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Analyse zum 0:3Bayer 04 fällt in Hoffenheim in ein Luftloch

Leverkusen war im Aufwind, dann kam das 0:3 in Hoffenheim. Was die Werkself daraus für die kommenden Wochen lernen kann.

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v.l.n.r.: Malik Tillman Bayer 04 Leverkusen und Max Moerstedt TSG Hoffenheim, im Bundesliga-Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Bayer 04 Leverkusen in der PreZero Arena, Sinsheim, Deutschland, am 25. Oktober 2026. in action during the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and Bayer 04 Leverkusen at the PreZero Arena, Sinsheim, Germany, on October 25, 2026. DFB/DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO, *** From left to right: Malik Tillman of Bayer 04 Leverkusen and Max Moerstedt of TSG Hoffenheim, during the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and Bayer 04 Leverkusen at the PreZero Arena, Sinsheim, Germany, on October 25, 2026, in action during the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and Bayer 04 Leverkusen at the PreZero Arena, Sinsheim, Germany, on October 25, 2026. DFB and DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, Copyright: HMBxMedia/xHeikoxBecker

Leverkusens Malik Tillman (l.) versucht Hoffenheim Max Moerstedt vom Ball zu trennen. Im Hintergrund: Patrik Schick.

Sechs Pflichtspielsiege in Folge, darunter das 2:1 gegen Tabellenführer Freiburg, dazu ein souveränes 2:0 bei OFI Kreta – nur einen Punkt hinter dem neuen Spitzenreiter Bayern lag die Werkself vor dem Gastspiel in Hoffenheim. In Sinsheim folgte ein heftig klingendes 0:3. Nach dem starken Aufwind kam ein Luftloch, in das die Mannschaft von Carles Martínez fiel. Die Frage lautet, ob sie sich selbst wieder auffangen kann.

An das eigene Leistungsniveau kam Bayer in Hoffenheim kaum heran. Vor allem im Ballbesitz wirkte die Mannschaft zu unsauber, der letzte Pass geriet zu ungenau oder blieb ganz aus. Wenn Ideen mal da waren, scheiterte es häufig an der Umsetzung. Ein klassisches 0:3 war es vom Spielverlauf allerdings auch nicht.

Wie knapp die Partie nach Einschätzung der eigenen Mannschaft war, zeigte Robert Andrichs Rückblick. „Ich glaube, das Spiel war ziemlich lange sehr ausgeglichen“, sagte der Ex-Kapitän. „Wir waren in der ersten Halbzeit Richtung Ende hin schon die bessere Mannschaft, und auch in der zweiten Halbzeit war es eigentlich ein vernünftiges Spiel von uns. Ich glaube, wir hätten auch den Führungstreffer schießen können.“ Dann aber kam der Elfmeter – und mit ihm der Bruch. „Das 2:0 ist dann der Knackpunkt“, sagte Andrich. „Das Ergebnis ist auf jeden Fall viel zu hoch für das Spiel, aber am Ende sind es keine Punkte für uns.“

Klare Kritik von Bayer-Coach Carles Martínez

Woran es im Ballbesitz konkret haperte, erklärte Andrich mit Blick auf die Spielanlage der TSG. „In Hoffenheim sind die Spiele meistens so: Sie spielen ganz guten Fußball, fühlen sich aber wohl, wenn der Gegner auch Fußball spielt, weil sie dann aggressiv sein können“, sagte er. „Wir haben versucht, in die Tiefe zu kommen und dem Gegner ein bisschen weh zu tun, dann aber nicht unseren Push gehabt, den wir sonst im Spiel haben. So ein Spiel kann schon mal ein bisschen vor sich hin plätschern.“ Martínez bestätigte den Befund aus Trainersicht deutlich direkter. „Heute war nicht unser bester Tag“, sagte der Spanier. „Wir haben unseren besten Fußball nicht gefunden, nicht unsere beste Verbindung.“ Die Belastung – das Spiel in Griechenland am Donnerstag, die späte Rückkehr in der Nacht, Einsatzbeschränkungen aufgrund von Belastungssteuerung bei mehreren Profis – wollte er dabei nicht als Ausrede gelten lassen: „Das ist keine Entschuldigung.“

Die Zahlen zum Spiel untermauern den Eindruck von Martínez. Hoffenheim kam auf 20 Torschüsse und einen xG-Wert von 3,46, Leverkusen blieb bei 9 Abschlüssen und 0,57 erwarteten Toren – ein Unterschied, der die Dominanz der TSG in den entscheidenden Zonen belegt. Keine einzige der 13 Leverkusener Flanken kam an, bei Hoffenheim waren es immerhin 17 Prozent von zwölf. Auch bei den Luftzweikämpfen fiel Bayer deutlich ab: Die TSG gewann 64 Prozent, Leverkusen nur 36 Prozent – ausgerechnet in jener Disziplin, aus der später auch der folgenreiche Zusammenprall zwischen Badé und Moerstedt entstand.

