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Kölner WM-Teilnehmer Sarpei„Kann für Deutschland richtig eng werden“

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Fußballer Hans Sarpei, Team-Manager von Eintracht Spandau, beim 8. Spieltag der Baller League in der Motorworld. Köln, 11.03.2024 NRW Deutschland *** Footballer Hans Sarpei, Team Manager of  Eintracht Spandau, at the 8th match day of the Baller League at Motorworld Cologne, 11 03 2024 NRW Germany Copyright: xChristophxHardtx

Der Kölner Hans Sarpei bestritt 36 Länderspiele für Ghana und nahm 2010 an der WM in Südafrika teil.

Der Kölner Hans Sarpei über den kommenden DFB-Gegner Elfenbeinküste und die weiteren Mannschaften aus Afrika

Der Kölner Hans Sarpei (49) sieht Deutschland bei der WM auf einem guten Weg, warnt vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste aber vor einem Gegner mit Tempo, Physis und Qualität. Im Interview spricht der frühere Ghana-Nationalspieler (36 Länderspiele) und WM-Teilnehmer von 2010 über Afrikas stärkste Teams, Marokkos Entwicklung – und über die problematischen Einreisebedingungen für Fans und Offizielle.

Herr Sarpei, Samstag spielt Deutschland gegen die Elfenbeinküste. Früher hatte sie Drogba, die Touré-Brüder, Zokora, Eboué. Ist die neue Generation vergleichbar?

Hans Sarpei: Sie ist anders – aber wirklich gut. Touré, Drogba, Eboué – das war eine Goldgeneration, die eine Ära geprägt hat. Aber diese Mannschaft hat ihre eigene Qualität. Yan Diomandé vom RB Leipzig im Sturm ist brutal im 1-gegen-1, physisch kaum zu bezwingen. Kapitän Franck Kessié im Mittelfeld ist das Herzstück. Dazu Bazoumana Touré von Hoffenheim und Amad von Manchester United als weitere Angriffsoption. Das ist keine Nostalgie-Mannschaft. Das ist eine Mannschaft, die hungrig ist.

Worauf muss sich Deutschland einstellen?

Die Elfenbeinküste ist physisch dominant, direkt, extrem schnell. Sie liebt Räume – und Deutschland wird ihr genau die geben. Die Deutschen spielen offensiv, lassen Platz. Das ist genau der Gegner, gegen den die Elfenbeinküste am liebsten spielt. Kessié wird das Tempo kontrollieren wollen. Wenn Deutschland das zulässt oder sogar in Rückstand gerät, wird es richtig eng. Allerdings fehlt mit Elye Wahi ein wichtiger Angreifer (darf wegen angeblicher Spielmanipulation nicht nach Kanada einreisen. d. Red.).

Die Deutschen spielen offensiv, lassen Platz. Das ist genau der Gegner, gegen den die Elfenbeinküste am liebsten spielt.
Hans Sarpei

Gibt es Schwachstellen?

Gegen tiefstehende Mannschaften haben sie Probleme. Aber Deutschland steht nicht tief – das ist nicht ihre Art. Insofern spielt die Spielweise der Deutschen dem Gegner in die Karten.

Ihre Prognose?

1:1.

Was trauen Sie Deutschland insgesamt zu?

Deutschland arbeitet sich in Turniere rein. Der 7:1-Auftakt war wichtig. Ich sehe sie im Viertelfinale, vielleicht Halbfinale – im Achtelfinale wartet wahrscheinlich Frankreich, aber auch Frankreich ist für Deutschland an einem starken Tag schlagbar. Weltmeister? Das sehe ich nicht.

Zehn afrikanische Teams, zwei Siege, vier Remis, vier Niederlagen. Wer hat Sie überrascht?

Wer den Afrika Cup genau verfolgt, wird nicht überrascht sein. Das Niveau steigt weiter. Die Spieler sind in Europa, in der Champions League, Premier League. Trotzdem wollen sie ihren Stil behalten – und das macht sie gefährlich. Gegen afrikanische Mannschaften zu spielen, wird auf jeden Fall nicht leichter.

