Klubs gingen erfolgreich gegen Fifa vorWas dem 1. FC Köln jetzt Hoffnung macht

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FC-Geschäftsführer Christian Keller und Trainer Steffen Baumgart

FC-Geschäftsführer Christian Keller und Trainer Steffen Baumgart

Der 1. FC Köln soll zwei Transferperioden aussetzen. Was bringt eine Berufung? Es gibt Beispiele, die Hoffnung machen.

Der Fall des U19-Spielers Jaka Cuber Potocnik wiegt schwer am Geißbockheim: Der 1. FC Köln ist am Mittwoch von der Fifa zu einer Transfersperre verurteilt worden. Demnach darf der FC in den kommenden beiden Wechselperioden keine Spieler verpflichten.

Dagegen will der Klub vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Berufung gehen. Das kündigte der FC noch am gleichen Abend an und bekräftigte seine Position am Donnerstag mit klaren Worten durch Geschäftsführer Christian Keller.

Wie nun die Aussichten auf einen Erfolg stehen, ist noch schwer zu sagen und wird letztlich von der Beweislage abhängen. Keller betonte, dass der Vorgang aus Sicht des 1. FC Köln „glücklicherweise schriftlich belegt“ sei. Doch auch die Gegenseite legte am Donnerstag nach und erklärte sich mit dem Fifa-Urteil ebenso nicht einverstanden.

1. FC Köln erhofft sich neue Einschätzung der Verhältnismäßigkeit

Ein Blick auf einen Fall in der englischen Premier League, lässt zumindest darauf hoffen, dass die Kölner nicht die volle Strafe erdulden müssen. Im Februar 2019 war es der FC Chelsea, der mit einem ganz ähnlichen Strafmaß von der Fifa belegt wurde.

Der Londoner Top-Klub sollte sich laut eines Urteils ebenfalls für zwei Transfer-Perioden nicht mit neuen Spielern verstärken dürfen, weil laut Fifa bei Transfers von minderjährigen Spielern in mehreren Fällen gegen die Regeln des Fußball-Weltverbands verstoßen worden sein. Zudem sollte Chelsea eine Geldstrafe über 530.000 Euro zahlen.

Der Fall war zwar inhaltlich anders gelagert als nun in Köln, doch das Strafmaß wurde im Berufungsprozess durch den CAS auf eine Transferperiode reduziert. Die Strafe hatte der Premier-League-Klub auch verbüßt, die Geldstrafe wurde zudem um die Hälfte reduziert. Das mildere Urteil begründete der Internationale Sportgerichtshof damit, dass der FC Chelsea nur in etwa einem Drittel der von der Fifa beanstandeten Fälle gegen Transferregeln verstoßen hätte.

In einer solchen Überprüfung erhofft sich auch der 1. FC Köln, dass seine Strafe ebenfalls als nicht verhältnismäßig eingestuft wird. „Der CAS legt die Regeln der Fifa aus und bewertet das ganze anhand dieser neu“, erklärt etwa Sportrechtler Paul Lambertz: „Da geht es auch um Verhältnismäßigkeit. Es macht einen Unterschied, ob ein Verein so etwas regelmäßig macht und vielleicht auch schon in anderer Art gegen die Regeln verstoßen hat.“ Aufgabe der Kölner Anwälte werde es nun sein, „diese Zweifel zu sähen“.

Ob das reichen wird, damit die Kölner einem sportlichen Tiefschlag noch entgehen, bleibt abzuwarten. Auch eine Periode ohne Transferaktivitäten würde den FC bitter treffen. Möglicherweise könnte der 1. FC Köln aber das Urteil aufschieben, auf eine Transferphase reduzieren und die Strafe dann im Winter hinnehmen. Dies könnte ein verkraftbares Szenario sein.

FC Chelsea griff die Fifa nach CAS-Urteil damals scharf an

Chelsea hatte in einer Stellungnahme nach dem CAS-Urteil damals die Fifa scharf angegriffen. „Der Ansatz der Fifa in diesem Fall war zutiefst unbefriedigend“, hieß es: „Nicht zuletzt, weil die Fifa Chelsea aus Gründen, die für den Klub absolut sinnlos scheinen, ganz anders als Manchester City behandelt wird.“ Worte des Entsetzens, die an jene von Christian Keller erinnern. Der englische Meister war von der Fifa in einem ähnlichen Fall mit einer Geldstrafe in Höhe von etwa 370 000 Euro deutlich milder davon gekommen.

Clubs erreichten meistens Reduzierung der Strafe 

International hat die Fifa in den vergangenen Jahren unterdessen immer wieder Transfersperren gegen Clubs verhängt. Auch der FC Barcelona und Real Madrid wurde mit Strafen belegt, in fast allen Fällen haben die Clubs aber eine Reduzierung erreicht. Transfersperren, die auch den gesamten Profibereich betreffen, wurden nicht erwirkt.

Aktuell bemüht sich auch Olympique Marseille um die Berufung gegen eine Sperre wegen der Modalitäten bei der Verpflichtung des Spielers Pape Gueye. (oke)

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