Auffällig ist zudem die Laufleistung: Hoffenheim kam auf 123,02 Kilometer, Leverkusen blieb bei 115,49 Kilometer. Ein Vorsprung von mehr als sieben Kilometern lässt sich nicht allein mit dem Ballbesitzfußball der Werkself erklären, auch wenn genau dieses Argument naheliegt: Wer mehr Zeit am Ball verbringt, muss naturgemäß weniger hinterherlaufen. Leverkusen kam in Hoffenheim auf 58 Prozent Ballbesitz, deutlich mehr als der Gegner. Der Vergleich mit dem Tabellenführer entlarvt die Erklärung jedoch als unvollständig: Der FC Bayern führt die Liga nicht nur im Ballbesitz an, sondern auch in der Gesamt-Laufleistung. Die beiden Werte schließen sich demnach nicht aus. Wer dominiert, kann trotzdem laufstark bleiben – Bayer 04 hat das in Hoffenheim nicht geschafft.

Das größte Lernfeld liegt jedoch woanders: Bayer darf sich in solchen englischen Wochen keinen individuellen Patzer leisten, wie er Edmond Tapsoba beim Elfmeter gegen Asllani unterlief. „Wir wussten, dass diese Mannschaft überall auf dem Platz Eins-gegen-eins-Duelle sucht, darauf hatten wir uns vorbereitet“, sagte Tapsoba. „Aber man kann sich vorbereiten und trotzdem einen schlechten Tag haben. Das gehört zum Spiel dazu.“ Zum Elfmeter selbst wählte er eine vorsichtige, aber ehrliche Formulierung: „Ehrlich gesagt war der Kontakt da. Aber es war nicht viel.“ Er ergänzte den Hinweis, der in solchen Szenen mitschwingt: „Manche Stürmer sind schlau und lassen sich fallen, weil sie wissen, dass der Video-Assistent eingreifen könnte. Heute war nicht unser Glückstag. Ich muss daraus lernen und stärker zurückkommen.“

Martínez stellte klar, wie teuer der Moment war: „Dieser Elfmeter ist ein Fehler von uns, das müssen wir akzeptieren. Danach hat sich das Spiel komplett verändert.“ Andrej Kramaric verwandelte zum 1:0. Das 2:0 nach dem Kopf-Crash zwischen Badé und Moerstedt entschied das Spiel, das 3:0 in der Nachspielzeit war eine Nummer zu viel.

Solche Spiele können einer Mannschaft passieren, die seit Wochen im Dreitagerhythmus funktioniert. Entscheidend ist, wie schnell sie darauf reagiert. Bayer bekommt die Gelegenheit dazu bereits am Mittwoch (20.45 Uhr, Sky) im DFB-Pokal gegen den 1. FC Nürnberg, ehe die nächsten Bundesliga- und Europa-League-Aufgaben folgen. Bis zur Länderspielpause Anfang November stehen noch vier Partien in zwölf Tagen an. Die Serie vor Hoffenheim hat gezeigt, dass dieser Kader Haltung entwickeln kann. Nun muss er beweisen, dass eine einzelne schlechte Leistung keine Kettenreaktion auslöst.

Bitter ist dabei vor allem die Verletztenliste, die sich in Hoffenheim gleich zweimal verlängerte. Moussa Diaby musste bereits nach 41 Minuten mit muskulären Problemen im Oberschenkel vom Platz, Loïc Badé nach seinem schweren Zusammenprall mit Max Moerstedt. Beide reihen sich damit ein in eine ohnehin lange Ausfallliste: Kennet Eichhorn, Martin Terrier, Guéla Doué, Christian Kofane, Montrell Culbreath und Eliesse Ben Seghir fehlen bereits. Immerhin bei Culbreath, Ben Seghir und Kofane dürfte die Rückkehr nicht mehr zu lange dauern. Acht Spieler fallen Bayer 04 nun aus – ausgerechnet in der dichtesten Phase der Saison. Martínez wird in den kommenden Wochen also nicht nur taktische, sondern vor allem personelle Antworten finden müssen. Der Aufwind der vergangenen Wochen war real. Ob er trägt, zeigt sich erst, wenn der Wind von vorne kommt.