Marokko schafft Strukturen. Akademien, Trainerausbildung, organisierten Nachwuchs. Die denken in Jahrzehnten. Das zahlt sich aus.
Hans Sarpei

Das stärkste afrikanische Team?

Marokko. Ohne Diskussion. Strukturiert, taktisch diszipliniert, kaum Ballverluste. Achraf Hakimi von rechts nicht zu stoppen, Bono im Tor ein Elfmeterspezialist, Ayyoub Bouaddi aus Lille mit 18 Jahren bereits ein Unterschiedsspieler, Brahim Díaz als kreativer Motor. Gegen Brasilien haben sie nicht gezittert – sie haben ihr Spiel aufgezwungen. Danach kommt für mich der Senegal – physisch furchtlos, aggressiv, mit viel Tempo. Dann erst die anderen.

Marokko richtet 2030 die nächste WM aus. Ein Faktor?

Ein enormer. Aber es ist mehr als Motivation: Marokko schafft Strukturen. Akademien, Trainerausbildung, organisierten Nachwuchs. Die denken in Jahrzehnten. Das zahlt sich aus.

Können sie 2030 den Titel holen?

Der Weg ist noch weit. Aber sie müssen sich vor niemandem verstecken. Ein echter Weltklasse-Mittelstürmer fehlt noch – das ist der einzige Schwachpunkt. Bis 2030 kann sich das noch ändern. Kap Verde 0:0 gegen Spanien, Kongo 1:1 gegen Portugal: Für viele war das überraschend.

Für Sie auch?

Kap Verde hat Vozinha im Tor – der war überragend, hat alles gehalten, was zu halten war. Dazu waren die Spanier merkwürdig ideenlos – da hat Kap Verde auch ein bisschen Glück gehabt. Kongo war für mich keine Überraschung. Athletisch, direkt, körperlich – wer die beim Afrika Cup gesehen hat, wusste: Die können Portugal wehtun. Defensiv sehr stabil, und wenn sie vorne einmal treffen, bringen sie das durch.

Bildnummer: 06078294  Datum: 23.06.2010  Copyright: imago/VI Images
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WM 2010 in Südafrika, Gruppenspiel zwischen Ghana und Deutschland: Hans Sarpei (r.) im Duell mit dem jungen Thomas Müller

Ghana hat gegen Panama 1:0 gewonnen – aber überzeugend war es nicht. Sie haben 2010 selbst mit Ghana an der WM teilgenommen – wie beurteilen Sie die aktuelle Mannschaft?

Die erste Halbzeit war schlimm. Gar nichts nach vorne. Wir haben zwar Antoine Semenyo – überragend. Aber er braucht Mitspieler auf seinem Niveau. Und genau die fehlen: Tottenham-Star Mohammed Kudus, Mohammed Salisu und Alexander Djiku sind allesamt verletzt, Thomas Partey wurde nicht eingesetzt. Das sind keine Randnotizen – das sind tragende Säulen. Wenn so viele Spieler dieses Kalibers fehlen, hast du vorne wie hinten ein Problem. Der Sieg war enorm wichtig. Aber nüchtern betrachtet ist Ghana momentan keine Mannschaft, die ein Spiel dominiert.

Fans aus der Elfenbeinküste und dem Kongo können kaum einreisen. Wie bewerten Sie das?

Sehr bitter. Aber was mich noch mehr beschäftigt: Bei der WM 2022 in Katar war der allgemeine Aufschrei riesig. Jetzt redet man kurz drüber und macht weiter. Dabei geht es nicht nur um Fans – dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan wurde die Einreise verweigert. Ein Offizieller des Weltfußballs. Wenn deutschen Fans das passieren würde, würde Deutschland seine Turnierteilnahme überdenken. So sieht's aus. Das Gespräch führte Lars Werner