Zeitplan für die Aufzüge ist hinfällig
In den Aufzügen im ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn ist scheinbar der Wurm drin: Der Zeitplan für die Wieder-Inbetriebnahme des Fahrstuhls zu Gleis 6 ist hinfällig. Damit verschiebt sich auch die Erneuerung des benachbarten Fahrstuhls zu den Gleisen 2 und 3, und zwar ins nächste Jahr. Das teilten die Stadtwerke Bonn (SWB) als Betreiberin der beiden Aufzüge am Freitagnachmittag auf Anfrage mit.
Personalengpässe bei der ausführenden Firma
Eigentlich war geplant, den neuen Aufzug zum ICE-Gleis 6 in Fahrtrichtung Frankfurt am kommenden Wochenende (23. Oktober) wieder in Betrieb zu nehmen. Vom 26. Oktober bis 3. Dezember sollte dann der wahlweise auch „Fahrstuhl des Grauens“ oder „Lahme Ente“ genannte Nachbar-Lift gemacht werden. Daraus wird aber nichts: „Aufgrund von Personalengpässen bei der ausführenden Firma verzögert sich die Inbetriebnahme des Aufzugs zu Gleis 6 leider“, teilte Sprecher Daniel Blatzheim mit
Neuer Termin im November, Erneuerung erst im nächsten Jahr
„Geplant ist nun, den neuen Aufzug am Freitag, 20. November, in Betrieb zu nehmen. Aus dem gleichen Grund kann die Erneuerung des Aufzugs zu den DB-Gleisen 2/3 nicht wie ursprünglich geplant am Montag, 26. Oktober, starten.“ Um Einschränkungen unter anderem im Weihnachtsgeschäft zu vermeiden, sei das zweite Modernisierungsprojekt auf „Anfang nächsten Jahres“ verschoben worden. Blatzheim: „Hierzu befinden wir uns aktuell in der terminlichen Abstimmung.“ Die erneute Verschiebung der Aufzugs-Erneuerung – ein früherer Versuch war an der Insolvenz eines beteiligten Unternehmens gescheitert – dürfte den einen oder anderen kalt erwischt haben.
Rolltreppen laufen wieder, Bahnen werden freigeprüft
Die Deutsche Bahn hat gerade erst in Form von ausgehängten Fahrgast-Informationen Antworten gegeben. Es gibt aber auch Positives aus dem Bahnhof zu melden: Inzwischen laufen beide Rolltreppen und auch die elektrische Schiebetür in Richtung Fußgängerzone tut wieder, was sie soll. Allerdings sorgten Dauerstaus und der witterungsbedingte Fahrgastzuwachs zu Verspätungen und Unregelmäßigkeiten. Laut SWB sind aktuell 18 der 60 (von insgesamt 75) im Juli aus dem Verkehr gezogenen Bahnen wieder „freigeprüft“. Sprecher Blatzheim: „Die weiteren Bahnen werden in den kommenden Wochen folgen.“
Steile Treppe statt Rampe an den Gleisen 2 und 3
Dagegen hat es der Bahnsteig der Gleise 2 und 3 in sich. Dorthin führt neben dem Aufzug keine Rampe, sondern nur eine steile Treppe. Wie sollen Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühlen, schwerem Gepäck oder E-Bikes den Höhenunterschied bewältigen?
Die Umwegfahrten der Bahn über Hennef und Troisdorf
Die jetzt wieder erst einmal wieder obsolet gewordene Antwort der Bahn: Sie wollte nicht Muskelmänner und -frauen als Treppenengel einsetzen, sondern die Reisenden auf Umwegfahrten schicken - entweder nach Hennef oder nach Troisdorf. Der Plan lautete: Wer mit dem ICE aus Richtung Frankfurt auf Gleis 3 ankommt, steigt dort aus, wechselt auf demselben Bahnsteig auf Gleis 2 in die S-Bahn in Richtung Hennef, steigt in Hennef wieder aus und fährt von dort zurück nach Siegburg. Dort kommt er dann auf Gleis 1 an, wo es einen funktionierenden Aufzug gibt. Wer in der U-Bahn-Ebene steht beziehungsweise sitzt und in Richtung Köln möchte, lässt den ICE auf Gleis 3 sausen und nimmt die S-Bahn auf Gleis 1. Und wer sich in der U-Bahn-Ebene befindet und nach Hennef möchte, fährt von Gleis 1 in Richtung Köln, steigt in Troisdorf aus und wechselt dort in den Regionalzug in die Gegenrichtung. In den frischen DB-Aushängen an dem fraglichen Aufzug an Gleis 2/3 stand neben dem Hinweis auf die Umwegfahrt auch zu lesen: „Alternativ können Sie sich an unser Servicepersonal auf diesem Bahnsteig in der Zeit von 8 bis 20 Uhr wenden.“
Was die Bahn zu Service und Information sagt
Ein Bahn-Sprecher auf Anfrage: „Unser Servicepersonal vor Ort informiert und berät die Reisenden, die auf dem Bahnsteig an Gleis 2 und 3 ankommen, zu möglichen Alternativen. Personen, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind, sollten für den betreffenden Zeitraum möglichst im Vorfeld einen Fahrgastwechsel an einer anderen, barrierefrei erreichbaren Station einplanen. Die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der DB berät Reisende mit Mobilitätseinschränkungen zu geeigneten Alternativen.“ Auf die Frage, wie Fernreisende von der Einschränkung erfahren sollen, sagt der Sprecher: „Für den absehbaren Ausfall des Aufzugs zu den Gleisen 2 und 3 arbeiten wir aktuell daran, den Hinweis kurzfristig in elektronischen Auskunftsmedien einzufügen.“ Die Arbeit kann sich die Bahn jetzt erst einmal sparen.

