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„In 30 Jahren nicht erlebt“NRW muss Abiprüfungen verschieben – Lehrer berichten über Chaos

Lesezeit 4 Minuten
Ein Klassenraum mit mehreren Schülerinnen und Schülern, im Vordergrund ein Schreibtisch mit einem Bogen, auf dem „Abitur 2023“ steht.

Abiturprüfungen: Der Downloadserver für die Aufgaben streikt am Dienstag.

Ein technischer Fehler sorgt dafür, dass in NRW am Mittwoch keine Abiklausuren geschrieben werden. Lehrer und Politik kritisieren das Bildungsministerium scharf.

Aufgrund einer Technikpanne an zahlreichen Schulen in Nordrhein-Westfalen müssen die für Mittwoch geplanten Abiturprüfungen auf den Freitag dieser Woche verschoben werden. Es war nicht möglich, die Prüfungsaufgaben für die Abiturklausuren am Mittwoch herunterzuladen. Dann sollte in den Fächern Biologie, Chemie, Physik, Technik, Informatik und Ernährungslehre das Zentralabi 2023 starten. 

Schul- und Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) erklärte dazu: „Die Störung und kurzfristige Verschiebung der Abiturklausuren ist außerordentlich ärgerlich. Die Abiturientinnen und Abiturienten haben sich intensiv auf ihre Prüfungen vorbereitet." Das Ministerium für Schule und Bildung werde die massive Störung gemeinsam mit dem zuständigen externen Dienstleister intensiv aufarbeiten und eine genaue Fehleranalyse erstellen" Die Prüfungen sollten an den Folgetagen störungsfrei durchgeführt werden können.

Verschobene Abiprüfungen: Lehrer berichten über Probleme beim Download von Klausuren

Luca Winter ist Lehrer für die Fächer Mathematik, Philosophie und Informatik am Bodelschwingh-Gymnasium in Windeck-Herchen. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erläutert er, wie es eigentlich hätte ablaufen sollen.

Alles zum Thema Jochen Ott

Die Lehrkräfte bekommen am Vortag der Prüfungen Aufgaben vorgelegt, aus denen sie in einem protokollarischen Verfahren auswählen sollen, was sie den Schülerinnen und Schülern vorlegen. Noch um 14.10 Uhr sollte das Material zum Herunterladen bereitstehen, sagt Winter – auch das habe nicht geklappt. 

Stattdessen habe man den Hinweis erhalten, im Störungsfall auf keinen Fall die Hotline des Ministeriums zu kontaktieren. Gerade als Informatik-Lehrer habe er zeitweise an einen Scherz von Informatik-Schülern geglaubt. Eine für 18 Uhr angekündigte Information gab es seitens des NRW-Bildungsministeriums offenbar ebenfalls nicht.

Laut Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ konnten erste Schulen die Klausuren gegen 20 Uhr herunterladen, überall möglich war es offenbar weiterhin nicht. Kurz darauf erfolgte die Absage für Mittwoch und die Bekanntgabe des neuen Termins am Freitag.

SPD-Bildungsexperte Ott kritisiert mangelnde Kommunikation der Landesregierung

Jochen Ott, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, kritisiert die mangelnde Kommunikation der Landesregierung. Die Lehrerzimmer erreichten keine tragfähige Information, und das gelte natürlich auch für die Schüler, die mit großer Unsicherheit die Entwicklung verfolgten.

Dass es zu diesem technischen Problem kam, sei „schlicht Mist“, so Ott. Nun müsse geklärt werden, worin die Ursache zu suchen sei – ob also ein Hack für den Ausfall verantwortlich ist, oder aber eine neue Sicherheitssperre, die in diesem Jahr eingebaut wurde. Schulleitern zufolge ist dies die einzige Veränderung gegenüber den Vorjahren seit 2007.

Abiturprüfungen verschoben: Klausuren in NRW können nicht heruntergeladen werden – Schüler nervös

All das habe natürlich einen ernsten Hintergrund, betont Lehrer Luca Winter, schließlich hätten sich die Abiturienten und Abiturientinnen intensiv auf die Prüfung vorbereitet, auch litten viele unter einer erheblichen Nervosität. Es sei überaus schädlich, wenn die normalen Abläufe gestört würden.

Laut einer Mail an die Schulen in Nordrhein-Westfalen soll der neue Download nun am Donnerstag möglich sein, um dann die Prüfung am Freitag, 21. April, abzuhalten. Er „bedauere in höchstem Maße die Umstände und die damit verbundene zusätzliche Arbeit in den Schulen“, schreibt Staatssekretär Ulrich Mauer in dieser Mitteilung.

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Auch Sabine Mistler, Vorsitzende des NRW-Philologenverbands, berichtete am Dienstag von Problemen, über die zahlreiche Schulen klagten. Besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern sei ein zeitnaher Download der Klausuren wichtig, denn in nicht wenigen Fällen müsse eine Versuchsanordnung aufgebaut und vorbereitet werden, so Mistler. Außerdem müssten die richtigen Themenfelder ausgewählt werden.

Abiprüfungen in Gefahr? Lehrkräfte beklagen fehlende Kommunikation aus dem Schulministerium

Schulen in NRW laden die Aufgaben nach dem üblichen Verfahren am Vortag der Prüfung von einem Server des Landes herunter. Das Schulministerium stellt die Aufgaben zentral zur Verfügung, der Download sollte üblicherweise bereits zur Mittagszeit abgeschlossen sein.

Lehrkräfte an nordrhein-westfälischen Schulen klagten darüber, dass die Servicetelefone des Schulministeriums überlastet seien. Bis spät in den Abend saßen Bildungsministerin Dorothee Feller und weitere Verantwortliche zusammen, um das Problem zu lösen. 

Werden die Prüfungen geschrieben? Lehrer: „Es sieht düster aus“

Eine Lehrerin an einem Gymnasium sagte noch am frühen Abend dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass sie auf dem Weg in eine Besprechung zur Lage sei. Es entscheide sich in Kürze, ob die Prüfungen geschrieben werden könnten. Ein Kollege an einer anderen Schule berichtete, dass die Downloads der Übungen nach wie vor nicht möglich seien und es „düster aussehe“.

Ein erfahrener Oberstufenkoordinator an einem Gymnasium in NRW sagte: „Sowas habe ich in 30 Jahren hier auch noch nicht erlebt“. 


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