Die CDU hat einen neuen Parteivorsitzenden – und in Umfragen gilt weiter der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef als aussichtsreichster Kanzlerkandidat der Unionsparteien. Es ist davon auszugehen, dass Söder nun einige zusätzliche Herzen aus der CDU zufliegen – aus dem enttäuschten Friedrich-Merz-Lager, zu dessen Versöhnung der unterlegene Kandidat bisher nichts beigetragen hat.Söders Reaktion allerdings ist zurückhaltend.
Der sonst der Eigeninszenierung nicht abgeneigte Bayer stellt sich nicht aufs Podest, er stellt sich daneben, Hand in Hand mit Laschet. Zwar hält sich Söder eine Kandidatur weiter offen. Aber das muss er schon formal tun, wenn die Entscheidung tatsächlich erst im März fallen soll, wie er und Laschet es planen.
Interessant an Söders Einlassungen sind andere Hinweise: Umfragewerte seien volatil und daher nicht das wesentliche Kriterium für die Kanzlerkandidatur, sagt er. Und auch von einer anderen Last befreit er den neuen CDU-Vorsitzenden: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März, die für die CDU nicht unbedingt positiv ausgehen dürften, werde für die K-Frage nicht ausschlaggebend sein. Bei einem neuen Trainer könne schließlich nicht das erste Spiel der Maßstab sein.
Es sieht also so aus, als würde Söder Laschet den Weg ebnen. Er hat – bei allem Kokettieren mit dem Einzug ins Kanzleramt - immer betont, sein Platz sei in Bayern. Vielleicht hat er das ernst gemeint, vielleicht ist er einfach ein kühler Rechner: Die Union muss damit rechnen, dass ohne Angela Merkel an der Spitze die Wählerzustimmung einbricht. Da sind die nächsten Landtagswahlen in Bayern eine deutlich erfolgversprechendere Sache.
Das Kanzlerkandidaten-Podest ist ein wackeliges. Es könnte für Söder ein Grund sein, Laschet den Vortritt zu lassen.
