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„Wir sind immer noch schockiert“Kölner Hauptschule soll geschlossen werden – Schüler-Demo vor Rathaus

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Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte demonstrien vor dem Rathaus.

Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte demonstrien vor dem Rathaus.

200 Eltern, Schülern und Lehrer protestieren vor dem Rathaus gegen die von der Stadt beabsichtigte Schließung der Hauptschule am Rhein.

Ärger und Entsetzen. So kann man auch einige Tage, nachdem die Stadt das Aus für die Katholische Hauptschule am Rhein angekündigt hatte, die Gefühlslage bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften beschreiben. Mit einer Kundgebung vor dem Rathaus wollten sich etwa 200 Betroffene vor der Sitzung des Schulausschusses Gehör verschaffen und die Schließung der Hauptschule an der Ecke Dagobertstraße/ Niederichstraße verhindern. „Wir sind immer noch schockiert“, sagt  Schulleiterin Marika Prandl-May. „Nun versuchen wir alles, um die Schließung doch noch zu verhindern.“

Nachdem ein Investor den Mietpreis für den anvisierten neuen Standort am Gladbacher Wall für das Gymnasium Neustadt-Nord, das derzeit im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring untergebracht ist, deutlich erhöhen wollte, hatte die Kommune die Gespräche abgebrochen. „Wir haben bis zum Schluss verhandelt, aber die Wirtschaftlichkeit war nicht gegeben“, sagte Schuldezernent Robert Voigtsberger im Schulausschuss am Montag. Neusten Plänen der Verwaltung zufolge soll das Gymnasium nun zwei Jahre länger am Ubierring verbleiben und anschließend zunächst an den Standort des Abendgymnasiums an der Gereonsmühlengasse und später auch an den Standort der Hauptschule ziehen. Die Hauptschule soll letztlich 2031 schließen.

"Wir wollen bleiben"

Mit Plakaten und Bannern wie „Wir wollen bleiben“, „Hauptschulen stärken statt schließen“ und „Wer Hauptschulen schließt, schließt Chancen“ protestierten die Schüler, Eltern und Lehrer gegen die Pläne der Stadt. „Wir sind traurig und frustriert“, sagt Schülersprecherin Carolina Dill (16). Die Schüler verstünden nicht, wieso ihre Schule schließen soll. Schließlich handele es sich um eine der ältesten Hauptschulen Kölns. Die zweite Schülersprecherin Celine Pieper kritisierte, dass die Hauptschule bereits 2020 schon einmal einem Gymnasium Platz machen musste. Damals war das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in die Räume der Hauptschule an der Blücherstraße eingezogen.

Lehrer Ruben Klöckner sieht seine Hauptschule am Rhein als wichtigen Baustein des Bildungssystem in der Kölner Innenstadt. Weil die Klassen klein seien und sich meist mehr als eine Lehrkraft um die Kinder und Jugendlichen kümmerten, könnten die Schülerinnen und Schüler individueller gefördert werden. Eine andere Lehrerin machte darauf aufmerksam, dass die Schule erst kürzlich als Startchancenschule vom Bund benannt worden war, die sich besonders um sozial benachteiligte Schüler kümmert.

Man muss nicht alles abreißen, was es gibt
Jürgen Becker, Kabarettist

Kabarettist Jürgen Becker unterstützt das Anliegen der Demonstrierenden. „Man muss nicht alles abreißen, was es gibt“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Und ich glaube nicht, dass es gut ist, Schulen gegeneinander auszuspielen“, so Becker, der bereits einige Auftritte in der Hauptschule absolviert hat. Kristin Heller, Schulpflegschaftsvorsitzende des Gymnasiums Neustadt-Nord, betonte, dass sich das Gymnasium Neustadt-Nord mit der Hauptschule solidarisiere. Heller kritisierte auch an den Plänen der Stadt, dass das Gymnasium an zwei Standorten untergebracht werden soll, da die Pendelwege für die Lehrkräfte zu weit seien.  Besser sei es, wenn die Schule weniger Kinder und Jugendliche aufnehmen würde und dafür nur am Standort Gereonsmühlengasse untergebracht würde.

Ich werde Stand jetzt keine Schule mit zwei Antworten beschließen. Damit haben wir schlechte Erfahrungen gemacht
Stefanie Ruffen, FDP

Die Schulpolitiker diskutierten das Thema in der Sitzung am Montag, eine Abstimmung wurde aber wegen Beratungsbedarf verschoben. Die könnte nun am 4. Februar in einer Sondersitzung stattfinden. „Ich werde Stand jetzt keine Schule mit zwei Antworten beschließen. Damit haben wir schlechte Erfahrungen gemacht“, sagte Stefanie Ruffen (FDP). Constanze Aengevoort (CDU) wollte wissen, ob man den Investor nicht dazu zwingen könne, die verabredeten Absprachen zu erfüllen. Eva Caspers (Linke) schlug vor, die Kinder in einer neuzugründenen Gesamtschule im Rechtsrheinischen aufzunehmen. Oliver Seeck (SPD) hatte kürzlich vorgeschlagen, die Hauptschule in eine Gesamtschule umzuwandeln. Die Grünen äußerten sich abwartend. Ausschussvorsitzender Helge Schlieben (CDU) brachte in die Diskussion, die Abstimmung erst in einigen Monaten durchzuführen, um weitere Zeit für die Diskussion zu haben. Wie die Politiker letztlich votieren werden, war nach der Sitzung noch nicht absehbar.

Das ist eine Jahrhundertaufgabe, für die wir kein Jahrhundert Zeit haben
Robert Voigtsberg, Schuldezernent Köln

Schuldezernent Voigtsberger sagte, dass der Bedarf an Plätzen an Gymnasien in Köln enorm sei. Dies zeige zum einen eine Elternbefragung der Stadt, zum anderen müssten mehr Plätze vorgehalten werde, da im kommenden Schuljahr durch die Umstellung auf G9 mehr Schüler an den Gymnasien unterrichtet werden müssten. „Das ist eine Jahrhundertaufgabe, für die wir kein Jahrhundert Zeit haben.“ Zudem habe das Land untersagt, weitere Mehrklassen an Schulen zu bilden, was für die Stadt eine enorme Herausforderung sei.

Zudem würden die Eltern kaum Plätze an Hauptschulen nachfragen. „Das hat in keinster Weise mit der sehr guten Arbeit an der Hauptschule zu tun“, so Voigtsberger. Voigtsberger machte deutlich, dass das Gymnasium auch mit drei statt vier Zügen nicht am Standort Gereonsmühlengasse untergebracht werden könne. „Man bräuchte immer noch einen weiteren Standort, der weite Teile der Oberstufe aufnimmt.“