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Entwürfe für Mehrfamilienhäuser abgelehntWarum Lohmar beim Bau-Turbo zurückhaltend ist

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Baustelle: Hinter dem Weißen Haus will ein Investor ein Gebäude mit 15 Eigentumswohnungen errichten.

Lohmar Donrath Wohnungsbau

Der „Bau-Turbo“ ermöglicht es Kommunen, Bauprojekte schneller zuzulassen. (Archivfoto)

Wohnungsbau ja, aber nicht um jeden Preis: Der Stadtentwicklungsausschuss schickte zwei umstrittene Entwürfe zurück.

Es fehlt Wohnraum in Deutschland. Um das Bauen zu erleichtern, gibt es seit dem 30.10.2025 eine bundesweit gültige Sonderregelung, „Bau-Turbo“ genannt. Kommunen dürfen Wohnbauprojekte dadurch vereinfacht und schneller zulassen, obwohl sie nach altem Recht nicht genehmigungsfähig gewesen wären. Das Gesetz gilt vorerst bis Ende 2030.

Die Anwendung dieser neuen Regel liegt jedoch immer im Ermessen der Kommune. Man entscheide hier in jedem Einzelfall, betonte Kerstin Tillmann, Amtsleiterin der Stadtplanung, im jüngsten Lohmarer Stadtentwicklungsausschuss. „Wir haben nichts gegen den Bau-Turbo, es muss nur geschaut werden, wie man damit umgeht“, sagte auch Bürgermeister Matthias Schmitz. Die Regelung könne eine Chance sein, aber auch zu städtebaulichen Problemen führen. Man möchte vermeiden, dass Projekte realisiert werden, die sich nicht in ihre Umgebung einfügen, ist sich der Ausschuss einig.

Für Mehrfamilienhäuser in Lohmar-Ort müssen neue Entwürfe her

Zwei Entwürfe für Bauvorhaben, die in Lohmar-Ort geplant waren, hat der Stadtentwicklungsausschuss in derselben Sitzung abgelehnt. Es soll gebaut werden, aber dafür müssen neue Entwürfe her. Auch zahlreiche Anwohnende, die im Ausschuss erschienen waren und Stellungnahmen bei der Stadt eingereicht hatten, waren der Ansicht, dass die Bauvorhaben nicht in die jeweilige Umgebung passen würden. 

Es muss Wohnraum geschaffen werden, aber es muss sich wirklich einfügen.
Jörg Rettke, Anwohner im Korresgarten

Zuerst ging es um das Baugrundstück Auf der Hardt 4, wo zwei Mehrfamilienhäuer mit je fünf Wohneinheiten gebaut werden sollen. Die beiden freistehenden Häuser waren im Entwurf des Architekten mit zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss geplant. „Die Umgebung ist geprägt durch Einfamilienhäuser, die ein- bis anderthalbgeschossig sind“, sagte Eberhard Temme (CDU). Die Bauprojekte würden den Siedlungscharakter am Hügel massiv verändern, weswegen sich die CDU gegen den Vorschlag aussprach.

„Und je hochwertiger die Wohnungen sind, desto mehr Autos werden hier vermutlich auch sein“. Diese würden wohl vor allem in engen Straßen anstatt in Tiefgaragen stehen, vermutet Temme. Der CDU-Politiker sprach außerdem das Thema drückendes Grundwasser und abfließendes Wasser vom Hang an. „Wenn man hier dann zwei solche Baukörper plus Tiefgarage in den Boden setzt, ist der Verdrängungseffekt in die Nachbarschaft noch größer“. Generell wolle man die weitere Planung begleiten und freue sich über Investoren in Lohmar, „es muss aber passen“. 

Bedenken wegen Verkehr, Wasserabfluss und Ortsbild

Der stellvertretende Grünen-Vorsitzende Burkhard Bröhl stimmte den meisten von Temme genannten Punkten zu, unterstrich aber die Sinnhaftigkeit der im diskutierten Entwurf geplanten begrünten Flachdächer im Gegensatz zu Satteldächern in Bezug auf die Regenwasserbeseitigung bei enger Bebauung. Bei Satteldächern fließe Regenwasser direkt ab, wohingegen es bei Gründächern zurückgehalten und damit nicht zur Last von Nachbarn oder anderen Bürgern werde. In den letzten fünf Jahren sei man im Rat immer wieder bei Diskussionen zu diesem Thema gekommen, mit dem Ergebnis, dass Gründächer generell angestrebt werden sollten, sagte Bröhl.

Die Koalition aus CDU und SPD sei klar für Wohnungsbau, sagte der SPD-Vorsitzende Uwe Grote, „aber das was hier vorgeschlagen ist, es passt da nicht rein. Also bitte einmal nochmal neu.“ Auch die UWG sprach sich gegen den Vorschlag aus.

Können wir nicht etwas anderes bauen als diese Staffelbauten? Ich kann sie nicht mehr sehen.
Frank Trimborn (CDU)

„Eine Bebauung dieser Art würde meine Lebensqualität erheblich einschränken“, sagte der Anwohner Heribert Friedlingsdorf. Er wies bezüglich möglicher Verkehrsprobleme auch auf die Umgebung hin, die stark als Schulweg genutzt werden. 

Ähnliche Bedenken äußerte auch Jörg Rettke, Nachbar des Grundstücks Im Korresgarten 20, wo der Bauantrag die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit fünf Wohneinheiten vorsieht. „Ich finde, der Bauturbo ist hier nicht geeignet“. Die Straßen in der Umgebung seien eng, er sorge sich darum, dass im Ernstfall keine Rettungswagen durchkomme. Als Anwohner habe er großes Verständnis dafür, dass Wohnraum geschaffen werden muss, „aber es muss sich wirklich einfügen“. 

Auch im Korresgarten sollte nach vorliegendem Entwurf ein zweigeschossiges Gebäude mit Staffelgeschoss errichtet werden. „Die Architekten haben doch alle was auf dem Kasten - können wir nicht etwas anderes bauen als diese Staffelbauten? Ich kann sie nicht mehr sehen“, sagte Frank Trimborn (CDU). Daraufhin gab es einige zustimmende Lacher im Rat. „Ich würde mir mal wünschen, dass man sich ein bisschen mehr Gedanken macht, um in so einem Wohnquartier ein harmonisches Bild zu bekommen.“ Es soll also auch hier ein neuer Entwurf erstellt werden, waren sich die Parteien im Ausschuss einig.