlgebäude“ dem heutigen Kunstforum Palastweiher.
Noch gibt es kein fertiges Konzept, das muss in Zusammenarbeit unter anderem mit einem Museumsgestalter noch konkret erarbeitet werden. Aber Sigrid Lange hat schon einige Vorstellungen. In den zwei Erdgeschossräumen, die seit 2011 in Gelb gehalten sind und die Museumsbesucher unter anderem über fest an der Wand montierte Vitrinen in die Themen Siebengebirgslandschaft, Malerei und Geologie einführen, bevor es in den Raum für die Wechselausstellungen geht, sollen künftig dauerhaft Werke aus der Sammlung Rheinromantik und aus den Beständen des Museums selbst gezeigt werden.

Käme in umgestalteten Räumen besser zur Geltung, sagt Sigrid Lange: „Die Godesburg von Westen“ von Johannes Jakob Diezler (1789–1855).
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Und sie will – beispielsweise durch Medienstationen – die Themen Musik und Literatur stärker zur Geltung kommen lassen. Für die Neugestaltung und Neukonzeption sei „eine komplette Renovierung, der Abbau von Einbauten, die Neuanschaffung eines modernen Beleuchtungssystems, der Verschluss von störenden Wandnischen und die Bereitstellung attraktiver medialer Vermittlungsangebote angedacht“, schreibt Sigrid Lange in ihrem Jahresbericht 2025. Den hat sie vor Kurzem dem Kulturausschuss vorgelegt.
Der dritte Raum im Erdgeschoss solle weiterhin für Wechselausstellungen genutzt werden. Zurzeit wird dort die sehenswerte Ausstellung über den Bildhauer Ernemann Sander gezeigt, der lange in Königswinter gelebt hat und der nicht nur in der Region viele Werke für den öffentlichen Raum geschaffen hat.
Die Kosten für die Auffrischung 15 Jahre nach der letzten Modernisierung schätzt die Museumsleiterin auf 80.000 bis 100.000 Euro. Sie hofft auf Zuschüsse des Landschaftsverbands Rheinland und der NRW-Stiftung, die aber noch in diesem Jahr beantragt werden müssten. Für 3,5 Millionen Euro war das Museum im Zuge der Regionale 2010 zuletzt neu gestaltet und unter anderem um ein Foyer erweitert worden.
Dauerausstellung funktioniert noch, aber Technik ist teilweise veraltet
Seither hat das Haus die vier Schwerpunkte Sammlung Rheinromantik, Rheintourismus, Geschichtslandschaft und Landschaftsnutzung. Die Dauerausstellung, betont Sigrid Lange, sei seinerzeit so gut konzipiert worden, dass sie auch heute noch funktioniert und aus ihrer Sicht nicht überarbeitet werden muss.
Allerdings funktioniert im Detail nicht alles. So mussten die Medienstationen abgebaut werden, weil sie inzwischen streikten. Computer, die 15 Jahre halten, sind bekanntlich selten. Und in Teilen der Dauerausstellung hängt ein Halogen-Beleuchtungssystem an der Decke, das völlig veraltet sei und für das kein passendes Leuchtmittel mehr auf dem Markt zu bekommen sei, schreibt die Museumsleiterin in ihrem Jahresbericht.

Der Barockbau Kellerstraße 16 ist bis heute Kern des Siebengebirgsmuseums, das mehrfach erweitert wurde, zuletzt mit dem Anbau links.
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Sozusagen der Grundstein für das Museum wurde 1925 im Zuge der sogenannten Rheinischen Jahrtausendfeier gelegt, für die sich in Königswinter ein Festausschuss gebildet hatte. Der ging erst in eine Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Heimat über, die sich am 12. Januar 1926 gründete mit der Idee, ein Heimatmuseum einzurichten.
Das passierte 1927 im Palastweiher. 1951 wurde aus der Arbeitsgemeinschaft der Heimatverein Siebengebirge, dessen Sammlung bis heute Grundstock des Museums ist und der schon 2026 sein 100-jähriges Bestehen feiern kann. Aus diesem Anlass soll es im Juni im Museum eine Ausstellung „Feste im Siebengebirge“ geben.
Nach 1934 versuchte die damalige Arbeitsgemeinschaft, das Haus Klotzstraße 11 zu kaufen, doch 1937 übernahm die Stadt die Trägerschaft und Eigentumsrechte am Gebäude, „was einer Gleichschaltung durch die nationalsozialistischen Machthaber gleichkam“, wie Sigrid Lange im Katalog „Lieblingsstücke“ über die Geschichte des Museums schreibt.
Der Barockbau – heute mit der Adresse Kellerstraße 16 – ist immer noch Kerngebäude des Museums, das im Laufe der Jahre viermal umgestaltet und erweitert wurde. So baute man 1993 zwei Nachbargebäude (Kellerstraße 18 und 20) für Museumszwecke um und verband sie mit dem Kerngebäude. Mit der bislang letzten Erweiterung 2010/2011 wurde die Ausstellungsfläche um 300 auf insgesamt 800 Quadratmeter vergrößert.
