Nach dem Angriff auf einen 14-jährigen in Königswinter ermittelt nach wie vor die Staatsanwaltschaft. Im Visier ist eine Gruppe Jugendlicher.
Tat gefilmtSo ist der Stand der Ermittlungen nach Angriff auf 14-Jährigen in Königswinter

Auf dem Bolzplatz in Thomasberg wurde der 14-Jährige überfallen.
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Im Fall des brutalen und demütigenden Angriffs einer Gruppe Jugendlicher auf einen 14-jährigen Schüler in Königswinter dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach wie vor an. Das erklärte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage dieser Zeitung. Die Gruppe hatte Videos des Überfalls gemacht und online geteilt. In der Stadtgesellschaft und in den Schulen hatte der Fall für viel Aufsehen gesorgt.
Wie Dr. Sebastian Buß, der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage mitteilte, richten sich die Ermittlungen nach wie vor gegen einen Heranwachsenden – der Verdächtige kommt aus Hessen – und mehrere Jugendliche aus Königswinter. Der Hauptvorwurf sei gefährliche Körperverletzung, es werde aber auch wegen Nötigung und Bedrohung sowie wegen des Verdachts der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“ ermittelt.
Jugendlicher wurde auf Sportplatz in Thomasberg geschlagen und gedemütigt
Laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe unter anderem bestraft, wer „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt (...)“. Gefährliche Körperverletzung kann nach Paragraf 224 Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.
Das 14-jährige Opfer soll im Januar auf dem Bolzplatz in Thomasberg von rund 13 Jugendlichen geschlagen, getreten und gedemütigt worden sein. Ein Video des Angriffs war über Instagram geteilt worden. Jugendcoach Simon Batta, der den Vorfall öffentlich gemacht hatte, schätzte seinerzeit, dass 60 bis 80 Prozent aller Jugendlichen im Siebengebirge das Video kennen würden.
Königswinters Bürgermeisterin verwies auf Schutz eines Minderjährigen
Batta hatte die Stadt und Bürgermeisterin Heike Jüngling kritisiert, weil sie mit dem Vorfall nicht offensiv an die Öffentlichkeit gegangen sei, um im Sinne der Prävention Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Bürgermeisterin hatte dagegen auf den besonderen Schutz hingewiesen, unter dem ein minderjähriger 14-Jähriger stehe. Und: Seine Familie habe keine mediale Aufmerksamkeit gewollt. In einer Erklärung auf Facebook zeigte sie sich „tief bestürzt und betroffen“ über die Gewalttat.
In Königswinter soll es unterdessen zu weiteren Taten der Gruppe gekommen sein, heißt es. Bonns Polizeisprecherin Daniela Lindemann erklärte aber auf Anfrage dieser Zeitung: „Nach dem derzeitigen Sachstand wurden bei der Bonner Polizei keine weiteren Gewaltdelikte angezeigt, die mit der gefährlichen Körperverletzung vom 23.01.2026 in Königswinter-Thomasberg und der Verbreitung des Gewaltvideos in Zusammenhang stehen.“
Im Bonner Präsidium ist das Kriminalkommissariat 14 spezialisiert auf die Bearbeitung von Jugendkriminalität und zuständig für die Ermittlungen zu Körperverletzungsdelikten. Auch im Falle eines Angriffs auf einen Jugendlichen in Königswinter in der Nacht zum 1. Mai in Heisterbacherrott gebe es nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen keinen Tatzusammenhang.
„Die drei jugendlichen Tatverdächtigen zu dieser Straftat konnten zeitnah ermittelt werden. Es gibt keine personellen Überschneidungen mit den Tatverdächtigen zu dem Delikt am 23.01.2026“, so Daniela Lindemann.
Heike Jünglings Äußerungen waren „nicht ehrenrührig“
Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling „mangels hinreichenden Tatverdachts“ eingestellt, wie Sebastian Buß ebenfalls auf Anfrage bestätigte. Jugendcoach Simon Batta und sein Berliner Kollege Carsten Stahl hatten die Bürgermeisterin angezeigt und ihr unter anderem Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung vorgeworfen.
Sie hatte Carsten Stahl auf ihrem Whatsapp-Kanal als „Laienschauspieler“ bezeichnet. Das aber sei, so die Bonner Staatsanwaltschaft, eine „Tatsachenbehauptung“. Ansonsten handele es sich bei Jünglings Äußerungen um „Werturteile“, die „nicht ehrenrührig“ seien.
Gewalprävention an Schulen ein bedrückendes Thema
Dass das Thema Gewalt in der Drachenfelsstadt auch die Schulen weiter beschäftigt, wird unter anderem in einem Elternbrief der Schulleitung des Gymnasiums am Oelberg zu einer Schulpflegschaftssitzung am 18. Mai deutlich. „Gewaltprävention bleibt nach wie vor ein bedrückendes Thema.“ Die Schule habe entsprechende Schutzprogramme erarbeitet, die immer wieder in das Bewusstsein verankert werden müssten.
„Mit größtem Bedauern hören wir von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schülern außerhalb der Schule. Auch innerhalb der Schule kommt es tendenziell zu verstärkten verbalen und handgreiflichen Auseinandersetzungen. Im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen reagieren wir, bei Bedarf gemeinsam mit der Gesamtschule, auf diese Vorfälle.“
