Der Auftritt Paraguays gegen den zweimaligen Weltmeister Frankreich hatte nichts mehr mit dem Kampf eines Außenseiters gegen eine Übermacht zu tun.
Paraguays finstere Mittel gegen FrankreichDer Fußball hat gewonnen


Kylian Mbappe ist wieder einmal gefoult worden, der Franzose lacht seinen Gegner aus.
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Der 1. FC Köln hat in der vergangenen Saison die wenigsten Fouls aller Mannschaften der fünf großen Ligen Europas begangen, und obwohl an dieser Stelle nicht zu Unfairness aufgerufen werden soll, ergeht der vorsichtige Hinweis ans Geißbockheim: Womöglich gibt es da ein Detail, das man sich mal vornehmen sollte.
So gesehen schien sich Juan José Cáceres, der am Samstag Paraguays rechte Seite gegen Frankreich verteidigte, nachdrücklich um einen Job in der Bundesliga zu bewerben: Der 26-Jährige könnte den FC in der Foulstatistik wohl aus dem Stand in Europas Spitze befördern.
Vor allem aber bot er Kylian Mbappé in der Startphase des Spiels exakt den Kampf, den ein Außenseiter liefern muss, wenn er sich einem Weltstar gegenüber sieht. Cáceres nahm dem Kontrahenten alle Räume, schlug sich in Sprintduellen mit dem Franzosen mindestens ordentlich und schien in Gestik, Mimik und auf der rhetorischen Ebene der Herausforderung gewachsen. In der ersten Viertelstunde verzeichnete Frankreich mehr Ballverluste als im gesamten Sechzehntelfinale gegen Schweden.
Dann kippte die Sache jäh, und aus der potenziell unterhaltsamen Abwehrschlacht eines Außenseiters wurde ein Auftritt, der vor allem Fremdscham hervorrief. Anders als fünf Tage zuvor gegen die Deutschen, die angesichts beschränkter spielerischer Mittel und mangelhafter Vorbereitung auf den Gegner ein leichtes Opfer gewesen waren, bedienten sich die Paraguayer diesmal finsterster Mittel.
Der Schiedsrichter versagt
Gegen die es allerdings wiederum Mittel gibt: den Schiedsrichter. Und zwei Assistenten. Und einen Vierten Offiziellen. Und einen ganzen Trupp an den Videoschirmen mit ihren berüchtigten Superzeitlupen.
Es war nicht schwierig zu erkennen, dass mehrfach Spieler Paraguays nach ihren Kontrahenten schlugen. Dass sie sich im Wortsinne auf Frankreichs Torhüter warfen, um das Spiel zu verzögern. Dass sie vor dem Strafstoß den Elfmeterpunkt malträtierten wie einst der Augsburger Marwin Hitz in Müngersdorf, auf dessen sagenhafte Unsportlichkeit auch mehr als zehn Jahre danach noch nicht oft genug hingewiesen worden ist.

Matias Galarza, einer der Hauptdarsteller von Paraguays absurder Show gegen Frankreich, foult Michael Olise.
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Schon vor dem Strafstoß, den der Schiedsrichter ohne das Eingreifen des VAR ebenfalls übersehen hatte, war den Paraguayern das Spiel entglitten. Mit dem Rückstand verloren sie endgültig den Kopf.
Man musste sich am Bildschirm sorgen, Frankreich könnte für den Rest des Turniers Spieler verlieren. Doch es ging gut – und Kylian Mbappé verdiente sich den Status des derzeit nicht nur womöglich besten, sondern auch nervenstärksten Spielers des Planeten.
Statt zu klagen, begann er in der Schlussphase schlicht den Gegner auszulachen. Für all die Schauspielerei, die Theatralik, die lächerlichen Versuche, fußballerischer Klasse mit reinem Zerstörungswillen zu begegnen. Erfolgreiche Außenseiter schreiben die schönsten Geschichten. Doch dieses Mal war es gut, dass der Favorit gewann. Sonst hätte der Fußball verloren.
