FC nach dem 23. SpieltagKölner Schicksalswochen im Abstiegskampf

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Timo Schultz hat mit dem FC zwar zuletzt ordentlich gepunktet, doch angesichts des Rückstands müssen mehr Siege her.

Timo Schultz hat mit dem FC zwar zuletzt ordentlich gepunktet, doch angesichts des Rückstands müssen mehr Siege her.

Der 1. FC Köln muss bis zur Länderspielpause in Reichweite der Konkurrenz bleiben, um in den direkten Duellen zumindest die Relegation zu sichern. 

Das Wochenende hatte mit der Mainzer Niederlage in Leverkusen gut begonnen für den 1. FC Köln. Doch schon am Samstag trübte sich die Stimmung ein. Zwar schaffte der FC in Stuttgart ein achtbares 1:1, in dem viel Gutes steckte. Zum zweiten Mal etwa hatte die Kölner Defensive um den erstaunlichen Jeff Chabot Stuttgarts Serhou Guirassy aus dem Spiel gehalten und den Stürmer damit erfolgreich daran gehindert, sein Torekonto weiter aufzustocken. Nur noch Frankfurt, Leverkusen und der FC Bayern sind im Rennen, es den Kölnern in dieser Saison gleichzutun.

Und obgleich Marvin Schwäbe eine überragende Parade liefern musste, um das Unentschieden zu retten, hatte Faride Alidou in der Schlussphase die Gelegenheit auf das 2:1, das exakt den Überraschungssieg geliefert hätte, den eine Mannschaft im Abstiegskampf braucht. So blieb es beim 1:1, dessen Wert jedoch durch die weiteren Resultate des Spieltags mehr und mehr geschmälert wurde.

Nach den Eindrücken der Vorwoche hatte Borussia Mönchengladbach scheinbar perfekt ins Klischee eines Teams gepasst, das eigentlich zu stark besetzt ist, um in Abstiegsnot zu geraten – und genau deshalb erst die Gefahr bemerkt, wenn es zu spät ist. „Ich würde das Thema gar nicht so groß machen“, hatte Kapitän Julian Weigl nach der Niederlage in Leipzig trotz nur eines Sieges aus den vergangenen neun Spielen gesagt. Eine Konstellation wie gemacht, um doch noch in den Sog der Abstiegszone zu geraten.

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Das Dünne an der Geschichte war allerdings: Am Samstag schlug Mönchengladbach den VfL Bochum 5:2. Jene Bochumer übrigens, die sich in der Woche zuvor mit einem Sensationssieg über die Bayern vorerst aus dem Kreis der Mannschaften verabschiedet hatten, die für Köln als Konkurrenz im Abstiegskampf hätten gelten können. Weil auch Union Berlin (2:2 gegen Heidenheim) und der VfL Wolfsburg (2:2 in Frankfurt) nicht bereit waren, ihre Spiele zu verlieren, lagen am Sonntagnachmittag plötzlich vier Mannschaften jeweils acht Punkte vor dem FC.

Am Abend verabschiedete sich auch noch Tabellen-Nachbar FC Augsburg, dem ein 2:1 gegen den SC Freiburg gelang. Trotz des Punktgewinns bei der wahrscheinlich größten Überraschungsmannschaft der Saison hat der 1. FC Köln also zum Ende des Wochenendes ein paar abfahrenden Zügen hinterhergeschaut. Platz 15 und damit die direkte Rettung scheint vorerst außer Reichweite.

Mainz 05 mit neuem Trainer und sehr viel Energie

Selbst das Minimalziel Relegation ist nach den Eindrücken des 23. Spieltags absolut gefährdet. Zwar verlor Mainz 05 durch die Niederlage in Leverkusen einen weiteren Zähler auf Köln und steht nun mit 15 Zählern auf Rang 17. Doch hinterließen Mannschaft und vor allem ihr neuer Coach Bo Henriksen im Duell mit den Leverkusener Überfliegern einen teils hervorragenden Eindruck. Ohne Robin Zentners Fehler und Ngankams Platzverweis hätte die Werkself enorme Schwierigkeiten gehabt, die Partie zu gewinnen.

Aus Kölner Sicht bedeutet das für die kommenden Wochen nichts Gutes. In den sieben Partien unter Timo Schultz haben die Kölner zwar sieben Punkte geholt, mit diesem Schnitt wäre über die gesamte Saison in diesem Jahr sogar der Klassenerhalt möglich. Grundsätzlich reichen 32 Punkte für die Relegation und 35 für den direkten Klassenerhalt. Doch von den jüngsten Partien gegen Hoffenheim (1:1), Bremen (0:1) und Stuttgart (1:1) hätte Köln mindestens eine gewinnen müssen. Mainz dagegen verlor zwar gegen Stuttgart und Leverkusen, schaffte aber ein 1:0 über Augsburg – und hat damit an den letzten drei Spieltagen trotz zweier Niederlagen einen Punkt gutgemacht auf Köln.

Bis zur Länderspielpause stehen noch drei Partien an. Mainz trifft zwar auswärts auf die Bayern. Hat davor und danach jedoch in Heimspielen gegen Mönchengladbach und Bochum die Gelegenheit, weiter Boden gutzumachen. Köln dagegen hat es schwer: Heimspiele gegen Leverkusen und Leipzig, dazu das Derby in Mönchengladbach. Das Ziel muss sein, vor der Länderspielpause einen Überraschungscoup zu landen, um dann das Trainingslager in Spanien (18. bis 23. März) zu nutzen, um die Rekonvaleszenten Luca Waldschmidt, Davie Selke und womöglich sogar Mark Uth wieder zu aktivieren, um bereit zu sein für die Schlussphase der Saison.

Denn nach der Länderspielpause stehen für den FC schicksalhafte Begegnungen an. Dem Spiel in Augsburg folgen im April Heimspiele gegen Bochum und Darmstadt, ehe es am 31. Spieltag zum möglicherweise vorentscheidenden Spiel nach Mainz geht.

Im Hinspiel zeigten sich beide Mannschaften vor allem in der Offensive mittellos, doch anders als die gesperrten Kölner konnte Mainz in diesem Winter personell nachlegen: Nadiem Amiri kam aus Leverkusen, der ehemalige DFB-Nationalspieler hat das Mainzer Angriffsspiel in den jüngsten fünf Partien mehr oder minder im Alleingang neu aufgestellt. Jessic Ngankam dagegen wurde bislang nur eingewechselt und hatte Schwierigkeiten, sah gegen Leverkusen die Rote Karte und wurde am Montag für zwei Spiele gesperrt. Doch bietet der 23-jährige Leihspieler von Eintracht Frankfurt den Mainzern weitere Möglichkeiten im Angriff.

Elf Spieltage vor Schluss ist rechnerisch zwar auch der Sprung auf Rang 15 möglich, zumal das Kölner Restprogramm gerade im Saisonfinale mit Darmstadt, Mainz, Freiburg, Union Berlin und Heidenheim keine Topmannschaften mehr bereithält. Legendär ist die Mainzer Aufholjagd aus der Saison 2020/21. Damals hatten die Rheinhessen nach dem 23. Spieltag wie aktuell die Kölner nur 17 Punkte, schafften es aber mit einem bemerkenswerten Schlussspurt und 22 Punkten aus den letzten elf Partien noch bis auf Rang zwölf.

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