Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben die Menschen mit genügend Fehlentscheidungen bei der Pandemiebekämpfung verunsichert und verärgert, enttäuscht und deprimiert. Hü, hott, raus, rein. Zuletzt die verkorkste Osterruhe-Entscheidung, die Angela Merkel zum Anlass für ihre Bitte um Verzeihung für die Verwirrung nahm. Die Spitzenpolitiker sind für eine Menge Chaos verantwortlich. Aber für die Schwächen eines Impfstoffs können sie nun wirklich nichts. Das liegt in der Verantwortung der Hersteller.
Hier können Politiker deren Chaos nur bestmöglich verwalten. Und das tun sie im Fall von Astrazeneca. Regierende haben in einem solchen Fall gar keine andere Wahl als Empfehlungen von Wissenschaftlern zu folgen.
Politik muss den Warnungen folgen und auf die Bremse treten
Wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) auf Fälle von Hirnvenenthrombosen verweist, müssen sie auf die Bremse treten. Auch wenn nur eine zweistellige Zahl von Patienten mit solchen Blutgerinseln unter mehreren Millionen mit diesem Vakzin Geimpften bekannt ist. Für jeden weiteren Betroffenen hätten sonst tatsächlich Politiker die Verantwortung. Denn nur sie können über den Umgang entscheiden.
Was die Bundesregierung und die Länder jetzt herstellen, ist richtig und wichtig: Transparenz. Sie machen die Schwachstellen für alle öffentlich. Jeder weiß damit, dass Probleme nicht vertuscht oder verheimlicht werden. Was jetzt noch fehlt: ein neuer Anlauf der Vertrauensbildung. So ein Mutprobe-Spruch wie vom bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder ist da in dieser Phase ziemlich daneben, wonach sich doch mit Astrazeneca impfen lassen solle, „wer will und wer sich“s traut“. Da winkt man gern ab.
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Mehr Mut macht es, wenn die Bundeskanzlerin voranstellt, dass sie auch diesen Impfstoff nähme. Aber Merkel ist auch 66 Jahre alt und gehört damit nicht zu der jetzt erfassten Risikogruppe.
Hin und Her beim Impfstoff
Ja, es ist verstörend, dass es erst hieß, Astrazeneca solle nur an Jüngere verimpft werden und dann treten bei einigen Menschen unter 60 Jahren schwerste Nebenwirkungen auf, und einige sterben. Also wurde verkündet, Astrazeneca sei besser für die Älteren. Ohnehin ist der Unmut über den schwedisch-britischen Konzern groß, der sich schon bei den Lieferungen als unzuverlässig erweisen hat. Aber die meisten Mediziner erklären, dass Astrazeneca ein guter Impfstoff sei und die Hirnvenenthrombosen sehr, sehr seltene Erscheinungen seien.
Es gibt so viele Medikamente, die wir trotz der markierten möglichen Nebenwirkungen nehmen, weil wir die eigentliche Gefahr bekämpfen wollen. Und so verhält es sich auch mit diesem Impfstoff. Für über 60-Jährige gibt es nun die Chance, mit Astrazeneca früher geimpft zu werden, als es die Priorisierung in der Impfkampagne vorsah. Die Gefahr, durch das ersehnte Vakzin schwer zu erkranken, liegt im Promillebereich. Die Gefahr, an Corona zu erkranken und schwerste Folgen davon zu tragen, ist dramatisch höher.


