Dieses Spiel, der alte Westschlager, ist mehr als ein Heimspiel. Am Samstag um 15.30 Uhr trifft der 1. FC Köln auf Schalke, und die Partie kann die Richtung für beide Klubs vorgeben. Für den FC geht es darum, ob die Mannschaft nach dem 0:1 in Frankfurt und dem 2:1-Derbysieg gegen Gladbach auf dem eingeschlagenen Weg bleibt.
Das Duell der beiden so wuchtigen Traditionsklubs hat zusätzlich Brisanz. Zwischen den Anhängern beider Klubs herrscht seit Jahren eine tiefe Rivalität. In den vergangenen sechseinhalb Jahren gab es dieses Duell in der Bundesliga nur zweimal, was es zu einem seltenen Ereignis macht. Auch neben dem Platz ist die Spannung spürbar: Die Polizei Köln bereitet sich intensiv vor und hat vorab Bereichsbetretungsverbote gegen mehrere Anhänger auf beiden Seiten erlassen.
Wegweisend ist das Spiel vor allem für die Haltung im Kölner Team. Trainer René Wagner wollte die Bedeutung der Partie nicht selbst überhöhen, doch seine Botschaft ist klar: „Für uns ist jeder Sieg in dem Sinne wegweisend, dass er uns bestätigt in der Art und Weise, wie wir arbeiten wollen.“ Frühe Siege, so Wagner, helfen auch früh in der Saison. Für Schalke ist die Partie ebenso richtungsweisend. Der Aufsteiger hat zuletzt in Freiburg (1:2) und gegen Mainz (0:1) verloren. Die Ausgangslage ist also angespannt.
Beim FC auch personell, wenngleich etwas Entspannung in Sicht ist. Beim 0:1 in Frankfurt verletzte sich Joel Schmied am Sprunggelenk, ist nach Wagners Worten aber rechtzeitig fit für Schalke. Ob es für einen Startelf-Einsatz schon reicht, ist aber fraglich. Im Sturm fallen Thijs Dallinga und Imad Rondic aus. Dazu kommen Rav van den Berg, Ellyes Skhiri und Timo Hübers, die weiter in der Reha sind. Wagner muss improvisieren, und genau darin liegt die Chance für Malek El Mala. Der 21-Jährige ist der ältere Bruder von FC-Jungstar Said El Mala. Die Fans träumen davon, die beiden gemeinsam auf dem Rasen zu sehen.
Fest steht: Der Mann kann treffen. In Rödinghausen schoss er die U 21 mit einem Doppelpack zum 3:2-Sieg. Bei der Schalker Reserve traf er ebenfalls. In der Regionalliga West steht er bei vier Saisontreffern. Die Profis brauchen genau so einen. Stürmer Ragnar Ache trainiert wieder teilweise mit der Mannschaft. Wagner sagt: „Für Samstag wird er höchstwahrscheinlich noch keine Option sein.“ Im Pokal gegen Union am 27. Oktober könnte er eher in Frage kommen. Genau deshalb wird Malek El Mala gehandelt. Wagner gibt sich zurückhaltend: „Malek ist mit Sicherheit eine der Optionen, die uns zur Verfügung stehen.“
Die Antwort auf die Frage nach dem großen Bruder fiel allerdings ein bisschen ausweichend aus. Der Grund dürfte auch ein anderer Angreifer sein, der sich in der U 21 längst in den Vordergrund gespielt hat: Nilas Yacobi. Der 19-Jährige traf auch am Dienstag auf Schalke, es war sein siebter Treffer in dieser Saison, dazu kommen sechs Vorlagen. Mit 13 Scorerpunkten in elf Regionalliga-Spielen hat kein anderer FC-Spieler dem Saisonstart der Reserve so sehr seinen Stempel aufgedrückt. Der Däne kam im Sommer 2025 vom VfL Wolfsburg. Er ist kein klassischer Stoßstürmer, dafür bringt er Tempo und Beidfüßigkeit mit. Auch bei den Profis hat Yacobi Eindruck gemacht. Auf Nachfrage bestätigte Wagner, dass er den 19-Jährigen im Visier hat: „Nilas ist die zweite sehr heiße Aktie.“ Und weiter: „Er ist super in der Mannschaft angekommen, hatte eine gute Verbindung mit den Jungs und einen super Eindruck hinterlassen. Er ist auf unserem Radar und ebenfalls eine Option für das Wochenende.“
Bei Malek El Mala hat die Geschichte auch einen kleinen Haken. Der Angreifer war immer wieder verletzt. Zuletzt plagte ihn das Sprunggelenk. Er steht erst seit Kurzem wieder im Spielrhythmus. Der Trainer muss abwägen. Dabei war das Lob nie kleingeredet. Schon in der jüngeren Vergangenheit schwärmte Geschäftsführer Sport Thomas Kessler auch von Malek El Mala: „Er hat Qualitäten rund um die Box und ein unglaubliches Näschen für torgefährliche Räume.“
Auch Schalke mit personellen Problemen
Auf der anderen Seite wartet Schalke. Der Aufsteiger kommt als Team, das tief steht und schnell umschaltet. Ausgerechnet Kapitän Kenan Karaman fällt aus. Laut Trainer Miron Muslic fehlt er muskulär bedingt definitiv. Nach der enttäuschenden Niederlage zuletzt gegen Mainz hatte Karaman zuvor deutliche Worte gefunden: „Es war unser bislang schlechtestes Spiel in dieser Saison.“ Auch Muslic muss nun Personalprobleme lösen. Ron Schallenberg fällt mit einer Beinverletzung aus, der Ex-Kölner Dejan Ljubicic ebenso. Moussa Sylla fehlt offenbar ebenfalls. Bei Maximilian Wöber droht nach dem Trainingszusammenprall mit Karaman sogar das vorzeitige Saisonaus im Kalenderjahr.
Im Fokus steht zudem Said El Mala. Muslic hat öffentlich angekündigt, den Flügelflitzer aus dem Spiel nehmen zu wollen. Der Aufsteiger will seine Offensive also über die Kölner Abwehr stellen. Wagner beschreibt den Gegner genau: „Für uns ist es wichtig, in jedem Spiel Punkte zu holen, das wollen wir auch gegen Schalke. Wir müssen mehr Leidenschaft als die Schalker zeigen, wollen zu Hause ungeschlagen bleiben. Schalke hat super Basics, kann brandgefährlich nach Umschaltmomenten werden. Schalke kann sehr leidenschaftlich verteidigen, das haben sie schon gegen die Bayern gezeigt.“
Wir wollen zu Hause eine Macht werden und unsere Bilanz beibehalten. Wir wollen den Fans einen geilen Sieg schenken und damit in die Englische Woche gehen.
Die eigene Ausrichtung ist für Wagner klar: „Für uns geht es darum, uns Chancen zu kreieren. Das ist bei tief stehenden Gegnern immer etwas schwierig. Wir wissen, mit welchem Plan Schalke bei uns auftreten wird. Wir wollen dagegenhalten, wollen uns Chancen erspielen und Tore erzielen. Zweikämpfe gewinnen, zweite Bälle erobern, Vollgas geben – wir müssen die Basics des Fußballs leben.“ Wagner warnt dennoch vor den Kontern der Gäste. Die Mannschaft muss dagegenhalten und jeden Zweikampf annehmen. „Wenn wir das nicht tun, können die Schalker brandgefährlich werden.“
Gleichzeitig braucht der FC mehr Tore. Der Trainer will mehr Spieler im Strafraum sehen. „Wir müssen mehr Spieler in die Box bekommen.“ Genau dort könnte ein Joker wie El Mala den Unterschied machen, wenn er die Chance bekommt.
Daheim ist der FC bislang schwer zu knacken, und das macht Mut. Sieben von neun möglichen Punkten holte die Mannschaft im eigenen Stadion. Wagner formuliert das Ziel: „Wir wollen zu Hause eine Macht werden und unsere Bilanz beibehalten. Wir wollen den Fans einen geilen Sieg schenken und damit in die englische Woche gehen.“ Und weiter: „Wir wissen und spüren, wie sehr uns Punkte zusammenschweißen, und dafür ist jeder Sieg in der Bundesliga wichtig.“
Nach dem Schalke-Spiel wartet die englische Woche. Am 27. Oktober folgt der Pokal gegen Union, am 1. November das Auswärtsspiel bei den Berlinern. Drei Spiele in neun Tagen machen die Kader-Frage noch dringender. Ob die Geschichte der Brüder El Mala am Samstag ein besonderes Kapitel weiterkommt, zeigt sich in Müngersdorf.

